Auch das hessische Comedy-Duo Badesalz hat sich für die Kundgebung angekündigt (Foto: Badesalz)

Es ist fünf vor zwölf für Künstler*innen und Veranstalter*innen. Die Corona-Pandemie lässt seit dem Lockdown Mitte März keine regulären Live-Veranstaltungen zu, die Beschränkungen kommen einem Berufsverbot gleich. Kulturschaffende befürchten, die Krise nicht zu überstehen und in Hartz 4 abzurutschen. In unserer Serie “Künstler*innen in der Corona-Krise” berichten Betroffene von den Problemen. Nun findet kommenden Montag eine große Kundgebung in Frankfurt statt, an der bekannte Vertreter*innen der Branche stellvertretend die Stimmen erheben wollen. Ebenfalls am Montag gibt es eine bundesweite Aktion zu diesem Anliegen: In der “Night of Light” strahlen Event-Unternehmen ihre Gebäude rot an, um auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Die große Kundgebung in Frankfurt ist für kommenden Montag, 22. Juni, für 11.55 Uhr angekündigt. Fünf vor zwölf – eine Uhrzeit mit Symbolcharakter. Auf dem Open-Air-Gelände vor der Jahrhunderthalle (Pfaffenwiese 301) kommen Kulturschaffende, Veranstalter*innen, sowie Vertreter und Vertreterinnen von Theatern, Agenturen und deren Subunternehmen für etwa zwei Stunden zusammen, um auf ihre prekäre wirtschaftliche Situation aufmerksam zu machen.

Der Veranstalter bittet vorab um eine Online-Registrierung, um den Ablauf zu vereinfachen. Die Tickets seien jedoch keine Voraussetzung für den Einlass ab 11 Uhr.

Massenentlassungen und Privatinsolvenzen in nie da gewesener Höhe?

Als Sprecher auf der Bühne haben sich bekannte Gesichter wie die Zauberkünstler Ehrlich Brothers, das Comedy-Duo Badesalz, Comedian Maddin Schneider, Opernsänger Andreas Scholl und Kabarettist Urban Priol angekündigt. Initiator der Kundgebung ist Stefan Schornstein von der Veranstaltungsagentur S-Promotion. “Wir können unter Einhaltung der geforderten Mindestabstände keine Veranstaltungen durchführen, ohne dabei ein horrendes Minusgeschäft zu produzieren. Das gilt für kleine Theater ebenso wie für große Hallen”, so Schornstein.

“Wenn es nicht jetzt ernstgemeinte politische Lösungen gibt, und vor allem finanzielle Unterstützungen, drohen in Kürze Massenentlassungen aus diesem Wirtschaftszweig und Privatinsolvenzen in nie da gewesener Höhe”, heißt es außerdem in der Pressemitteilung zur Veranstaltung. Die aktuell geltenden Abstandsregelungen bei Live-Veranstaltungen kämen im wirtschaftlichen Ergebnis einem Berufsverbot gleich.

Kassel setzt Zeichen mit der “Night of Light”

Auch bundesweit ist am Montag einen Aktion geplant. Um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen, strahlen Event-Unternehmen ihre Gebäude rot an. So wird beispielsweise in Kassel in der “Night of Light” um 22 Uhr wird am Schlosshotel Wilhelmshöhe eine rote Lichtskulptur erstrahlen. Diese soll in der ganzen Stadt zu sehen sein. Es sollen außerdem viele Gebäude in der gesamten Region in und um Kassel rot beleuchtet werden.

Auch in Fulda wird mindestens ein Gebäude illuminiert: Der “Dicke Turm” in Künzell soll ab 21.30 Uhr rot angestrahlt werden.

“Die Veranstaltungswirtschaft steht auf der Roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Branchen”, heißt es in der Pressemitteilung. “Ein leuchtendes Mahnmal und ein flammender Appell der Veranstaltungs-Wirtschaft zur Rettung unserer Branche, die echte Hilfe anstelle von Kredit-Programmen benötigt.”

Weiterhin heißt es, die Veranstaltungswirtschaft sei der erste Wirtschaftszweig gewesen, der von der Corona-Krise getroffen wurde und er werde auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein.

“Durch das vorläufige Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. Oktober gibt es einen Umsatzausfall von 80 bis 100 Prozent über einen Zeitraum von mindestens acht Monaten”, heißt es weiter in der Mitteilung. Daraus resultiere eine akute Insolvenzgefahr für die gesamte Branche.


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