Hat sogar eine Clown-Ausbildung: Michael “Shaggy” Schwarz (Foto: Walter Rammler)

Michael Schwarz, den meisten besser bekannt als Shaggy, ist ein echtes Fuldaer Urgestein. Kaum ein anderer ist so vielseitig engagiert wie der 42-jährige, den viele als Gesicht der Kulturszene unserer Stadt sehen. Wie es dazu kam und welche Auswirkungen die Krise auf seine Arbeit hat, erzählt move36 im ersten Teil der Serie über regionale Künstler während der Corona-Pandemie.

Shaggy gehört zum Kulturzentrum Kreuz wie die rote Nase zum Clown. Bereits in seiner frühen Jugend war er dort Stammgast, man traf ihn etwa dreimal in der Woche in der vielseitigen Location. So ergab es sich, dass er schon mit 16 als DJ im Kreuz auflegen durfte. Schon Mitte der 90er war er dort fest verankert. „Das war mein Laden, dort habe ich mich wohlgefühlt“, erzählt Shaggy. Er brachte sich schon lange, bevor er dort angestellt war, mit seinen Ideen ein, und so hat er unter anderem die berühmten Mittwochspartys auf die Beine gestellt.

Hauptberuflich Veranstalter zu werden, das war eigentlich gar nicht Shaggys ursprünglicher Plan. „Ich habe erst mal Soziale Arbeit in Fulda studiert – wie übrigens ganz viele von den Kreuz-Leuten“, berichtet er. „Ich habe allerdings nie in dem Bereich gearbeitet und auch das Anerkennungsjahr nie gemacht.“ Dazwischen kam nämlich eine frei gewordene Vollzeitstelle beim Kreuz, die er direkt besetzte.

“Theater ist mir total wichtig”

Zwischendurch lebte Shaggy ein Jahr in Berlin, kam dann aber zurück nach Fulda, da er sich in die Stadt verliebt hatte – und er blieb. Seitdem koordiniert er als Veranstalter zahlreiche Events in den Locations des Kulturvereins Kreuz: Konzerte, Theater, Kabarett, Poetry Slams und mehr zählen dazu. Als ob das nicht genug Arbeit wäre, bringt sich Shaggy noch in vielen weiteren Bereichen der kulturellen Unterhaltung ein.

„Theater ist mir total wichtig“, hebt er hervor und erzählt, dass er bei einem Schattentheater in der Grundschule zum ersten Mal auf der Bühne stand. Es folgten Auftritte mit dem Schultheater ab der fünften Klasse, bis er in der Oberstufe sogar eine eigene Theatergruppe gründete. Seit einigen Jahren spielt er bei den „Spontanisten“ mit, einer Impro-Theatergruppe, die er 2015 zusammen mit Sabine Häcker gegründet hat.

Auch als Moderator hat Shaggy einiges zu tun. Erfolgreiche Formate wie das Kneipenquiz und Bingo-Beatz finden regelmäßig statt, und auch sonst präsentiert er viele Veranstaltungen auf der Bühne – meistens lustig, manchmal aber auch ernster. Vor drei Jahren erfüllte sich Shaggy einen jahrelangen Traum und machte eine Clown-Ausbildung in Hofheim-Lorsbach. Zusammen mit Wolfgang Mihm gründete er 2018 außerdem „KKiKK – KleinKunst im KulturKeller“. Diese Veranstaltungsreihe soll Fuldaer Künstlern verschiedenster Genres eine Bühne geben.

Neben zusätzlichen Projekten wie kleineren Hörspiel-Rollen und seinen beiden Podcasts „GEEKanten“ und „FuldaKultur“ (move36 hat berichtet) arbeitet Shaggy als DJ – allerdings nicht mehr in Clubs, sondern auf Firmenfeiern und Hochzeiten. Auch sein Kneipenquiz wird für solche Veranstaltungen öfter gebucht. So kommen im Jahr nochmal gut 100 Veranstaltungen zusammen, die er neben seinem Hauptberuf beim Kreuz zusätzlich wuppt.

