Fulda, Osthessen, Azubicampus, Pings, Ausbildung, Kolpingwerk
Foto: Daniel Beise

Als deutschlandweit erster Azubikampus wirbt das Pings mit niedrigen Mieten, pädagogischer Betreuung und modernem Wohnraum . Aktuell wohnen im Pings um die 20 Azubis – mit immer wechselhafter Belegung. Das Versprechen des Kampus: Du zahlst nicht mehr als 450 Euro Miete warm.

Von Sascha-Pascal Schimmel und Constanze Gollbach


Update, 9. Juli 2020:

Wie wir aber aus dem Umfeld der Kreistagsfraktionen erfahren haben, ist der Antrag der Grünen bereits ein paar Monate alt. Ursprünglich hätte er schon früher im Kreistag diskutiert werden sollen. Durch die Corona-Pandemie hatte sich der Termin aber eine Zeit lang nicht versammelt. Erst Anfang Juli sind die Fraktionen wieder zusammengekommen. In der Zwischenzeit scheint das Pings aber schon reagiert zu haben und die Miete auf ein Maximum von 450 Euro gesetzt.


Das gewährleisten das Pings gemeinsam mit dem Kreis und dem Kolpingwerk mittlerweile. Noch Ende des vergangenen Jahres hatten die Grünen die Mieten in einem Antrag an den Kreistag stark kritisiert. Der Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ist im November 2019 ein Fall bekannt geworden, bei dem ein Interessent für das Angebot Jugendwohnen Pings für das Bewohnen eines Einzelzimmers im Beratungsgespräch ein Preis von 650 Euro monatlich genannt wurde. In seinem Ausbildungsberuf verdient er 820 Euro monatlich. Wäre für einen Azubi ganz schön viel. Kann das sein?

“Ende 2019 hat im bilateralen Gespräch mit den Kreisbehörden daher ein Austausch über den oben geschilderten Fall stattgefunden. Dass allein Ausbildungsbetriebe oder Eltern zur Deckung der hohen Wohnkosten herangezogen werden sollen, erachten wir nicht für zielführend – auch im Sinne der gleichen Zugangsmöglichkeiten für das Angebot”, sagt Deborah Müller-Kottusch von den Grünen.


Mietzahlungen im Pings: Wie kommen sie zu Stande?

Das Pings verspricht, dass Azubis nicht mehr als 450 Euro aus eigener Tasche für die Unterkunft zahlen. Das heißt aber nicht, dass die Warmmiete so gering ist. Die liegt oberhalb dieses Betrags. Azubis können aber einen Zuschuss von der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Außerdem können Ausbildungsbetriebe ihren Fachkräftenachwuchs bei der Miete finanziell unterstützen. Ausgangs-Warmmiete abzüglich Zuschuss und Unterstützung des Betriebs ergeben also das, was Azubis im Pings bezahlen müssen.


Die Grünen rechnen für ihren Fall, es geht um einen jungen Mann aus Eritrea der nach Fulda gekommen ist, mit einer BAB von monatlich 40 Euro – also 480 Euro im Jahr. Das Pings hingegen kommt auf Nachfrage von move36 auf ganz andere Beträge. Es hat für uns vier – unverbindlich – Fälle durchgerechnet. Demnach können – wenn sie bestimme Voraussetzungen erfüllen – Auszubildende mit einem Zuschuss von 718 bis 1400 Euro von der Agentur für Arbeit in Form der BAB rechnen. Die BAB sei sozusagen das Bafög für Azubis, sagt Michael Igelmann, Verwaltungsleitung des Pings. “Der Eigenanteil der Bewohner*innen liegt momentan im Schnitt grade einmal bei 358,10 Euro.” Die Höhe der Beihilfe hängt von der Vergütung eines Azubis und der Höhe des jährlichen Einkommens der Eltern ab. Bei dem spezifischen Fall der Grüne wäre laut Igelmann zu berücksichtigen, welchen Aufenthaltsstatus hat der junge Mann? Wie alt ist er? BAB-berechtigt sind junge Menschen bis maximal 27 Jahren. Die Faktoren ob und wieviel BAB gezahlt wird, seien einzelfallabhängig. Auch die Art des BAB-Antrags sei entscheidend. Das letzte Wort hat aber die Agentur für Arbeit.

BAB nur für Azubis in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen

Wie kommt die Kreistagsfraktion der Grünen also auf den Betrag in ihrem Fall? Das ist weiterhin unklar. Die Fraktion habe jedoch zur nächstmöglichen Kreistagssitzung – ursprünglich hätte er schon früher im Kreistag diskutiert werden sollen – am 22. Juni 2020 den Antrag im Kreistag eingebracht, sich um eine Senkung der Mieten auf ein bezahlbares Niveau zu bemühen. “Wir erhielten hierbei die Rückmeldung, dass sich unser Anliegen erübrigt habe, da man mit Kolping gemeinsam bereits Obergrenzen für das Angebot Jugendwohnen Pings definiert habe, welche nun auch auf der Homepage öffentlich ersichtlich seien,” so Müller-Kottusch. Die Miete ist demnach auf ein Maximum von 450 Euro gesetzt worden. Und die decken laut Betreiber auch die Kosten für beispielsweise die Betreuung oder das Freizeitangebot.

“Die Miete von 450 Euro ist eine Warmmiete und inklusive allen Angeboten. Dabei sind die Hauptzielgruppe junge Menschen in der Ausbildung, die durch die BAB gefördert werden”, erklärt Igelmann von Pings. Die Entfernung vom Wohn- zum Arbeitsort sei dabei ausschlaggebend, ob überhaupt ein Zuschuss genehmigt wird. “Ist die Entfernung zu gering, besteht kein Anspruch auf die BAB. Eine andere Möglichkeit ist die Unterbringung durch das Jugendamt”, so Igelmann weiter. Das gelte aber nur für junge Menschen, die sozial benachteiligt oder individuell beeinträchtigt und in schulischer oder beruflicher Ausbildung sind.

Für Fachoberschüler*innen, Praktikanten und Praktikantinnen, Schüler*innen, die ein freiwilliges soziales Jahr verrichten, Fachkräftenachwuchs aus dem außereuropäischen Ausland oder Personen in Reha bietet das Pings ein Selbstzahlerangebot. Dort greife das BAB nicht. “Hier können sich beispielsweise auch die Ausbildungsbetriebe freiwillig und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten beteiligen. In der Regel liegen dort die Beträge zwischen 100 bis 200 Euro monatlich”, so Igelmann und betont: “Es ist kein einfaches Unterfangen. Vor allem im Bereich des Jugendwohnen.” Der Begriff Warmmiete sei relativ irreführend, da es eben über die klassischen Nebenkosten hinaus 24h-Ansprechpartner, möbliertes Zimmer, gemeinsames Kochen, Frühstück, Freizeit- und Bildungsangebote und so weiter inbegriffen sind. Der Vergleich zu einer klassischen 20 Quardratmeter Studentenwohnung ist natürlich nicht möglich.


Mehr Infos zu den Anfängen des Pings findest du hier.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.