Foto: Netflix

Nach drei Staffeln zwischen Lüge und Wahrheit und Leben und Tod geht der Wahnsinn in der vierten Staffel von “Tote Mädchen lügen nicht” weiter. Die letzte Staffel der kontroversen und gleichwohl erfolgreichen Netflix-Serie spart vor allem damit nicht: psychischen Problemen.

Es hätte doch so schön sein können – das letzte Jahr an der Liberty High. Wären da nicht die vielen Geheimnisse, Morde und Lügen, die die Schüler*innen seit dem Tod von Hannah Baker begleiten. Denn auch die vierte und letzte Staffel des Netflix-Teenie-Dramas „Tote Mädchen lügen nicht“ startet mit einem Todesfall. Wer gestorben ist? Das bleibt vorerst ein Geheimnis.

Von dieser Vorausschau nimmt das Drama umgehend seinen Lauf: Um die Sicherheit der Jugendlichen zu gewährleisten, springen von einen auf den anderen Tag an jeder Ecke Polizisten an der Liberty High rum. Aber anstatt die Jugendlichen zu schützen, stehen hier Racial Profiling durch die Wachdienste und regelmäßige Kontrollen an der Tagesordnung.

Traumata, Mindfucks und dissoziative Störungen

Besonders Clay Jensen (Dylan Minnette) setzten die Ereignisse nach und nach zu: Gequält von Blackouts, Angst und Paranoia, scheint ihn sein Berg an Geheimnissen wahnsinnig zu machen. Immer wieder erscheint ihm der im Knast ermordete Monty (Timothy Granderos) und verstärkt die Schuldgefühle des instabilen Clay. Und als wäre das nicht schon genug Mindfuck, entwickelt Clay eine dissoziative Störung.

Neben dem intensiven Drama versuchen die traumatisierten jungen Erwachsenen ihren Schulabschluss zu schreiben, zu Vorstellungsgesprächen zu gehen und irgendwie so zu tun, als wäre das alles nicht passiert. Dadurch, dass Clay – nach drei Staffeln – endlich als Erzähler fungiert, nimmt er übermäßig viel Raum in der Staffel ein, während der Rest der Truppe vergleichsweise weniger auf der Bildfläche erscheint. Denn im Gegenteil zu Clay haben sich die anderen aus der Gruppe nicht viel verändert: Jessica Davis (Alisha Boe) kämpft weiterhin für Gleichberechtigung an der Schule, Tyler Down (Devin Druid) hält sich im Hintergrund, Alex Standall (Miles Heizer) möchte nur, dass es aufhört und Justin Foley (Brandon Flynn) kämpft immer noch mit seiner Drogensucht. Allein Zach Dempsey ist in der letzten Staffel nicht wiederzuerkennen.

Die Staffel erinnert ein bisschen an eine Therapiestunde. Es geht – im Vergleich zu den vorherigen Staffeln – viel um die Psyche, welche Auswirkungen das Geschehene auf die einzelnen Charaktere hat und weniger um die eigentlichen Handlungen. Unterstrichen wird die Stimmung der Staffel – oder die, die sie vermitteln soll – mit tristen Hintergründen und Farben. Aber am Wichtigsten: Der Kreis scheint sich zu schließen, und am Ende finden die vielen Fragen auch Antworten: Werden Jessica und Alex doch noch festgenommen? Warum wird Clay nicht geholfen? Und wann hat der ganze Spuk ein Ende?

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