Ingmar Süß, Fulda, Graffiti, Kunst
Ingmar Süß’ fiktives Fuldaer Hafenviertel (Foto: Ingmar Süß)

Der Dom und große Teile der Altstadt unter Wasser: Künstler Ingmar Süß möchte mit seinem neuen Werk aufrütteln und den Klimawandel im Gedächtnis verankern. Dafür hat er sich einen gut frequentierten Ort ausgesucht.

Wer sich auf der Künzeller Straße in Fulda durch den stockenden Feierabendverkehr schiebt, sollte während eines ruhigen Moments einmal einen Blick zur Seite wagen. Auf der Seite des Modehändlers Hohmann und Heil, an der Wand eines kleinen Häuschens befindet sich seit ein paar Tagen ein apokalyptisches Gemälde.

Es stammt von Ingmar Süß und zeigt ein Fulda, das im Jahr 2051 zu großen Teilen unter Wasser steht. Dom und Vorplatz, große Teile der Altstadt, selbst der Uniplatz: alles unter Wasser. Der Klimawandel hat Fulda auf dem Gemälde knallhart erwischt und ihm ein “Hafenviertel” beschert. Ingmar fordert auf seinem Kunstwerk: “Stop Climate Change Now.”

Ingmar Süß, Fulda, Graffiti, Kunst
Ingmar Süß steht neben seinem “Hafenviertel”-Kunstwerk in der Künzeller Straße in Fulda. (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Mahnende Worte von Ingmar Süß zum Klimawandel

Natürlich ist das konkrete Szenario, das Ingmar entworfen hat, nicht unbedingt das wahrscheinlichste. Die Fulda wird wohl nicht aufgrund der Polareisschmelze derart anschwellen und einen Teil der Stadt verschlucken. Aber wer weiß, vielleicht erleben wir künftig derartige Extremregen, dass Fulda tagelang unter Wasser steht.

“Mit der Thematik spiele ich schon lange”, sagt Ingmar. “Es ist einfach dringend, dass man sich Gedanken macht. Man sollte nicht sagen, dass ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad in 50 Jahren nicht schlimm wäre.” Schließlich könne es Klimaflüchtlinge geben, Lebensmittel könnten sich verändern. “Schon heute ist Weinanbau an Orten möglich, an denen früher nicht daran zu denken gewesen wäre.”

30 bis 40 Stunden hat Ingmar an dem Gemälde gearbeitet, sagt er. Währenddessen sei er mit einigen Passanten ins Gespräch gekommen. “Viele fanden das Motiv super. Anderer meinten: ‘Was soll denn das?!'”

Ingmar Süß, Fulda, Graffiti, Kunst
Ingmar Süß, Fulda, Graffiti, Kunst
Ingmar Süß, Fulda, Graffiti, Kunst

Motive im Banksy-Stil

Das Bild befindet sich an einem Gebäude von OsthessenNetz. Der Kontakt zwischen dem Unternehmen und dem Künstler, der 2002 von Nürnberg nach Fulda gekommen ist, ist durch eines seiner vorangegangen Werke zustande gekommen. “Das lief an mit einem Motiv im Banksy-Stil”, sagt Ingmar. Banksy ist ein britischer Künstler, der mit Hilfe von Schablonen Graffiti an Wände sprayt.

In Fulda sind im Mai mehrere Motive in diesem Stil von Ingmar aufgetaucht. Unter anderem eines, das ein schaukelndes Mädchen zeigt. Du findest es in der Nähe des Kauflands an einem Gebäude, das auch OsthessenNetz gehört. “Anschließend sagten sie mir, ich solle mich melden, sollte ich weitere Flächen kennen, die Farbe vertragen könnten”, sagt der Künstler. “Dann hieß es: ‘Komm, nutze das Häuschen.'”

Süß’ Gesellschaftskritik mittels Urban Art

Der Clou an dem schaukelnden Mädchen: Mit Hilfe der App Artivive kannst du es zum Leben wecken. Ebenso den kleinen Jungen, der in der Nähe des C&A Topfschlagen spielt. Ein weiteres Motiv lässt Ingmar gerade animieren. Es zeigt ein Kind, das auf seinem Laufrad auf der Petersberger Straße fährt – die Autos müssen sich mit dem Radstreife begnügen. “David/Goliath” hat es der gebürtige Nürnberger genannt.

“Mit meiner Urban Art will ich mit Augenzwinkern zu bestimmten Themen Gesellschaftskritik äußern”, sagt Ingmar. “Beim Bild vom topfschlagenden Jungen zum Beispiel geht es darum, dass viele Kinder analoges Spielen nicht mehr kennen.” Er sei nicht gegen Tablets und Smartphones, wolle dennoch darauf hinweisen.

Das neue Gemälde reiht sich nahtlos in solche gesellschaftskritischen Motive ein. Ob er es auch animieren lässt, weiß Ingmar noch nicht. Ideen dafür hat er aber schon auf Lager.

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Über Sascha-Pascal Schimmel

https://medium.com/@SaschaPascalSchimmel/meine-storys-b0d6414bfd17