Abiball der Richard-Müller-Schule in Fulda aus dem Jahr 2016 (Archivfoto: move36)

Oft wurde gemeinsam mit den Eltern über Mathe-Aufgaben gebrütet, es wurden Vokabeln abgefragt und es wurde bei Präsentationen und Klausuren mitgefiebert. Ein stolzer Moment muss das also sein, wenn der eigene Sprössling nun endlich den Abschluss in der Tasche hat. Doch die Corona-Krise macht eine traditionelle Zeugnisvergabe dieses Jahr unmöglich. Wie gehen die Schulen im Landkreis damit um?

12 bis 13 Jahre wird gebüffelt, und dann ist es endlich so weit: Das Abiturzeugnis ruht fest in den Händen. Bis dahin ist es ein oft mit Hochs und Tiefs, Jubel und Frust, guten und schlechten Noten gespickter Weg. Das erleben nicht nur die Schülerinnen und Schüler, die zur Abi-Prüfung antreten, sondern auch die vielen Eltern und Verwandten, die ihnen all die Jahre den Rücken gestärkt haben. Dass die sich die Zeugnisvergabe nicht entgehen lassen möchten, ist selbstverständlich. Allerdings lassen die aktuellen Sicherheitsvorschriften keine Feier mit so vielen Menschen zu. Die Schulen mussten Lösungen finden – und die fallen unterschiedlich aus.

Die meisten Schulen, wie beispielsweise die Wigbertschule in Hünfeld und die Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda, laden nach Tutorengruppen ein. Das bedeutet, dass sich nicht der ganze Jahrgang auf einmal am Veranstaltungsort befinden wird, sondern Teil-Gruppen – inklusive Begleitpersonen und Lehrer sollen sie nicht auf mehr als die 100 erlaubten Personen kommen.

Würdevoller Abschied trotz schwieriger Umstände

“Geplant sind vier Gruppen. Pro Gruppe reden wir von etwa 25 Schülerinnen und Schülern. Wenn die je zwei Begleitpersonen mitbringen, sind wir bei etwa 75 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Dazu kommen noch die Lehrer. Insgesamt liegen wir aber nicht über 85 bis 90 Personen”, erklärt Markus Bente, Schulleiter der Wigbertschule. Pro Gruppe soll die Veranstaltung etwa eine Stunde dauern, danach sind 30 Minuten Pause geplant, in denen der Raum ausreichend desinfiziert wird, bevor die nächste Gruppe eintritt.

Damit keine Hektik durch schnelle Aufbruchstimmung entsteht, ist für die Gruppen ein Sektempfang auf dem Schulhof geplant. Hier soll es pro Familie einen Stehtisch geben, das Gelände könne dann über den Schulhof verlassen werden, sagt der Schulleiter. “Wir möchten die Abiturient*innen trotz der aktuellen Umstände individuell und in Würde verabschieden”, so Bente weiter. Die Zeugnisse sollen ohne direkten Kontakt über einen Tisch überreicht werden, begleitet werden soll das Ganze von Reden der Kurssprecher und Livemusik.

Freiherr-vom-Stein-Schule: Zeugnisübergabe an zwei Tagen

Ähnlich wird es auch die Freiherr-vom-Stein-Schule handhaben. Schulleiter Dr. Ulf Brüdigam begründet die Entscheidung wie folgt: “Die Eltern sind oft die intensivsten Begleiter während der Schulzeit. Natürlich sollen sie im Rahmen der Möglichkeiten dabei sein.” Hier findet die Zeugnisvergabe an zwei Tagen mit jeweils drei Gruppen inklusive zwei Begleitern pro Person statt.

Natürlich sind nicht nur Abiturienten und Abiturientinnen betroffen. Auch die Bardoschule überreicht ihren Haupt- und Realschulabgänger*innen das Abschusszeugnis gruppenweise. Die Schülerinnen und Schüler dürfen hier je eine Begleitperson mitbringen.

Die Richard-Müller-Schule streamt die Abschlussfeier für die Eltern

Anders plant die Richard-Müller-Schule ihre Feierlichkeiten. In der Kirche St. Paulus – zu Fuß etwa zehn Minuten von der Schule entfernt – soll es einen großen Gottesdienst für den ganzen Abschlussjahrgang geben. Die Kirche biete eine feierliche Atmosphäre, die mit festlicher Kleidung und Musik unterstrichen werden soll, heißt es von der RiMS. Man habe die Schüler*innen im Vorfeld gefragt, wie sie sich ihre Feier vorstellen. Sie hätten mindestens drei Jahre gemeinsam verbracht und sich daher auch einen gemeinsamen Abschluss gewünscht.

Begleitpersonen können hier allerdings nicht zugelassen werden. Ein Wermutstropfen: “Die Eltern können sich die Veranstaltung über einen Livestream im Internet ansehen”, erzählt Studiendirektor Hubert Krah von der Richard-Müller-Schule.

Ein bisschen schade finden einige Eltern das schon. “Unser Sohn ist dieses Jahr ein Abiturient an der Richard-Müller-Schule und wir Eltern dürfen nicht bei der Zeugnisübergabe dabei sein. Das finde ich schon sehr schade”, berichtet eine Mutter. “Sein Kind 13 Jahre lang begleitet zu haben und dann an einem solchen Tag nicht dabei sein zu dürfen, ist wirklich richtig traurig.” Der angekündigte Livestream hebt die Stimmung aber zumindest ein wenig: “So kann ich vor dem PC ein paar Tränchen vergießen.”

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