Foto: Emilie Paylanmaz

Emilie Paylanmaz und Erik Heinze sind Ende Februar nach Seoul in Südkorea ausgereist und in ihr digitales Auslandssemester gestartet. Eric Heinze studiert an der Sungkyunkwan Universität, einer Partnerhochschule der Hochschule Fulda. Emilie Paylanmaz ist als freemoverin an der Hankuk Universität für Fremdsprachen (HUFS). In einem Interview mit Adrienne Stickel, der Koordinatorin für Internationales im Fachbereich Wirtschaft an der Hochschule Fulda, erzählen sie von ihren Erfahrungen.

Ein Interview der Hochschule Fulda

Am Jahresanfang gab es schon Meldungen über den Ausbruch des Coronavirus in Südkorea. Was hat euch dazu bewegt, trotzdem auszureisen?

Erik: Südkorea ist eines der hochentwickeltsten und fortschrittlichsten Länder im asiatischen Raum, was komischerweise immer noch vielen in der westlichen Welt unklar ist – das hat mich gereizt! Südkorea ist hochentwickelt und das Gesundheitssystem ist mindestens genauso gut wie das in Deutschland. Ich hatte keine Bedenken bei der medizinischen Versorgung vor Ort, und wie sich herausstellte, hat das Land die Krise nahezu komplett bewältigt.

Emilie: Ende Februar ist mein Flieger nach Südkorea gestartet. Für mich war es schon seit Jahren ein Traum nach Südkorea zu gehen und hier für eine längere Zeit zu leben. Leider hat es lange nicht geklappt. Mir war schon bewusst, dass das Virus weite Wege machen wird und auch in Deutschland landen würde. Diesmal wollte ich mir aber keine Steine in den Weg legen lassen und bin ausgereist. Ich wollte mit dem ersten Semester das Land erst einmal richtig kennenlernen. Nachdem ich das Land und die Kultur etwas kennengelernt hatte, ist mir bewusst geworden, dass vier Monate doch zu wenig sind für dieses Land. Daher habe ich mich entschieden, ein weiteres Semester zu bleiben.

Wie gestaltete sich der Kontakt zur Uni vor der Ausreise?

Erik: Um ehrlich zu sein gab es keine Unterstützung seitens der Uni. Ich habe alles selbst organisiert, aber das war nicht kompliziert. Es gab von der Uni nur einige E-Mails, die anstehende Veranstaltungen und Organisatorisches ankündigten.

Emilie: Ich hatte zuvor hauptsächlich mit AsiaExchange Kontakt, der Vermittlungsagentur.

Wie lief die Anreise in Südkorea ab?

Emilie: Ich habe glücklicherweise jemanden von der HUFS am Frankfurter Flughafen getroffen und wir sind zusammen nach Seoul geflogen. Die HUFS hatte Personen organisiert, die Studierende am Flughafen in Empfang nehmen. Wir sind aber mit der U-Bahn zu unserer Wohnung gefahren.

Wie lebt ihr in Südkorea? Wie sieht eure Wohnsituation aus?

Erik: Ich lebe in einer WG mit drei weiteren Studenten – die Unterkunft habe ich selbst herausgesucht.

Emilie: Anfang habe ich in einem „Goshiwon“ gelebt, das aus einem kleinen Zimmer mit einem kleinen Badezimmer, einem Bett, einem Schrank und einem Schreibtisch besteht. Die Küche habe ich mir mit den Bewohnern des Stockwerks geteilt. Das Zimmer war wirklich sehr klein. Deshalb entschied ich mich dazu, auszuziehen. Nun teile ich mir eine Wohnung mit einer Freundin. Jede von uns hat ihr eigenes Schlafzimmer und Badezimmer. Wir teilen uns ein Wohnzimmer, die Küche, zwei Terrassen und einen Wintergarten.

Wie sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland?

Erik: Ziemlich ähnlich. Außer Früchten und Gemüse – das sind meistens Importprodukte und daher etwas teurer.

Emilie: Das „Goshiwon“ war sehr viel teurer im Vergleich zu Deutschland. Ich habe für sieben Quadratmeter ungefähr 370 Euro pro Monat gezahlt. Für meine neue Wohnung zahle ich dasselbe, aber das liegt an dem Virus. Lebensmittel einkaufen ist viel teurer als in Deutschland. Weintrauben zum Beispiel kosten hier ungefähr 17 Euro pro Kilogramm. Es ist dafür sehr viel günstiger, Essen zu gehen. Man bekommt schon etwas ab zwei Euro. Freizeitaktivitäten gestalten sich preislich genauso wie in Deutschland. Für den Freizeitpark „Everland“ habe ich 30 Euro gezahlt, als Ausländer erhält man teilweise Rabatte.

Foto: Erik Heinze

Was macht ihr in eurer Freizeit? Gibt es soziale Aktivitäten mit anderen Studierenden – vor allem in Zeiten von Corona?

Erik: Ich gehe regelmäßig boxen und entdecke Seoul – es gibt kaum Einschränkungen.

