Kennst du schon ..? Jede Woche entdecken wir neue, aber auch ältere, vielleicht vergessene kulturelle Goldstücke im Netz – Alben, Bücher, Serien, Filme, Games, Podcasts und vieles mehr, wozu wir unseren Senf abgeben. Diese Woche träufeln wir dir Nu-Jazz in die Ohren. Jaga Jazzist nehmen dich mit auf eine Klang-Reise.

Schon Monate vor Erscheinen dieses Albums hat Brainfeeder Nu-Jazz-Fans mit einer Hörprobe den Mund wässrig gemacht. Okay, dass es so viele wurden, lag an der Pandemie. Eigentlich sollte die Scheibe Ende April erscheinen. Jetzt wurde es halt Anfang August.

Brainfeeder ist ein Independent-Label aus Los Angeles. Gegründet hat es der Electro-Maestro Flying Lotus. Nun ist auf dem Label erstmals ein Album der norwegischen Nu-Jazz-Kombo Jaga Jazzist erschienen. “Pyramid” heißt es. Das Label hatte bereits Ende Februar erste Fetzen der Platte auf Instagram veröffentlicht.

Jaga Jazzist verweben Saxofon, Trommeln, Schlagzeug, E-Bass und E-Gitarre, Keyboard, Klarinette und was weiß ich alles noch zu einem sphärischen Klangteppich. Jeder Song ist wie eine musikalische Reise – ein Kontrast zum gängigen Pop, in dem sich Refrain und Bridge ziemlich vorhersehbar mehrfach innerhalb von gut drei Minuten abwechseln.

Jaga Jazzist verbeugen sich auf “Pyramid” vor Isao Tomita

Die Musik ist progressiv, die Tracks bauen sich mit jeder Minute auf, wechseln zwischen Harmonie und aufwühlenden Parts. Der Sound der Scheibe ist perfekt, er klingt, als würde er sich widerstandslos durch die kühle Luft einer klaren Nacht ausbreiten. Jeder, der ein gutes Soundsystem mit ordentlichen Speakern oder guten Kopfhörern hat, wird den Unterschied zwischen schlecht abgemischten Platten heraushören, auf der sich alles zu einem Brei vermischt.

Vier Songs hat Pyramid für dich parat. Klingt nach wenig, ist es aber nicht. Keiner der Tracks ist kürzer als acht Minuten. Und jeder bietet dir einen Reichtum an Facetten, den dir keine der gängigen Spotify-Playlists bieten.

Los geht’s mit Tomita. Vom Namen her eine Verbeugung in Richtung Isao Tomita. Der Japaner hatte sich ab den 1970ern klassische Musik vorgeknöpft und mit Synthesizern neu interpretiert. Unter anderem “Die Planeten” des englischen Komponisten Gustav Holsts.

Spiral Era nistet sich nachhaltig im Ohr ein

Knapp 14 Minuten dauert das Stück – das offizielle Video wurde auf vier Minuten eingedampft. Nach einem längeren Intro aus Saxofon und Keyboard zieht das Tempo ein wenig an. Trommeln übernehmen, geben das Kommando an eine galoppierende Bass-Gitarre weiter. Schließlich prägen eine klare und zurückhaltende E-Gitarre und Trompeten die Klangreise.

Am nachhaltigsten nistet sich der Song Spiral Era ins Ohr ein. Treibender Synthie-Sound und ein marschierender Bass bestimmen das Thema. Unterbrochen von verträumten Passagen. Es wirkt, als wollten Jaga Jazzist ihre Zuhörer und Zuhörerinnen hypnotisieren. Spiral Era würde gut in den Soundtrack eines alten Scifi-Animation passen.

Besondere Freude werden Vinyl-Fans an der Veröffentlichung der Kombo aus Norwegen haben. Die kommt nämlich spektakulär als ziemlich durchsichtige Scheibe daher. Und als Extra gibt es eine schillernde Pyramide zum Zusammenstecken. Sammler werden sie aber lieber unberührt lassen. Schließlich könnte die Platte ja mal was wert werden. Und dann ist es umso besser, je weniger berührt alles ist.

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Über Sascha-Pascal Schimmel

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