Viel Arbeit für alle Beteiligten: Beim Homeschooling ist Einsatz gefragt (Foto: Karoline Weber)

Im Mai und Juni haben der Stadt- und Kreiselternbeirat Fulda und der Schülerrat 2119 Eltern, 809 Schüler*innen und 278 Lehrer*innen zum Thema Homeschooling während der Corona-Krise befragt (wir berichteten). Ziel der Umfrage war es, einen Überblick über die aktuelle Situation zu bekommen und besser auf Probleme reagieren zu können. Nun stehen die Ergebnisse fest, sie zeigen: Es gibt Verbesserungsbedarf.

Ein Auszug einer Pressemitteilung des Stadt- und Kreiselternbeirats

Während der Zeit des Homeschoolings haben die Schüler*innen den Kontakt zu den Lehrkräften als regelmäßig empfunden. Für den Großteil bestand die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit an ihre Lehrer*innen zu wenden. Das häusliche Lernumfeld wurde von den Schüler*innen von mittelmäßig bis sehr gut bewertet. Hier kommt es auch stark darauf an, inwieweit die Schülerinnen und Schüler Unterstützung im Elternhaus erfahren.

Eine Rückmeldung der Lehrer*innen war für die Schülerinnen und Schüler immens wichtig, überwiegend erhielten sie diese auch. Die Schüler*innen sind im Hinblick auf die Rückkehr zum Präsenzunterricht eher unentschlossen, was sicherlich auch mit dem Informationsfluss zusammenhängt. Seitens der Schule und der Schulhomepage fühlen sich Schüler*innen schlecht bis gut informiert; seitens der Eltern, Medien und sonstiges ist es gut bis sehr gut. Beim überwiegenden Teil besteht zu Hause der Zugang zu digitalen Medien.

Betreuung neben dem Beruf: Eltern haben mit Doppelbelastung zu kämpfen

Von den 2119 Eltern, die teilgenommen haben, sind 1709 berufstätig und nur ein geringer Anteil davon kann im Homeoffice arbeiten. Hauptverantwortlich für das Homeschooling sind zumeist auch die Befragten selbst. Einen Anspruch auf Notbetreuung haben nur 541 Eltern, die überwiegende Mehrheit hat keinen Anspruch auf diese. Setzt man dies in Relation, so erkennt man eine eindeutige Doppelbelastung der Eltern durch das Homeschooling. Die Freitexteingaben der Eltern unterstreichen diesen Eindruck deutlich.

Positiv wurde seitens der Eltern hervorgehoben, dass manche Lehrerinnen und Lehrer anriefen, um sich nach den Kindern zu erkundigen und wie diese mit den Aufgaben zurechtkämen. Auch das Feedback einzelner Lehrer*innen nahmen die Eltern positiv wahr. Vereinzelt brachten beispielsweise Grundschullehrer*innen Aufgaben zu den Kindern und holten die bereits erledigten zur Durchsicht ab. Negativ wurde genannt, dass es oft zu viele Aufgaben gab und häufig keine Struktur erkennbar gewesen sei.

Ebenfalls häufig bemängelt wurde der Informationsfluss zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen – es sei keine einheitliche Form seitens der Lehrkräfte erkennbar. Jede Schule, oft sogar jede Lehrkraft einer Schule handhabe es anders. Dies kann mit der kurzfristigen Information seitens des hessischen Kultusministeriums (HKM) für die Lehrer*innen zu tun haben.

Wenig Kontakt zu Lehrkräften sorgt für Demotivation

Ebenso sei eine zentrale, leicht zugängliche und klar strukturierte Kommunikationsplattform für die Schulen, in Einbindung digitaler Medien wie Videokonferenzen ein zentraler Wunsch. Das HKM steht hier vor einer immensen Herausforderung, nicht zuletzt mit der notwendigen, für die Lehrer*innen verpflichtenden, Fortbildung im Umgang mit diesen Medien.

