Die Zeugnisfeier in der St-Paulus-Kirche wurde per Livestream übertragen (Foto: Finn Rasner)

Es war eine ungewöhnliche Zeugnisfeier, zu der die 34 Abiturientinnen und Abiturienten der Richard-Müller-Schule in der St-Paulus-Kirche in Fulda zusammengekommen waren. Der Corona-Pandemie geschuldet gab es keine Feier in der Schule. Stattdessen erhielten die Jugendlichen des beruflichen Gymnasiums – Fachrichtung Wirtschaft – ihr Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes, der für Eltern und Freunde per Livestream im Internet zu verfolgen war.

Eine Pressemitteilung von der Richard-Müller-Schule

Die Schülerinnen und Schüler hatten mit Religionslehrer Christian Deschauer den Gottesdienst unter das Motto „Herr, bleibe bei uns“ gestellt. So tauschten sich die beiden Jugendpfarrer Marvin Lange und Alexander Best statt einer Predigt in einem anregenden Zwiegespräch über „himmlische Momente“ aus und ermunterten die Anwesenden, in ihrem Leben die prägenden und Sinn stiftenden Momente zu sehen, in denen trotz Schwierigkeiten etwas gelingen konnte.

Daran knüpfte Oberstudiendirektorin Claudia Hümmler-Hille in ihrer Rede an, wenn sie darauf verwies, dass mit dem in einer krisenhaften Zeit erreichten Abitur – Corona-Krise, Wirtschaftskrise, Klimakrise – etwas Erfolgreiches gelungen ist. Das Coronavirus habe die Menschen in eine eigentlich überwunden geglaubte Hilflosigkeit zurückgeworfen. Für die sich heute so unsicher darstellende Zukunft mit vielen Unwägbarkeiten wünschte die Schulleiterin den jungen Menschen das nötige Vertrauen, ohne das eine Gesellschaft nicht funktionieren könne. Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten, aber auch Vertrauen in die Mitwelt, ermöglichten es, künftige Ziele zu erreichen.

Nicht von populistischer Meinungsmache beeinflussen lassen

Der Abteilungsleiter des beruflichen Gymnasiums, Studiendirektor Hubert Krah, bot dem 53. Abiturjahrgang der Richard-Müller-Schule die Leitbegriffe „amicitia, scientia, diakonia“ (Freundschaft, Wissenschaft, Dienstbereitschaft) als Hilfestellung für das Leben an. Die in der Schule erworbene Kompetenz, Sachverhalte und Ereignisse kritisch zu reflektieren, sollte davor bewahren, sich von populistischer Meinungsmache vereinnahmen zu lassen

Anschließend wurden die Zeugnisse ausgegeben, diesmal ohne den sonst obligatorischen Handschlag. Die Tutor*innen Joachim Ritz und Sabine Gabriel dankten ihren Schülerinnen und Schülern für die angenehme Zeit des miteinander Lernens und baten sie, sich die am Altar bereitliegenden Zeugnisse zu holen. Als kleine Entschädigung für die ausgefallenen Feierlichkeiten wie den Abiball gab es für alle eine Rose.

Eine besondere Ehrung erfuhren die sechs Jahrgangsbesten (alle mit einer Eins vor dem Komma): Lina Jakob, Joris Hülsmann, Sabine Bangert, Julia Hofstätter, Serafin Scholz, Catharina Wall.

Mut zu eigenen Entscheidungen – aber mit Umsicht

Als Vertreterin des Abiturjahrgangs blickte Melanie Müller mit launigen Worten auf die Zeit an der Richard-Müller-Schule zurück und hob als besonders erfreulich hervor, dass man in den letzten Jahren zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen sei. Für die Eltern, die die Feier per Livestream verfolgen konnten, dankte Susanne Brune dem Lehrerkollegium für seinen Einsatz. Die Abiturient*innen ermutigte sie, angesichts der unzähligen Möglichkeiten, die sich böten, mutig eigene Entscheidungen zu treffen, sich nicht verunsichern zu lassen, die neuen Wege aber mit Umsicht zu gehen.

Bereichert wurden Gottesdienst und Zeugnisfeier durch Mitglieder der Schulband „39 minutes to Fulda“. So sorgten Vanessa Elm (Gesang), René Helmer (Keyboard) und Yyaeheslay Yerokhin (Gitarre, Cajon) für einen hervorragenden musikalischen Rahmen.

Fotos: Finn Rasner

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