Emilie: In meiner Freizeit bin ich sehr viel gereist. Es ist immer noch möglich, innerhalb des Landes zu reisen. Es ist außerdem günstiger im Vergleich zu Deutschland. Ich weiß nicht, wie es sich hier vor dem Ausbruch gestaltet hat, aber durch Freunde erfuhr ich, dass die Universität sehr viele soziale Aktivitäten angeboten hat, die aber durch die Regierung verboten wurden. Clubs, Museen und Paläste sind geschlossen, Kirchen und andere religiösen Häuser auch. Die waren eine Zeit lang geöffnet, wurden aber seit dem zweiten Ausbruch wieder geschlossen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, um mit Freunden Spaß zu haben. Nachts gehen wir sehr gerne in ein sogenanntes „Pocha“. Es ist Teil der koreanischen Kultur, sich dort zu treffen, um gemeinsam zu essen und Trinkspiele zu spielen. Danach geht man noch sehr gern in eine Tanzbar. All diese Aktivitäten können nicht ohne das Tragen einer Maske gemacht werden. Vor dem Betreten der Orte müssen wir uns in eine Liste eintragen und einen Fiebercheck machen.

Wie geht ihr mit der Sprachbarriere um?

Erik: Englisch wird nicht von allen gesprochen, aber man kommt an sein Ziel und die Leute verstehen einen.

Emilie: Es ist wirklich sehr hart in Korea zu sein, da kaum jemand Englisch spricht. Es wäre besser wenigstens die Basics der koreanischen Sprache zu beherrschen, um eine schönere Zeit zu haben. Selbst junge Leute in unserem Alter sind wirklich sehr schlecht in Englisch. Koreaner freuen sich, wenn man auch nur ein klein wenig koreanisch sprechen kann.

Wie haltet ihr Kontakt mit Professor*innen?

Erik: Genauso wie in Deutschland: online.

Emilie: Die Vorlesungen fanden alle online statt, entweder über Videochat oder über das Hochladen von Material. Teilweise musste ich wöchentlich Hausaufgaben abgeben. Der Kontakt mit den Professor*innen lief über die Online-Plattform der HUFS oder per Mail.

Gibt es große kulturelle Unterschiede, die man kennen sollte?

Erik: Die Koreaner sind in der Regel wesentlich respektvoller im Umgang miteinander und das spiegelt sich auch in ihrem Verhalten wieder.

Emilie: Für Koreaner ist der Respekt gegenüber Älteren sehr wichtig. Es gibt zum Beispiel extra Sitze für ältere Menschen in Bus und Bahn. Auch wenn Südkorea sehr fortgeschritten im Sinne der Technologie ist, sind sie sozial doch sehr konservativ. Koreaner ziehen nur bei ihren Eltern aus, wenn sie verheiratet sind und Besuche finden sehr wenig statt, speziell zwischen beiden Geschlechtern kaum. Weiterhin sind die Koreaner nicht so sehr an Ausländer*innen gewöhnt. Der Anteil ist viel geringer als in Deutschland. Man wird sehr oft angestarrt oder nach einem Foto gefragt. Leider kam es auch schon zu rassistischen Auseinandersetzungen mit Koreanern.

Wie ist das öffentliche Leben in Seoul? Gibt es Restriktionen?

Erik: Das Leben in Seoul ist sehr divers. Man kann auf den nahegelegenen Bukhansan wandern gehen oder verschiedene Restaurants und Karaoke-Bars besuchen. Es gab kaum Einschränkungen außer geschlossene Clubs.

Emilie: Ich würde sagen, dass sich das Leben in Seoul sehr normal gestaltet. Ich weiß nicht, wie es vor dem Ausbruch war, würde aber sagen, dass es im Vergleich zu dem, was ich aus Deutschland gehört habe, doch sehr viel weniger Einschränkungen gab. Am Anfang hatte ich noch sehr große Angst, was sich aber mit der Zeit gelegt hat. Es ist Pflicht, in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske zu tragen.

Fühlt ihr euch in Südkorea sicher?

Erik: Südkorea ist eines der sichersten Länder der Welt. Daher gab es keine Befürchtungen in jeglicher Hinsicht.

Emilie: Ich fühle mich sehr sicher in Korea. Das Land ist sehr gut organisiert. Ich bin ehrlich gesagt sehr froh hier zu sein, anstatt in Deutschland.

Wieso habt ihr euch dazu entschieden, ein weiteres Semester zu bleiben?

Erik: Kurz gesagt: Es ist eine großartige Kultur in einer für uns anderen Welt, die ich gerne noch mehr entdecken möchte.

Emilie: Der Ausbruch in Deutschland ist noch sehr hoch im Vergleich zu Korea. Deshalb entschied ich mich dafür, ein weiteres Semester in einem der sichersten Länder auf der Welt zu bleiben. Weiterhin, wie zu Beginn erwähnt, war es schon seit Jahren mein Plan, eine längere Zeit in Südkorea zu verbringen. Südkorea hat viel zu bieten: Tradition, Geschichte und Kultur – aber auch Modernität.

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