Anwalt Bryan Stevenson (Michael B. Jordan, links) verteidigt den zu Unrecht verurteilten Walter McMillian (Jamie Foxx). (Foto: Warner Bros. Entertainment INC./Jake Giles Netter)

Kennst du schon ..? Jede Woche entdecken wir neue, aber auch ältere, vielleicht vergessene kulturelle Goldstücke im Netz – Alben, Bücher, Serien, Filme, Games, Podcasts und vieles mehr, wozu wir unseren Senf abgeben. Auch wenn das Kino diese Woche wieder öffnet, möchten wir dir heute einen Tipp fürs Heimkino dalassen. Das Gerichtsdrama „Just Mercy“ erzählt die Geschichte des Schwarzen Juristen Bryan Stevenson nach einer wahren Begebenheit und ist – nicht nur angesichts der „Black Lives Matter“-Bewegung – starker Tobak. Und unser heißer Scheiß der Woche.

Mit dem Harvard-Abschluss in der Tasche kommt der junge Anwalt Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) Ende der 80er Jahre nach Alabama. Genauer: nach Monroeville. Hier hat die Schriftstellerin Harper Lee ihren berühmten Roman “Wer die Nachtigall stört” geschrieben, eins der wichtigsten Werke über Rassismus in den Südstaaten. Lees Roman erzählt von einem Anwalt, der einen Mann verteidigt, dem aufgrund seiner Hautfarbe kein fairer Prozess gemacht wird. Eine große Parallele zu Stevenson, der selbst schwarz ist, und es sich nun zur Aufgabe gemacht hat, an Fällen von Verurteilten in der Todeszelle zu arbeiten.

“Schuldig seit der Geburt”: Rassismus ist auch vor Gericht allgegenwärtig

Einer dieser zum Tode Verurteilten ist Walter McMillian (Jamie Foxx). Der Holzarbeiter soll eine junge weiße Frau ermordet haben. Doch nicht überzeugende Beweise und die Umstände sprechen für die Unschuld McMillians: Einzig eine höchst fragwürdige Zeugenaussage stützt das Urteil gegen ihn. Stevenson will den Fall neu aufrollen und beginnt sich mithilfe seiner Mitarbeiterin Eva Ansley (Brie Larson) in die Geschichte des offensichtlich unschuldigen Afroamerikaners einzuarbeiten, um ihn vor der Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl zu bewahren. Doch obwohl die Unschuld des Mannes auf der Hand liegt, werden dem Juristen und seinem Mandanten immer wieder Steine in den Weg gelegt. Der Staatsanwalt Tommy Chapman (Rafe Spall) will scheinbar unbedingt an McMillian als Sündenbock festhalten.

Stevenson besucht die Familie und Nachbarschaft seines Mandanten, um mehr über den Fall herauszufinden – und findet dort hoffnungsvolle Unterstützung. (Foto: Warner Bros. Entertainment INC./Jake Giles Netter)

Nicht nur die Männer im Todestrakt, wie der traumatisierte Vietnam-Veteran Herb Richardson (beeindruckend: Rob Morgan), werden aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert: Auch Stevenson selbst erlebt immer wieder Demütigung durch weiße Polizisten und Justizangestellte. So muss er sich, bevor er das Gefängnis betreten darf, vor einem Wärter entkleiden und entwürdigend durchsuchen lassen. Er wird mit dem Auto angehalten und unverhältnismäßig grob behandelt. Er erhält Morddrohungen für die Verteidigung der Todeszelleninsassen. Sein Mandant McMillian hat ihn gewarnt: “Sie wissen nicht, womit Sie es hier in Alabama zu tun haben. Wenn Sie schuldig sind, sobald Sie geboren wurden.”

Polizeigewalt und Justizwillkür sind knallharte Realität

Mehr als einmal sieht man Szenen, die einem vor Wut und Empörung über die offensichtliche Ungerechtigkeit Zornestränen in die Augen treiben könnten. Szenen, die unter die Haut gehen, weil man einen winzigen Teil dessen zu spüren bekommt, was für viele Schwarze weltweit knallharte Realität ist. Besonders beklemmend: Der Film zeigt sehr detailliert die Hinrichtungsszene eines Mannes, den Stevenson nicht mehr vor dem elektrischen Stuhl bewahren konnte.

Der echte Bryan Stevenson widmet sein Leben noch immer seiner Equal Justice Initiative. Er hat zahlreiche Verfahren gewonnen und viele Unschuldige vor der Vollstreckung der Todesstrafe gerettet. 2014 veröffentlichte er das Buch “Ohne Gnade: Polizeigewalt und Justizwillkür in den USA”, das zur Vorlage des Films von Regisseur Destin Daniel Cretton wurde. Der Film ist im Handel und digital als Download erhältlich. Er wird aber auch vereinzelt erneut ins Programm einiger öffnenden Kinos aufgenommen.

“Seit 1973 mussten in den USA 156 Menschen wegen erwiesener Unschuld oder erheblicher Zweifel an ihrer Schuld aus den Todestrakten entlassen werden. Davon sind 74 Fälle allein seit Anfang 2000 aufgedeckt worden. Einige Gefangene standen nach jahrelanger Haft kurz vor ihrer Hinrichtung. Nicht wenige dieser Fehlurteile gehen auf eine unzureichende Verteidigung und Verfehlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zurück.”

– Amnesty International

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