“Finanziell merkt man das natürlich schon”

Ein weiteres Projekt ist in der Mache: Seit längerer Zeit plant Shaggy ein Soloprogramm. „Das soll eine Mischung aus Impro-Theater, Stand-up und einigen anderen Dingen werden, die man so nicht erwartet“, erklärt er. Zum Schreiben und Nummern Ausarbeiten fehlte ihm lange die Möglichkeit, denn Freizeit hatte er in den letzten Jahren fast keine. Doch dann kam die Corona-Krise, die ihm neben vielen negativen Auswirkungen auch etwas Positives bescherte: Zeit.

Zeit, die Shaggy nun nutzt, um sich umfassend weiterzubilden. Er schildert, wie das aktuell aussieht: „Ich mache aktuell vier bis fünf Seminare pro Woche mit. Stimmtraining, Moderations-Seminare, Improvisationstraining und so weiter.“ Dort lässt er sich unter anderem von bekannten Namen aus ganz Deutschland trainieren, wie zum Beispiel vom bekannten Hamburger Improvisationstheater „Steife Brise“. Auch passende Literatur habe er sich viel gekauft. Er investiere seine freie Zeit so gut wie möglich in Fortbildung, auch wenn die Arbeit beim Kreuz durch die aktuell laufende Spendenaktion langsam wieder mehr Fahrt aufnimmt.

Die Corona-Krise stellt natürlich dennoch auch für Shaggy eine große Herausforderung dar. Abseits von den abgesagten Veranstaltungen im Kreuz fallen ihm persönlich auch sämtliche Hochzeiten und Firmenfeiern weg. „Finanziell merkt man das natürlich schon“, gesteht er. „Aber ich will nicht klagen, denn dafür habe ich viel Zeit, und das ist wieder ein Vorteil.“ Er stehe weiterhin viel in Kontakt zu anderen Künstlern in der Region und darüber hinaus.

„Was einem wichtig ist, merkt man manchmal erst so richtig, wenn es fehlt“

Dem Kulturzentrum Kreuz gehe es, wie vielen anderen soziokulturellen Zentren, natürlich schlecht. Seine Vorgesetzte Katja Schmirler-Wortmann tausche sich alle paar Tage mit anderen Mitgliedern des LAKS (LandesArbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und Soziokulturellen Zentren Hessen) aus, für alle ist es eine schwierige Zeit. „Einige werden vermutlich nicht mehr veranstalten können“, schätzt Shaggy. Konkrete Hinweise auf Schließungen einiger Zentren gebe es aber bisher noch nicht. Was das Kreuz angeht, bleibt er optimistisch: „Wir sind da guter Dinge. Die Stadt unterstützt uns, so gut sie kann – auch wenn wir natürlich nicht die einzigen sind, die deren Hilfe benötigen.“

Shaggy wagt einen Ausblick auf die Zukunft nach Corona, und was sich in den Köpfen der Menschen verändern könnte: „Ich glaube, dass viele die Kultur deutlich mehr wertschätzen werden.“ Er hofft, dass einige noch freudiger zu Veranstaltungen gehen werden. „Was einem wichtig ist, merkt man manchmal erst so richtig, wenn es fehlt.“ Doch die Auswirkungen könnten auch negativ sein. „Das ist ein zweischneidiges Schwert. Viele Leute werden erstmal weniger Geld zur Verfügung haben. Und wie so oft spart man als erstes an der Kultur.“

Wie das Kreuz sich weiterentwickelt, werde sich noch herausstellen. „Es wird eventuell weniger Veranstaltungen geben. Wir haben vieles erstmal in den Herbst und Winter verlegt.“ Ob es bis dann aber Veranstaltungen mit 700 Personen geben kann, bezweifelt er. Man könne da noch keine konkreten Aussagen machen.

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