(Foto: Marcus Loke/Unsplash)

Schülerinnen und Schüler bangen: Kein Schüleraustausch? Keine Abifahrt? Nicht mal ein Ausflug ins Nachbarbundesland? Bis zu den Herbstferien mussten Schulen sämtliche Ausflüge und Fahrten absagen. Wie sieht es aus mit Buchungen für das nächste Jahr? Und wie geht es eigentlich Hessens Jugendherbergen?

Hamburg, Berlin, Straßburg, Prag und Barcelona: Das sind typische Reiseziele, auf die Schulklassen sich normalerweise freuen dürfen. Klassenfahrten sind wichtig – vor allem für das Gemeinschaftsgefühl. Aufgrund der Corona-Pandemie sind sie allerdings gerade undenkbar. Bis zu den Herbstferien wurden alle Fahrten abgesagt, und auch für die Monate danach sieht es nicht rosig aus. “Wir führen aktuell keine Buchungen oder Planungen für Fahrten im nächsten Schuljahr durch”, erklärt Lehrer Franco Gargano von der Richard-Müller-Schule. Fahrten ins Ausland könnten nach aktuellem Stand gar keine stattfinden, wenn es überhaupt welche geben wird, dann nur innerhalb Deutschlands.

An der Wigbertschule in Hünfeld sieht es ähnlich aus: Auch hier wird es im ganzen nächsten Schuljahr, also bis Mitte 2021, voraussichtlich keine Klassenfahrten geben. Schulleiter Markus Bente erzählt außerdem, dass die Austauschfahrten nach Frankreich, Polen und in die USA abgesagt wurden. “Eigentlich sollten wir auch Austauschschüler aus China bekommen”, so Bente. “Auch die kommen jetzt natürlich nicht.” Außerdem werde es sicherlich erst mal einen großen Run auf die gängigen Ausflugsziele geben, sodass man kaum einen Platz bekommen werde, sobald Klassenausflüge wieder möglich seien. Erst das Chaos mit den Busfahrplänen, dann Sturmtief Sabine, und dann auch noch Corona: Dieses Jahr fordere die Schulen wirklich heraus.

Keine Studienfahrt für Abiturienten?

Auch die Studienfahrt ins Ausland gehört für Abiturienten einfach zum Abschluss dazu, und viele freuen sich schon Jahre im Voraus darauf, die Sau rauszulassen – alles mit pädagogisch wertvollem Hintergrund, versteht sich. “Da haben wir Glück”, bemerkt Bente. “Denn wir haben nächstes Jahr durch den Wechsel von G8 zu G9 gar keinen Abiturjahrgang.” Es hätte also sowieso keine Abifahrt gegeben.

Hessens Jugendherbergen allerdings können nun wieder öffnen. So auch die Jugendherberge in Fulda, die ab Donnerstag wieder Gäste empfängt. Das Personal sei bezüglich der neuen Situation und der Hygienevorschriften geschult, die Zimmerauslastung neu geplant und die Laufwege angepasst, schreibt die Fuldaer Zeitung. Aber wie viele Übernachtungen werden überhaupt gebucht, wenn die Schulklassen wegfallen? Können sich die Herbergen mit der Soforthilfe, die sie vom Land Hessen erhalten haben, lange über Wasser halten? Das Hilfspaket umfasst eine Million Euro – viel weniger als beispielsweise in Bayern. Damit können die Jugendherbergen gerade mal einen Monat abdecken, erklärt Timo Neumann, der Vorstandsvorsitzende der Jugendherbergen Hessen.

“Ohne weitere finanzielle Hilfe wird es bald keine Jugendherbergen mehr geben”

“Viele Schulklassen haben umgebucht und wollen ihre Fahrten nun auf die eher ungewöhnlichen Monate nach den Herbstferien und ins Frühjahr legen”, so Neumann weiter. Allerdings stehe noch nicht fest, was bis dahin passiert: “Ohne weitere finanzielle Hilfe wird es bald keine Jugendherbergen mehr geben.” Man erwarte innerhalb der nächsten zwei Wochen Entscheidungen von Bund und Land, ob es ausreichende Stützen geben wird. Denn aktuell können die Herbergen statt den üblichen 24 Millionen Euro Umsatz nur etwa ein Sechstel machen. Vier Millionen Euro Umsatz können aber nicht die 30 Herbergen und rund 500 Mitarbeiter tragen.

“Die frühe Öffnung der Jugendherbergen ist natürlich positiv für unsere Gäste und Mitarbeiter. Allerdings ist die Unterbringung von großen und mittelgroßen Gruppen derzeit nicht möglich”, erklärt Neumann. Es können nicht nur keine Klassenfahrten stattfinden, sondern auch keine Seminare, Chorproben, Vereinstreffen oder Familienfeiern. “Damit fällt der größte Teil unseres Umsatzes für 2020 komplett weg.” Dem Motto der Jugendherbergen – “Gemeinschaft erleben” – könne man aktuell nicht gerecht werden. Man schaue mit Hoffnung in Richtung Politik, damit die Herbergen die Krise überstehen und dieses Motto in Zukunft weiterleben können.

Aktuell sucht das Deutsche Jugendherbergswerk Unterstützer, die sich an einer Online-Petition für einen staatlichen Rettungsschirm beteiligen.

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