Hessentag Fulda Logo
Von links: Bürgermeister Dag Wehner, Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Julia Kovarna (Ideenagentur „Schöne Aussicht“, Fulda) und Staatsminister Axel Wintermeyer. (Foto: Stadt Fulda)

Zwei Jahre ohne Hessentag? So weit soll es nicht kommen! Auch deshalb sagt Fulda das Fest für kommendes Jahr trotz Corona-Pandemie nicht ab – und hält auch aus anderen Gründen daran fest. Wie und ob der Hessentag stattfinden wird, kann aber noch niemand sicher sagen.

Es ist schon beeindruckend, wie schnell sich eine Stimmung wandeln kann. Bevor der Hessentag vergangenes Jahr in Bad Hersfeld gestartet ist, hatte sich Skepsis in der Stadt breitgemacht. Viele fragten sich, ob sich ihre Stadt dieses Fest leisten kann und was am Ende davon übrig bleibt – bis auf eine gute Woche voller Events mit massenhaft Besuchern. Am Ende waren sogar Skeptiker täglich auf dem Fest unterwegs, freuten sich über das Weindorf neben der Stiftruine, über die gelöste Stimmung – und darüber, dass abseits von Festspielen und Lullusfest ordentlich was los gewesen ist in ihrer Stadt.

862.000 Besucherinnen und Besucher sind 2019 zum Hessentag gekommen. Laut einer Umfrage des Statistischen Landesamts haben 84 Prozent das Fest mit sehr gut oder gut bewertet. Das ergab eine Durchschnittsnote von 1,9.

Weindorf während des Hessentags 2019 in Bad Hersfeld. (Foto: Magistrat Stadt Bad Hersfeld)

Landesfest in Bad Vilbel wegen Corona abgesagt

Dieses Jahr hatte sich Bad Vilbel auf das Landesfest gefreut. Der Kurort liegt nördlich von Frankfurt, nur wenige Kilometer von Hessens größter Stadt entfernt. Sars-CoV-2 hat dem Fest einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wegen der Pandemie und den damit einhergehenden Beschränkungen wurde der Hessentag dieses Jahr abgesagt. Bad Vilbel kommt nun in ein paar Jahren zum Zug.

Mittlerweile haben wir die erste Welle der Pandemie verdaut. Die Anzahl der täglich registrierten Neuinfektionen mit dem Virus ist weit vom Höchststand von vor wenigen Monaten entfernt. Die Politik hat viele Lockerungen der Maßnahmen verabschiedet. Bei schönem Wetter – wie vergangenen Samstag – ist vor den Bars, Cafés und Restaurants in Fulda abends kaum ein Platz frei. Ziemlich viel Normalität also wieder.

Dennoch gibt es weiterhin gravierende Einschränkungen, die insbesondere den Kultur- und Unterhaltungsbetrieb massiv belasten – und damit Auswirkungen auf den Hessentag haben. Denn Großveranstaltungen sind in Hessen vorerst weiterhin verboten. Bis zum 31. August. Möglich sind Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen – in Ausnahmen und auf Antrag auch mehr. Mit der Open-Air-Reihe “Kultur findet Stadt” starten die Stadt Fulda und der Kulturverein Kreuz einen ersten Versuch, unter den neuen Gegebenheiten wieder mehr Happening in die Stadt zu bringen.

Wingenfeld hält an Hessentag 2021 in Fulda fest

Ob kommenden Mai, wenn der Hessentag in Fulda stattfinden soll, wieder größere Events möglich sein werden, kann aktuell niemand sagen. Für große Konzerte und Partys sieht es aber voraussichtlich schlecht aus. Dennoch hat sich Heiko Wingenfeld (CDU), Fuldas Oberbürgermeister, in einem Interview mit der Fuldaer Zeitung klar zum Hessentag 2021 bekannt. Der soll allerdings anders aussehen als ursprünglich geplant.

“Wir haben mit dem Land gute Gespräche geführt und uns auf einen verschlankten Hessentag geeinigt”, zitiert die Fuldaer Zeitung den OB. “Wir wissen nicht, wie die Situation 2021 wird, werden aber die Planungen anpassen müssen: Es wird weniger Tanz und voraussichtlich weniger große Konzerte geben.” Das schmeckt in der Stadtverordnetenversammlung nicht allen. Die CWE, Koalitionspartner der CDU, hat keinen Bock auf eine “Art ‘Billig-Version’ des Hessentages“. Und die FDP befürchtet, dass es ohne größere Veranstaltungen schwierig werde, Leute dazu zu bewegen, Fulda zu besuchen.

FDP und Linke waren gegen das Event

Die FDP steht dem Hessentag ohnehin kritisch gegenüber. “Die Stadtverwaltung ist durch Stadtjubiläum und Landesgartenschau bereits hinreichend mit Tätigkeiten für Veranstaltungen belastet (gewesen)”, sagt Michael Grosch, Fraktionsvorsitzender der Partei, gegenüber move36. “Der Hessentag führt zu einer Überlastung der Verwaltung, und reguläre Aufgaben geraten damit ins Hintertreffen.” Grosch fordert zudem, dass die Stadt genau prüfen müsse, ob Investitionen und Kosten durch die Pandemiebedingungen noch in einem ordentlichen Verhältnis zu Einnahmen und Fördermitteln stehen.

