Nahverkehr in Fulda
Foto: Alina Hoßfeld | Fuldaer Zeitung

Sitzplätze als Mangelware, Gedränge an der Bushaltestelle und an Gurte ist gar nicht erst zu denken: Die Situation in Schulbussen ist oftmals chaotisch. Besonders Eltern sorgen sich um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Kinder – noch mehr, seit die Corona-Krise unseren Alltag bestimmt.

Jede*r, die oder der nicht in den Genuss des elterlichen Fahrservices kommt, muss in seiner Schulzeit früher oder später den Bus nehmen. Das Motto: Wer zuerst kommt, malt zu erst. Denn: zur Rush Hour sind die Sitzplätze schnell belegt. Vor allem die Abstandsregeln in den Bussen scheinen während der Corona-Krise völlig in Vergessenheit zu geraten. Die Linke.Offene Liste stellte am 20. April 2020 – mit Beginn der Wiederaufnahme des Schulbetriebs – einen Antrag zur “bestmöglichen Sicherstellung eines im Hinblick auf die noch immer bestehende Corona-Pandemie möglichst risikofreien Schülertransports”.  

Ein normaler Schulbus der Rhön-Energie Fulda hat 35 Sitz- und 65 Stehlätze, ein Gelenkbus zählt 50 Sitz- und 105 Stehplätze. Auf den ersten Blick scheint das recht viel. Wie sieht es aber in der Realität aus?

“Mein Sohn findet eigentlich fast nie einen Sitzplatz”

“Schon vor der Corona-Krise waren die Schulbusse überfüllt. Alleine an unserer Bushaltestelle warten morgens sehr viele Fahrkinder. Mein Sohn findet eigentlich fast nie einen Sitzplatz”, sagt Lina Warketin aus Fulda. Die 34-Jährige sorgt sich vor allem um die Sicherheit ihres siebenjährigen Sohnes David. Busunglücke wie Anfang des Jahres im thüringischen Berka, der für zwei Kinder tödlich endete, verstärken die Angst. “Die Kinder müssen sich nicht anschnallen und wenn sie ohne sich festzuhalten im Bus stehen, ist eine Grundsicherheit auch nicht gegeben. Dazu kam die letzten Monate die Ansteckungsgefahr durch Corona,” sagt die junge Mutter. Sie habe außerdem Sorge beim Ein- und Aussteigen. “Da so viele Kinder auf einem Fleck stehen, hat man oft keinen Überblick mehr. Und auch die Autofahrer fahren einfach an den stehenden Bussen vorbei und achten nicht darauf, ob hinter dem Bus Kinder sind.”

Einen Beschlussvorschlag für das Problem lieferte die Linke dafür in einem weiteren Antrag am 30. Mai 2020: “Mehr Schulbusse.” Ein Vorschlag, den auch Lina gutheißt. “Es wäre gut, wenn ein Bus käme, indem alle Kinder einen Sitzplatz haben. Oder eben mehrere Busse eingesetzt werden.” Zum Schutz der Schüler sollten daher überfüllte Busse vermieden und alles unternommen werden, um Abstände einzuhalten. Die scheinen nämlich für die Kinder und Jugendlichen nicht zu gelten.

Welche Maßnahmen unternimmt die Rhön-Energie und die LNG Fulda also zum Schutz der Fahrgäste?

Warten auf Antworten, keine konkreten Pläne

“In den Bussen sorgen wir mit verschiedenen Maßnahmen für den Schutz der Fahrgäste und des Fahrpersonals”, erklärt Burkhard Beintken, Pressesprecher der Rhön-Energie Fulda. Dazu gehöre unter anderem die standardmäßige Reinigung mit Schwerpunkt auf Griff- und Kontaktflächen sowie der Einbau von Trennscheiben zwischen Fahrerplatz und Fahrgastbereich. “Auch das disziplinierte Tragen der Mund-Nasen-Bedeckungen durch die Fahrgäste aller Altersgruppen trägt wesentlich zu einem sicheren ÖPNV bei”, so Beintken.

Ob zusätzlich zu den Hygienmaßnahmen weitere Busse eingesetzt werden? Eine Antwort auf ihre Forderungen habe die Linken jedenfalls noch nicht bekommen, sagt Vorstand Michael Wahl. Zwar wurde der Antrag in der letzten Kreistagssitzung am 22. Juni beraten, konkrete Pläne zur Verbesserung der Situation lägen aber noch nicht vor. “Wir sind der Auffassung, dass man die Ferien nutzen sollte und konkrete Pläne zur Schülerbeförderung, Räumlichkeiten und Ausstattung und so weiter klären sollte”, so Wahl.

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