So soll das Spiel Reptrails einmal aussehen. (Grafik: Torsten Fock-Herde)

Kontrolliere die Menschheit im Auftrag der Reptiloiden: Torsten Fock-Herde entwickelt ein Spiel, in dem es vordergründig darum geht. Zugleich möchte er die Leute damit für den Kampf gegen Verschwörungstheorien ausrüsten. Er weiß nämlich, wie schnell man in deren Bann geraten kann.

Torsten Fock-Herde hat es irgendwann nicht mehr ausgehalten. Die Angst war zu groß, er musste aus Deutschland weg. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin, die heute seine Ehefrau ist, ist er nach Spanien abgehauen. Der Lauterbacher ist im Bann von Verschwörungstheorien gewesen.

Heute lebt Torsten mit seiner kleinen Familie in Hamburg. Dort arbeitet er seit fast sieben Jahren als Spieleentwickler. Zurzeit tüftelt der 41-Jährige an einem neuen Spiel. Bald wird seine Tochter Jasmin ihn dabei unterstützen. Reptrails wird das Spiel heißen. Es greift gängige Verschwörungstheorien auf, nimmt sie aufs Korn und klärt darüber auf.

Durch Reptrails gegen Verschwörungstheorien gewappnet

Bei Reptrails ist es deine Aufgabe, möglichst die gesamte Bevölkerung zu kontrollieren. Dabei helfen dir Chemtrails, Handymasten und Medien. Um Wutbürger, Schwurbelpromis und esoterische Gegenmittel in den Griff zu kriegen, musst du deine Werkzeuge geschickt und zielgerichtet einsetzen. Gelingt dir das, belohnen dich deine Auftraggeber, die Reptiloiden, mit Geld.

“Mit dem Spiel möchten wir einmal auf eine andere Art und Weise einen Zugang zu dem Thema Verschwörungstheorien schaffen”, sagt Torsten. “Wir wollen den Leuten das Rüstzeug an die Hand geben, um die Muster von Verschwörungstheoretikern erkennen, gegen sie argumentieren und ihre Äußerungen auseinander nehmen zu können.”

Torsten Fock-Herde und Tochter Jasmin Herde (Foto: Torsten Fock Herde)

Dieses Rüstzeug liefert Reptrails mit Hilfe von zum Spielverlauf passenden Verweisen zu Websites, deren Betreiber*innen unter anderem Fake News dekonstruieren. Zum Beispiel zu einem Artikel vom Volksverpetzer, der sich mit dem Musiker und Verschwörungstheoretiker Xavier Naidoo beschäftigt. Infos kommen zudem von Mimikama und GWUP – der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften.

Angst vor Unterjochung und dem Dritten Weltkrieg

Das Ganze wollen Torsten und seine Tochter über eine Crowdfunding-Kampagne finanzieren. Die läuft seit Anfang August auf Startnext. 20.000 Euro sind nötig, um eine Version für PC und Android zu entwickeln. Ab 25.000 Euro wird es auch eine iOS-Version geben. Nach eineinhalb Wochen hat das Duo schon mehr als 8500 Euro gesammelt. “Das Funding sieht super aus”, sagt Torsten. “Wir sind echt zuversichtlich.”

Foto: Torsten Fock-Herde

Verschwörungstheorien begleiten den Wahl-Hamburger schon seit etwa 20 Jahren. Erste Berührungspunkte hat er während der Zeit kurz vor dem Millennium – für den damals jungen Mann eine schwere Zeit. Er steckt gerade in seiner Ausbildung zum Energieelektroniker. Wirklich Spaß macht ihm die nicht. Zudem fühlt er sich bedeutungslos. Drei Bücher ziehen ihn schließlich in ihren Bann.

“Sie standen in der Bibliothek eines ehemaligen Bekannten”, erzählt Torsten. “Ich habe in ihnen gelesen, dass der Dritte Weltkrieg kommen und alle unterjocht würden. Fast alle Verschwörungstheorien lassen sich darauf herunterbrechen, dass das Volk unterjocht werden soll.”

Mediziner aus Gersfeld verbreitet Verschwörungstheorien auf Uniplatz in Fulda

Das belegen auch die Demos von Gegnern der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Fulda. Auf dem Uniplatz sagte der Gersfelder Mediziner Dr. Jürgen Freiherr von Rosen am 1. August: “Die Regierung will uns zu Untertanen erziehen, die zu allem Ja und Amen sagen. (…) So tragen wir heute die Masken und ziehen morgen freudig und freiwillig in den Krieg, der nach Ansicht unserer Regierung alternativlos ist – das wird kommen.”

Der Gersfelder bemüht sich auf dem Uniplatz nicht einmal, Belege für seine Befürchtungen zu liefern. Die Bücher, die Torsten vor etwa 20 Jahren liest, scheinen da anderer Qualität gewesen zu sein. “Sie haben sehr detailliert geschildert, wie dieser Krieg aussehen würde”, sagt er. “Es wurden Generäle mit Aussagen zu Planspielen zitiert.” Allerdings seien diese aus dem Kontext gerissen worden. Zudem bedeuten Planspiele nicht zwangsläufig, dass beabsichtigt ist, sie in die Tat umzusetzen. Sie können auch der Aus- und Weiterbildung dienen.

Torsten steigt immer tiefer in diese Theorie ein. Es gibt ihm ein gutes Gefühl, scheinbar etwas zu wissen, das andere nicht wissen. “Ich habe aber nur mit wenigen darüber geredet”, sagt der Spieleentwickler. “Ich wusste, dass die meisten mich für balla balla gehalten hätten.”

Reptrails soll im Mai 2021 erscheinen

Irgendwann wächst in ihm jedoch die Angst, dass Deutschland der Mittelpunkt dieser Entwicklung werden würde. Schließlich bricht der Lauterbacher seine Ausbildung ab und verschwindet nach Spanien. Dort wird er ziemlich schnell geerdet. “Wenn du in Spanien kein Geld hast und nur herumlungerst, hast du größere Problem”, sagt er. “Als meine Frau schwanger geworden ist, sind wir nach Deutschland zurückgekommen.”

Selbst unmittelbar nach seiner Rückkehr habe er sich nicht wie ein Aussätziger gefühlt. “Heute ist so eine Rückkehr wohl schwerer”, vermutet Torsten. “Es ist viel leichter, Gleichgesinnte zu finden und sich vom Rest abzukapseln.”

Zurück in Deutschland, lebt Torsten längere Zeit in einer WG. Dort bringt er sich das Programmieren bei. Er durchforstet im Netz Foren nach kleineren Projekten, an denen er gegen Bezahlung mitarbeiten kann. Irgendwann macht sich der Lauterbacher selbständig. Im November 2013 zieht der Spieleentwickler schließlich nach Hamburg. Er hatte ein Angebot von dem dortigen Ableger von Deck 13 bekommen – einer besseren Adresse in Deutschland, wie er sagt.

Reptrails möchte der 41-Jährige im Mai 2021 für Android und PC veröffentlichen. Das Spiel soll dann acht Euro kosten. Wer ihn unterstützen will, kann das schon mit einem kleinen Betrag auf Startnext machen. Ab einem Betrag von 6,66 Euro gibt’s das Spiel, sobald es fertig ist. Wer etwas mehr lockermachen will, kann sich über zusätzliche Goodies freuen.


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Über Sascha-Pascal Schimmel

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