Der Kontakt der Lehrkräfte zu den Schüler*innen via Videokonferenz solle häufiger und regelmäßig genutzt werden, da diese ein wichtiger Motivationsfaktor sei. Weniger Kontakt bedeute oftmals Demotivation und Frust für die Schülerinnen und Schüler. Auch hier würden bereits benachteiligte Familien abgehängt. Familien mussten sich, gerade bei mehreren Kindern auf verschiedenen Schulen, digitale Endgeräte anschaffen, bei einigen war dies gar nicht möglich. So ist eine Ausstattung mit digitalen Endgeräten seitens der Schule ein weiterer Wunsch der Eltern.

Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation

Die Frage nach regelmäßigem Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern beantworteten die Lehrkräfte überwiegend positiv, dieser fand meist wöchentlich statt. Seitens der Lehrkräfte fand der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern überwiegend per E-Mail statt, gefolgt von Telefon, Lernplattformen, Chats und Videoplattformen.

Lobenswert sind die Anstrengungen, digital nicht erreichbare Schüler über den postalischen Weg beziehungsweise offline zur Abholung in der Schule zu erreichen. Von den befragten Lehrer*innen sagen die meisten, dass sie wissen, wie es den Schülern geht.

Betrachtet man die Aussagen der Teilnehmer der drei Gruppen, so ist deutlich erkennbar, dass die Kommunikation eines der größten Probleme darstellt. Informationen werden aus verschiedenen Gremien weitergegeben, Betroffene sind zum Teil wenig oder kaum darüber in Kenntnis gesetzt.

Starke Belastung: Bei zu hohem Pensum resignieren die Schüler*innen

Dies hat zur Folge, dass jeder sein eigenes Programm erstellt, um mit den besten Intentionen das Ziel zu erreichen. Eltern können aufgrund der beruflichen Doppelbelastung und der damit einhergehenden fehlenden Begleitung sowie schwierigeren Motivation ihrer Kinder den Präsenzunterricht während des Homeschoolings nicht ersetzen. Sie können nicht Familie, Beruf und Unterricht vereinbaren, ohne dabei zu versagen.

Der Wunsch nach Normalität ist groß. (Grafik: Kreiselternbeirat Fulda)

Privilegierte Haushalte mit maximaler digitaler Ausstattung sind gegenüber weniger privilegierten Familien im Vorteil, was bedeutet, dass die Kinder hier einer nicht aufholbaren Bildungslücke entgegensteuern, die es gilt, schnellstmöglich aufzufangen. Das Homeschooling muss insgesamt betrachtet werden, hier spielt nicht nur der fehlende Päsenzunterricht eine Rolle, sondern auch die Belastung der Schülerinnen und Schüler. Ist das Pensum zu hoch, resignieren Schüler*innen und nehmen nicht mehr offensiv teil.

Klare Lehrpläne und bessere Ausstattung gefordert

Seitens aller Befragten besteht der Wunsch nach normalem Unterricht. Die vergangene Zeit hat gezeigt, dass kein Heimunterricht stattgefunden hat, sondern nur Aufgaben verteilt wurden. Es besteht der deutliche Drang nach Digitalisierung im schulischen Bereich.

Der Kreiselternbeirat fordert daher klare Lehrpläne für den Unterricht auf dem digitalen Weg durch das HKM. Allgemein gültig für alle Schulformen, damit die Schulen nicht unterschiedlich agieren und alle Schülerinnen und Schüler dieselben Grundvoraussetzungen haben. Außerdem: Verbesserte digitale Ausstattung der Schülerinnen und Schüler, um die Teilnahme an virtuellem Unterricht sicherzustellen. Schulungen der Lehrkräfte, um genau dies leisten zu können.

Der Bildungsauftrag an die Kinder müsse wieder umgesetzt werden. Homeschooling müsse, genau wie der Präsenzunterricht, zentral bearbeitet werden, um auch in Zukunft die bestmögliche Ausbildung der Kinder garantieren zu können.

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