[vc_single_image image=”2438″ img_size=”full”][vc_column_text]Es ist Sommer, und mal wieder erhitzt eine Innenstadt-Geschichte die Fuldaer Gemüter. Die noch recht junge Kneipe Heimat am Buttermarkt sorgt wie jede andere auch für Sitzmöglichkeiten unter freiem Himmel. Ein anderer Gastronom hatte sich unlängst allerdings über diese beschwert. Und die Vorgaben der Stadt erlauben keinen Spielraum: Die Möbel gehen nicht mit der Satzung konform und müssen daher weg. Wo bleiben der Mut und die Flexibilität der Stadt, fragt unser Volontär Daniel – ein Kommentar:

Die vielen Facebook-Kommentare unter dem Artikel der Fuldaer Zeitung vom 4. Juni sprechen eine eindeutige Sprache: Das Wort “lächerlich” ist immer wieder zu lesen. “Hurra, und wieder eine Peinlichkeit”, spottet ein Leser. Und immer wieder die Frage, ob es keine wichtigeren Probleme gebe. Außerdem sind sich nahezu alle einig: “Die Holzbänke sehen gut aus, sind wertig und gemütlich, passen super in das Konzept und genügen meines Erachtens auch den Vorgaben der Satzung”, so eine Userin.

Eine Beschwerde reichte aus

Doch was besagt diese Satzung eigentlich über die Nutzung des öffentlichen Raums in der Fuldaer Innenstadt? Wozu braucht man sie? Die Betreiber der Heimat Felix Wessling (33) und Paul Pawlowski-Rothenbücher (32) ahnten, dass ihre Außenmöbel für Ärger sorgen würden. Die Stadt hatte sie bereits im März darauf hingewiesen, dass sie nicht mit der Satzung konform gehen, der Heimat aber eingeräumt, sie “übergangsweise” zu nutzen. Nun machte die Beschwerde eines anderen Gastronomen diese Einigung zunichte. Ein unfeiner Zug, durch den sich die Stadt offenbar zum Handeln genötigt sieht.

“Festzeltgarnituren, einfachste Plastikmöbel und sonstige geringwertige Möblierungselemente dürfen nicht aufgestellt werden”, heißt es in der Satzung. “Die Möbel der Heimat haben eindeutig den Charakter einer Festzeltgarnitur”, so Johannes Heller von der Pressestelle der Stadt gegenüber der Fuldaer Zeitung. Das mag stimmen, aber wie überall gibt es hier natürlich Ramschware oder hochwertige Garnituren, und die Stadt könnte etwas mehr Spielraum gewähren.

Über Geschmack lässt sich streiten

Ziel der Satzung ist es, “einer Übermöblierung und ausufernden Sondernutzung entgegenzuwirken, um Fußgängern und Menschen mit Behinderung mehr Raum zur Verfügung zu stellen”, heißt es in der Präambel der Satzung. Am Buttermarkt wird das wohl niemand zur Diskussion stellen. Des Weiteren räumt die Stadt im Einzelfall “bei einer hochwertigen und kreativen Gestaltung der Möblierungselemente” Ausnahmen ein.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber die Bänke und Tische machen den Flair der Heimat komplett. Sie passen farblich sogar zur Fensterfront am rechten Nebenhaus – und überhaupt zum ganzen Buttermarkt, zur ganzen Innenstadt.

Lebt eine Stadt nicht gerade von ihrer Vielfalt?

Auch dass die Möbel der Kneipen “das bestehende Stadtbild stärker herausstellen” sollen, wie es in der Satzung heißt, ist natürlich eine sehr dehnbare Formulierung und immer mit verschiedenen Geschmäckern verbunden. Welches Stadtbild genau? Welche Stühle bestärken dieses Bild, welche verunstalten es? Lebt eine Stadt nicht gerade von ihrer Vielfalt und Toleranz für das Andere? Zumal die Heimat-Möbel nun wirklich nichts Absonderliches sind oder gar krass herausstechen.

Dass niemand die Innenstadt überhäuft von billigen Plastikstühlen sehen will, ist klar. Aber wo sind die Flexibilität und der Mut der Stadt, einer neuen Szenekneipe ihr Stilempfinden und den Fuldaern die Entscheidung zu überlassen, ob sie auf diesen Bänken ihr kühles Feierabendbier genießen wollen?

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