(Foto: Roberto Carlos Roman/Unsplash)

Die Corona-Krise bringt viele Probleme mit sich: Menschen verlieren ihre Arbeit, soziale Kontakte sind sehr eingeschränkt und die Zukunft ist ungewiss. Was bedeutet diese Zeit für suchterkrankte und suchtgefährdete Menschen?

Wer in Sorge ist, zum Beispiel aufgrund einer schwierigen beruflichen oder sozialen Situation, trinkt häufig Alkohol, um die erdrückende Situation zu betäuben. Schnell kann daraus eine Abhängigkeit entstehen. Auch illegale Rauschmittel, wie beispielsweise Heroin, werden konsumiert, um sich einen Kick zu holen, der die Realität ausblendet. Erhöht die aktuelle Corona-Krise das Risiko einer Abhängigkeit? Fällt der Griff zur Flasche in der Isolation leichter?

“Das ist sehr individuell”, erklärt Anita Hofmann von der Suchthilfe Fulda. Natürlich könne es sein, dass die Pandemie sich negativ auf die Situation von Suchtgefährdeten auswirkt. Einen konkreten Anstieg von Anmeldungen zur psychosozialen Begleitung habe man aber nicht festgestellt. Allerdings habe Corona auch Einfluss auf die Durchführung der Begleitung. “Wir haben, wie alle Beratungsstellen, die persönliche Beratung vor Ort eingestellt”, so Hofmann weiter. “Wir bieten telefonischen Kontakt an, wollen Präsenz zeigen, erhalten aber erstaunlicherweise eher wenige Anrufe.” Diese fielen auch eher kürzer aus, denn die gängigen einstündigen Beratungstermine seien telefonisch schwierig umzusetzen.

Anders sieht es aber bei der Betreuung von Opioidabhängigen aus. “In der Substitution ist die Nachfrage während der Pandemie auf jeden Fall gestiegen”, erklärt Hofmann. Im Rahmen der medikamentös begleiteten Therapie bekommen Suchterkrankte einen Ersatzstoff. “Am Schwarzmarkt ist es enger geworden”, so Hofmann. “Durch die geschlossenen Grenzen wird die Organisation von illegalen Rauschmitteln für die Konsumentinnen und Konsumenten deutlich schwieriger.” Daher gebe es mehr Leute, die man auffangen müsse. Darunter auch Menschen, die vorher wenig Interesse an der Suchthilfe gezeigt hätten.

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