(Foto: Jobst Meese/Jodocus Obscurus Photography)

Wenn E-Gitarre auf Geige trifft und die Bühnenbretter vibrieren, gibt es nicht viele Bands, die als Verursacher infrage kommen: Fiddler’s Green gehören zu den populärsten Irish Folk Rockbands Deutschlands und geben seit mittlerweile 30 Jahren Vollgas auf nationalen und internationalen Bühnen. Im April war ein Konzert mit Ralf „Albi“ Albers, Rainer Schulz, Pat Prziwara, Tobias Heindl, Stefan Klug und Frank Jooss im Kreuz geplant. Das wurde aufgrund der Einschränkungen durch Corona ins Jahr 2021 verlegt. Trotzdem haben wir mit den Jungs über Festivals, respektlose Fans und politische Songs geschnackt.

Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug habt ihr auch Geige und Akkordeon im Gepäck. Ihr seid keine einfache Rockband. Euren Sound nennt ihr Irish Speedfolk, habt aber auch schon in andere Richtungen wie Punk und Reggae reingeschnuppert …

Ja, wir sind sehr experimentierfreudig – auch wenn‘s nicht überhandnehmen sollte. Früher war das vielleicht teilweise ein wenig arg. Aber ein gesunder Mix tut gut und drängt sich bei manchen traditionellen Melodien auch förmlich auf.

Arbeitet ihr auch mal mit anderen Künstlern zusammen?

Wir haben sehr oft mit anderen Musikern zusammengearbeitet. Entweder indem man gegenseitig bei Aufnahmen mitwirkt oder Coverversionen anfertigt. Teilweise haben andere auch schon Texte für uns beigesteuert. Zu einem richtigen Duett oder einer Gemeinschaftsproduktion kam es bislang noch nicht.

Welche Musik könnt ihr denn gar nicht ab?

Wir sind zum Glück musikalisch recht vielschichtig und ertragen einiges. Spätestens bei Andreas Gabalier hört‘s dann aber wirklich auf. Ansonsten kann man sich irgendwie für sehr viel erwärmen. Wir spielen teilweise auf Tour recht gern Schafkopf (Kartenspiel, Anm. d. Red.) – dabei läuft dann entweder 90er-Hip-Hop oder Bierzeltmusik.

“Der Blödsinn darf nie zu kurz kommen”

Durch bekannte Hits von Musikern wie Ed Sheeran findet Irish Folk auch immer mal den Weg in den Mainstream. Freut ihr euch darüber?

Unbedingt! In vielen Köpfen hat Folkrock ja noch immer ein sehr verstaubtes Image. Ed Sheeran, aber natürlich auch die Dropkick Murphys oder Flogging Molly, haben in den vergangenen Jahren viel bewirkt, was auch uns zugutekommt.

Apropos vergangene Jahre: Herzlichen Glückwunsch zu 30 Jahren Bandgeschichte! Habt ihr ein Geheimnis, wie ihr gut miteinander auskommt und euch weiter motiviert?

Danke für die Glückwünsche! Im Grunde ist das Geheimnis gar nicht so schwer und abwegig. Es ist die Musik, die uns Spaß macht. Dann kommt man auch automatisch gut miteinander aus. Und der Blödsinn darf nie zu kurz kommen. Wenn man bierernst an so etwas Schönes wie Musik herangeht, wird es schwierig. Auf der Bühne geben uns die Fans soviel Energie, dass man eigentlich gar nicht anders kann als ewig weiterzumachen.

Denken wir mal zurück an eure Anfänge. Welchen Rat würdet ihr den jungen Fiddlers von damals geben?

Gute Frage! Möglicherweise hätte uns der eine oder andere im Nachhinein wirklich gute Tipp dann aber den Spaß genommen. Wir sind ziemlich sicher, dass unsere Unbedarftheit der frühen Jahre ein ganz wichtiger Teil der Bandgeschichte ist. Und natürlich die nicht selten gewesenen exzessiven Partys vor, während und nach den Auftritten. Im Grunde haben wir wohl alles richtig gemacht.

“Acoustic Pub Crawls” in entspannter Bar-Atmosphäre

Im April wolltet ihr im Kreuz auftreten, akustisch und im Sitzen. Aufgrund von Corona wurde der Termin nun ins nächste Jahr verlegt. Warum hattet ihr euch für Fulda als erste Stadt eurer Tour entschieden?

