Maya Stein (l.) von der Seebrücke Fulda (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Den Leuten von der Seebrücke Fulda dreht sich mit Blick auf die deutsche Flüchtlingspolitik der Magen um. An die Stadt stellen sie eine klare Forderung. Vergangenes Jahr hatte diese in der Stadtverordnetenversammlung noch kaum Rückhalt.

Auf der griechischen Insel Lesbos leben Tausende Migranten auf engsten Raum. Auch nachdem Moria, ein Lager für Geflüchtete, abgebrannt ist. 13.000 Menschen waren zwischenzeitlich obdachlos. Mittlerweile sollen 9000 von ihnen in einem Übergangslager, einer Zeltstadt, gelandet sein. Das Lager ist maximal für 10.000 Personen ausgelegt. Also schon ziemlich voll und zu klein, um alle unterzubringen. Wobei fraglich ist, ob die Menschen dort überhaupt unterkommen möchten. Viele der Geflüchtete sollen sich zunächst geweigert haben, in die Zeltstadt zu gehen. Sie sollen gefürchtet haben, dort wieder monatelang unter katastrophalen Umständen festzusitzen.

Es sind Zustände, wegen denen es den Mitgliedern der Initiative Seebrücke Fulda speiübel wird. Das haben sie auch am Donnerstag während einer Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz deutlich gemacht. “Wir möchten unser Entsetzen über die europäische und insbesondere die deutsche Politik ausdrücken”, sagte Maya Stein vor etwa 40 Teilnehmern. “Die Friedensnobelpreisträgerin EU trägt Schuld am Leid an ihren Außengrenzen.”

In Fulda sollen Geflüchtete ankommen sollen

Maya kritisierte, dass auf Lesbos Kinder mit Tränengas beschossen wurden. Das ist Anfang September gewesen. Damals hatten Geflüchtete in Moria demonstriert – unter ihnen rund 300 unbegleitete Minderjährige. Die Polizei griff hart durch, setzte Tränengas gegen die Protestierenden ein.

Für die Seebrücke Fulda gibt es nur eine Lösung: Die Menschen, die auf Lesbos im Lager leben, müssen woanders unterkommen. “Anstatt sich für die Evakuierung einzusetzen, unterstützt die deutsche Politik aber das Entstehen eines weiteren Moria”, sagte Maya am Donnerstag. “Die Leute werden in ein menschenunwürdiges Camp gezwungen. Dabei haben wir, auch in Fulda, genug Platz für diese Menschen.”

Die Seebrücke Fulda wolle Druck machen, bis alle Lager evakuiert seien. Und bis Fulda ein Sicherer Hafen ist. “Und zwar nicht nur symbolisch, sondern einer, in dem Menschen wirklich ankommen können”, sagte Maya. Im Sommer 2019 hatte diese Forderung in einem Großteil der Stadtverordnetenversammlung keinen Rückhalt. Am Donnerstagabend wollte sich der Sozialausschuss der Stadt das Thema diskutieren.


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