Wirtschaftsminister Hessen, Bündnis 90/Die Grünen
Tarek Al-Wazir hat sich am 12. August 2020 in Fulda über die Lage von Gastronomie und Hotellerie während der Corona-Krise informiert. (Foto: Joscha Reinheimer)

Fuldas Gastronomie geht’s auf den ersten Blick gut. Die Außenbereiche sind regelmäßig proppenvoll. Doch wie soll es während der kälteren Monate werden? Felix und Paul von der Heimat schilderten Minister Al-Wazir ihre aktuelle Lage und ihre Sorgen.

Das Wetter der vergangenen Monate ist wirklich nicht für alle ein Segen. Es ist ziemlich warm, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Manch einer kriegt es da schon einmal mit dem Kreislauf zu tun. Und es ist trocken – für Natur sowie Land- und Forstwirtschaft eine große Herausforderung. Für Fuldas Gastronomie ist das Wetter aber zumindest vorerst die Rettung. Wie es in ein paar Monaten aussehen wird, weiß jedoch niemand.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) hat am Mittwoch Fulda besucht. Er wollte sich ein Bild davon machen, wie Gastronomie und Hotellerie bisher durch die Corona-bedingte Wirtschaftskrise gekommen sind. Station eins ist das Esperanto gewesen. Anschließend ging es für den Offenbacher in die Heimat am Buttermarkt. Dort hat er sich eine gute halbe Stunde mit Felix Wessling und Paul Pawlowski-Rothenbücher, den Inhabern der Café-Bar, gesprochen.

Al-Wazir im Gespräch mit Heimat-Inhabern

“Ich möchte wissen, wie die Lage in den unterschiedlichen Betrieben der Gastronomie und Hotellerie ist”, sagt Al-Wazir während des Gesprächs. “Können Sie auf dieser Ebene weiter existieren?” Felix sagte dem Minister, dass es ihnen grundsätzlich gut gehe. “Der Lockdown hat uns aber sehr zu schaffen gemacht”, schilderte der Ko-Inhaber. “Uns wurde der Wasserhahn zugedreht. Wir hatten zwei Monate keine Einnahmen. Nun spielt uns das Wetter in die Karten.”

Diese zwei Monate hätten jedoch ordentlich an den Reserven gezehrt. Dahingehend sehe es schwierig aus – vor allem mit Blick auf einen möglichen erneuten Lockdown.

Tarek Al-Wazir mit trüben Aussichten für Clubs

Was in der Heimat neben dem Lockdown ins Gewicht fällt, ist die reihenweise Absage von Events. “Uns sind die Stände auf den Festen komplett weggefallen”, sagte Felix. “Deswegen kann man den Juni 2020 schlecht mit dem des vergangenen Jahres vergleichen.”

Verlängerte Sommersaison als Lösung?

Auch im Lokal selbst sieht es aktuell relativ mau aus. “Wir bemerken Angst bei unseren Gästen, wenige trauen sich rein zu gehen”, sagte Paul dem Wirtschaftsminister. “Dieser Raum lebt aber von der Geselligkeit.” Die Sitzplätze haben sie wagen der Corona-Maßnahmen um die Hälfte auf 24 reduziert. “In guten Zeiten befinden sich etwa 100 Gäste in unserem Lokal – das war beispielsweise während einer Feier der Kripo so”, erzählte Paul. Al-Wazir entgegnete darauf mit Blick auf die kommenden Monate: “Das weiß ich jetzt schon, das geht nicht. Kann man das Lokal mit 24 Sitzen kostendeckend betreiben?”

Genau das ist die Frage. Denn irgendwann endet die Sommersaison. Felix ist jedenfalls nicht danach, die Heimat mal offen, mal geschlossen zu halten – je nachdem, ob es sich gerade lohnt. Während des Gesprächs kam die Idee auf, die Sommersaison zu verlängern. “Mit Heizpilzen wäre das eine Spitzenlösung für uns”, sagte Paul. Und Minister Al-Wazir stellte in den Raum, dann nicht nur die Markise auszufahren, sondern auch Wände aufzustellen, um die Außenfläche abgegrenzt zu vergrößern. “Das müsste die Stadt natürlich erst genehmigen”, gab er jedoch zu bedenken.

So gut die Außenbewirtung also aktuell läuft, in ein paar Monaten könnte es knifflig werden für einige Gastronomiebetriebe in Fulda. Sie werden auf Unterstützung der Stadt angewiesen sein. Zumal für manche die wichtigsten Monate erst noch kommen. “Der Dezember ist unser umsatzstärkster Monat”, sagte Felix am Mittwoch. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass Firmen ihre Feiern dann bei unseren Möglichkeiten ausrichten werden. Wir sind erst einmal für alles offen.”


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Über Sascha-Pascal Schimmel

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