Auch Die Linke.offene Liste/Menschen für Fulda ist gegen die Bewerbung um den Hessentag gewesen. “Wir sehen die Einbindung der Bundeswehr mit ihrer Waffenschau, Rekrutierungsversuchen und insbesondere der Ansprache von Kindern und Jugendlichen, wie es sich beim letzten Hessentag darstellte, kritisch”, sagt Fraktionsvorsitzende Karin Masche. Zudem halte sie das bisherige Verkehrskonzept, das sich insbesondere auf die Bereitstellung von Pkw-Parkplätzen erschöpfe, bestenfalls für überholt. Dennoch spricht sich Masches Stellvertreterin Ute Riebold dafür aus, dass das Fest kommendes Jahr stattfindet. “Sofern es der Verlauf der Pandemie zulässt“, sagt sie. Riebold würde ganz auf Großveranstaltungen verzichten. „Zum einen wird es dabei zu eng und zum anderen wiegt hier eine eher kurzfristige Absage besonders schwer.”

Argumente gegen Verschiebung des Hessentags

Damit ist sie auf einer Linie mit Silvia Brünnel. Die sitzt in der Stadtverordnetenversammlung der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen vor. “Zum jetzigen Zeitpunkt für das kommende Jahr große Events zu planen in der Hoffnung, damit viele Besucher und Besucherinnen anzulocken, wohlwissend der Gefahr, dass es auch dann zu corona-bedingten Einschränkungen kommen kann, stellt aus unserer Sicht ein hohes Risiko dar”, sagt Brünnel move36. Zudem bemesse sich der Wert eines Events nicht an der Größe, sondern in erster Linie an der Qualität. Darin sind sich Stadt, Grüne und Linke also einig.

Stellt sich allerdings die Frage: Warum nicht den Hessentag verschieben und in ein paar Jahren in vollem Umfang nachholen? “Das Land Hessen legt nach dem Ausfall des Hessentags in Bad Vilbel großen Wert darauf, dass das Fest nicht auch 2021 ausfällt”, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. “Das ist gut nachvollziehbar. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass es kommendes Jahr einen ‘anderen’ Hessentag geben wird, der sich der Pandemie und der aktuellen Situation anpassen wird.” Und die Grüne Brünnel ergänzt: “Von Beginn an wurden die Großveranstaltungen Stadtjubiläum (2019), Hessentag (2021) und Landesgartenschau (2023) in der Planung aufeinander abgestimmt. Die Stadt steht bei der Planung für den Hessentag nicht bei null. Diese Arbeit abzubrechen und auf Jahre zu verschieben, würde meines Erachtens bedeuten, wieder von vorne beginnen zu müssen.”

Ein ‘anderer’ Hessentag in Fulda kommendes Jahr scheint also die einzige realistische Alternative zu sein. Große Events scheiden wegen großer Unsicherheiten aufgrund der Pandemie voraussichtlich aus. Eine Verschiebung ist nicht gerade erwünscht und auch nicht ohne Weiteres sowie ohne zusätzliche Kosten möglich.

Geld von Land und Bund für Kulturhof?

Dass die Stadt das Fest nicht verschiebt, hat noch einen weiteren Grund. “Wir sehen den Hessentag mehr denn je als Chance, wichtige Impulse für Handel, Gastronomie und Hotellerie in unserer Stadt zu setzen”, heißt es von der Pressestelle. Und auch die IHK und der Hotel- und Gaststättenverband blicken dem Event laut einem Bericht der Fuldaer Zeitung trotz Corona zuversichtlich entgegen.

Abgesehen davon: Der Hessentag 2021 soll für Fulda nicht nur ein zehntägiges Fest sein. Er sei eine Maßnahme der Stadtentwicklung und werde Fulda auf Jahre prägen, schreibt die Pressestelle der Stadt. “Es wurde eine Reihe von Hessentagsprojekten entwickelt, die mit Mitteln aus entsprechenden Förderprogrammen des Landes unterstützt werden”, heißt es von der Stadt. “Dazu gehören unter anderem der Bau der Fahrradbrücke ‘Rosenau’, die Erweiterung der Tourist-Information sowie die Sanierung des Wegesystems im Schlossgarten.” Für die Entwicklung des Kulturhofs auf dem Gelände des Betriebshofs sei man auch zuversichtlich, Förderungen von Bund und Land zu erhalten.

Bei allem, was Befürworter und Befürworterinnen des Festhaltens am Hessentag 2021 an Argumenten liefern, bleibt weiterhin ungewiss, wie sich die Corona-Pandemie bis zum kommenden Mai entwickeln wird. Jonathan Wulff, Fraktionsvorsitzender der SPD, befürchtet, dass das Fest womöglich gar nicht stattfinden kann, schreibt die Fuldaer Zeitung. Und auch die Stadt sagt, dass derzeit niemand eine Aussage darüber treffen könne, was im kommenden Jahr möglich sein werde.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

Über Sascha-Pascal Schimmel

https://medium.com/@SaschaPascalSchimmel/meine-storys-b0d6414bfd17