Die Klasse BVJ 2 mit ihren Klassenlehrerinnen Frau Anna Schell und Frau Monika Schweinberger (Foto: Ferdinand-Braun-Schule)

Ein letzter Schultag mit Zeugnisübergabe – das ist die Chiffre liebevollen Händeschüttelns, herzlicher Umarmungen und vieler Selfies. Was tun, wenn in Zeiten von Corona all diese vertrauten Gesten nicht möglich sind? Wenn die Gesichter hinter Masken verschwinden und alle weit voneinander entfernt sitzen? Die Ferdinand-Braun-Schule verabschiedete Schülerinnen und Schüler der berufsvorbereitenden Jahrgänge.

Ein Text von Anna Drobinski

Das Organisationsteam um Anna Katharina Schell verstand es, trotz der Hygiene-Vorgaben eine vertraute Atmosphäre in das Medienzentrum der Ferdinand-Braun-Schule zu zaubern. Zunächst wurde ein Sonnenaufgang in den Raum projiziert.  Einzelne Textpassagen  von Neubeginn und Zuversicht flossen in das Bild hinein. Ergänzend dazu erklang am Flügel der Song „Tomorrow“, interpretiert von Anna Drobinski.

Nach diesem berührenden Einstieg begrüßte Frau Schell alle Schülerinnen und Schüler der BVJ-Klassen sowie deren Begleitungen. Ebenso willkommen geheißen wurden die stellvertretende Schulleiterin Frau Vogler, Herr Remmert als Abteilungsleiter, das anwesende Kollegium der Ferdinand-Braun-Schule und die Mitarbeiterinnen des Sekretariats.

“Solch eine Vielfalt an Menschen, jeder unterschiedlich und unvergleichbar”

Sogleich nach der Begrüßung hieß es im Saal: Jetzt einmal besonders gut lauschen. Denn in die Stille erklangen Tonbandaufnahmen der Schüler*innen, gesprochen in ihren unterschiedlichen Herkunftssprachen. Acht verschiedene Sätze, jedoch alle das Gleiche bedeutend: „Herzlich willkommen zu unserer Verabschiedung!“ Frau Schell berichtete, dass während des vergangenen Jahres alle BVJ-Schülerinnen und -schüler angehalten wurden, sich nicht in ihrer Heimatsprache, sondern lediglich auf Deutsch zu unterhalten.

„Im Gegensatz dazu wollen wir heute die Einzigartigkeit unserer Schülerinnen und Schüler herausstellen. Solch eine Vielfalt an Menschen, jeder unterschiedlich und unvergleichbar“, resümierte die Organisatorin. Sie verwies auf die Rückseite des Programmes: „Hier sind Fotos der Abgänger*innen zu sehen. Der Fokus liegt auf den Augen. Aus gegebenen Anlass sind die Gesichter mit Masken bedeckt und somit lassen sich Charakterzüge und Gefühle nur aus den Augen ablesen.“ Dies war auch der Grund, warum die gesamte Abschlussveranstaltung mit dem Titel „Augenblicke“ versehen wurde.

Daraufhin ließ die Rednerin den besonderen Augenblick Revue passieren, als sich im August 2019 etwa 30 junge Menschen in der Ferdinand-Braun-Schule einfanden, um das berufsvorbereitende Jahr zu beginnen. Die Schule war groß, die vielen Menschen verwirrend. Da schien zunächst nur eine Sache stabil zu sein, nämlich der eigene Klassenraum. Er wurde für die Schülerinnen und Schüler zum Rückzugs- und Begegnungsraum.  Natürlich tauschten sich hier die jungen Menschen gern auch über die Lehrkräfte aus.

Wenn Wände sprechen könnten

Diese Tatsache veranlasste die Klassenlehrerin Monika Schweinberger zu dem Projekt „Wenn Wände sprechen könnten.“ Zur Verabschiedung trugen einige Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse vor:  Von der Freude am Fußballspiel im Sportunterricht über die tollen Exkursionen bis hin zur Dankbarkeit gegenüber der geduldigen Deutschlehrkraft zeugten die kleinen Anekdoten.

Angelehnt an den Themenkomplex „Augenblicke“ befasste sich eine weitere Gruppe der BVJ-Klassen mit den Augen. Einige Texte wurden als Tonaufnahmen eingespielt. Ramin beschrieb aus biologischer Sicht den komplizierten Aufbau eines Auges. Efrem und Nassar sahen etwas Göttliches in der Tatsache, gesunde Augen zu haben. Und Jawid poetisierte: „Wenn man nur in die Augen schaut, kann man die ganze Welt sehen“.

Diese Formulierung nahm Frau Schell zum Anlass, abschließend einen Vergleich zu dem berühmten Zitat des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry zu ziehen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Dann war der Moment des Abschiedes gekommen. Noch einmal äußerten sich die Schülerinnen und Schüler des berufsvorbereitenden Jahrgangs. Ihre sehr bewegenden persönlichen Abschiedserfahrungen erzeugten im Publikum Gänsehaut. Es waren Momentaufnahmen aus Afghanistan, Syrien, Bosnien oder Eritrea. Ein Schüler aber machte allen Hoffnung: Auf Wiedersehen sagen, ist normal. So ist das Leben. So, wie es auch im Text des englisch-schottischen Volksliedes heißt: „Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr“, welches zu diesem Moment live am Flügel gespielt wurde.

21 Absolvent*innen erhielten ihr Zeugnis

Im Anschluss an die vielseitigen Wort- und Musikbeiträge fand die Zeugnisübergabe durch die Klassenlehrerinnen und -lehrer Monika Schweinberger, Anna Katharina Schell und Ulrich Goldbach statt. Der Abteilungsleiter, Herr Thomas Remmert, beglückwünschte die Schülerinnen und Schüler zu ihrem Abschluss. Er bilanzierte: „Von den 21 Absolventinnen und Absolventen des BVJs haben fünf den Qualifizierenden Hauptschulabschluss und elf den normalen Hauptschulabschluss geschafft. Nutzen Sie diese Chance, ich würde mich freuen, Sie im nächsten Schuljahr als Auszubildende an unserer Schule wieder zu sehen!“

Zum Schluss dankte Frau Schell den Kolleginnen und Kollegen des Vorbereitungsteams für die besondere Zusammenarbeit. Zu erwähnen sind dabei Gabriele Mans, Monika Schweinberger und Gernot Schloßbauer. Ein herzliches Dankeschön gebührte auch Anna Drobinski für die musikalische Umrahmung der Feier.

Dem Abteilungsleiter Herrn Thomas Remmert dankte Frau Schell für sein stets offenes Ohr und das Verständnis für viele Sonderwünsche sowie der stellvertretenden Schulleiterin Frau Ulrike Vogler für die zuverlässige Unterstützung. Den Sekretärinnen galt ein großer Dank für ihre Engelsgeduld, mit denen sie gerade zu Beginn des Schuljahres den Sprachbarrieren der „BVJ-ler“ begegnen. Aber auch den nun ehemaligen Schülerinnen und Schülern dankte Anna Katharina Schell für die sehr persönlichen, rührenden Texte. Mit „Crazy little thing called love“, den verrückten kleinen Dingen, die man Liebe nennt, wurden alle  hinaus in das Leben und in die Ferien verabschiedet.

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