Das Kreuz ist eine sehr schöne Location in entspannter Atmosphäre. Das ist ganz besonders am Anfang einer Tour wichtig, wenn wir selbst noch in einem Zustand zwischen nervös und unsicher stecken.

Auf was dürfen Fans sich beim Konzert freuen?

Aktuell planen und entwickeln wir einige Specials und Bühnendekorationen. Die Akustikshows sind bei uns immer sogenannte “Acoustic Pub Crawls”, da waren die Bühnen meistens im Stil eines Irish Pubs dekoriert. Bei der kommenden Tour wird es ein klein wenig anders sein – man kann gespannt sein.

(Foto: Jobst Meese/Jodocus Obscurus Photography)

Ihr seid sogar schon zweimal durch Japan getourt. Man sagt über die Japaner, dass sie ein ganz anderes Publikum seien: sehr respektvoll, aber auch weniger ausgelassen. Wie habt ihr sie wahrgenommen?

Von weniger ausgelassen haben wir nichts gemerkt. Es ist jedes Mal massiv die Sau geflogen! Respektvoll stimmt allerdings. Da könnten sich einige europäische Fans ein paar Scheiben abschneiden. In Japan käme niemand auf die Idee, etwas auf die Bühne zu werfen, Gläser dort abzustellen oder Jacken abzulegen.

Ihr seid häufig das ganze Jahr auf Tour unterwegs. Kommt ihr da zwischen den Auftritten überhaupt irgendwie runter?

Ja, das ist eigentlich recht einfach. Allein unsere Familien sorgen dafür schon sehr gut. Außerdem hat jeder noch ein bisschen was anderes zu tun – obwohl die Band unsere Hauptbeschäftigung ist. Der eine oder andere treibt auch gern recht viel Sport oder tritt zusätzlich mit anderen Bands auf. Es wird also nicht langweilig.

“Rechtsextremismus eines der größten Probleme unserer Zeit”

Auf dem vergangenen Album äußert ihr euch politisch und positioniert euch gegen Rechts. Fühlt ihr euch verpflichtet, eure Reichweite für eine Message zu nutzen? Für wie gefährlich haltet ihr Rechtsextremismus?

Leider reißen ja die Geschehnisse nicht ab, die einem immer wieder zeigen, dass man deutlich Stellung beziehen muss. In unserer Position erreichen wir da deutlich mehr Menschen als andere. Gesellschaftlich ist der Rechtsextremismus eines der größten Probleme unserer Zeit. Er setzt sich immer stärker in der Mitte der Gesellschaft fest. Da darf man nicht schweigen.

Mit „Shamrock Castle“ veranstaltet ihr seit Jahren euer eigenes Festival. Im Line-up findet man Bands aus aller Welt, die dafür nach Oberfranken kommen. Welches Publikum wird da angesprochen?

Das Festival ist immer eines der Highlights des Jahres. Inzwischen kommen auch Fans aus aller Welt extra deswegen nach Franken. Es ist eine Art riesengroßes Fantreffen. Nachdem das Ganze ja auch direkt bei uns vor der Haustür stattfindet, kommen auch jede Menge Freunde, Verwandte und Nachbarn. Alles sehr geil.

Vor unserer Haustür findet zum Beispiel das Herzberg-Festival statt.

Ja, das kennen wir – wir waren auch schon mal dort. Allerdings ist das jetzt fast 20 Jahre her. Wir können uns an starke Ausdrucktänze, Glöckchen, viel aromatischen Rauch in der Luft und jede Menge fröhlich sprießende Haare erinnern.

Dieses Jahr können durch COVID-19 weder eure Tour noch euer Festival stattfinden. Wie geht ihr mit der “Zwangspause” um?

Die Krise beeinflusst uns stark – wir sind dadurch praktisch arbeitslos. Wir versuchen das Festival auf 2021 zu verschieben. Trotz des Virus sind wir dabei, unser Jubiläumsalbum aufzunehmen. Wann das erscheinen wird, ist eine andere Frage. Die Situation ist auch für uns alles andere als schön.

(Foto: Jobst Meese/Jodocus Obscurus Photography)

Weitere Infos zur Tour 2021 findest du auf der Webseite vom Kulturzentrum Kreuz.

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