Foto: Daniel Beise

Am Samstagmittag versammelten sich auf dem Fuldaer Uniplatz gut 100 Menschen, um gegen die Corona-Maßnahmen sowie eine angebliche Impfpflicht zu demonstrieren. Bei den Organisatoren angemeldet waren allerdings nur 18, da aufgrund der derzeitigen Lage in Hessen sich zu Demos nur 20 Menschen versammeln dürfen. Der Verein “Fulda stellt sich quer” rief zu friedlichem Gegenprotest auf, störte die Kundgebung, bis diese sich letztendlich aufgelöst hat. Eine etwas skurrile Kundgebung in diesen Zeiten.

“Im Wesentlichen geht es uns um Frieden und Freiheit – ohne andere dabei einzuschränken. Und wir lehnen jegliche Vereinnahmung durch Radikale ab”, betont die Organisatorin Katharina Schmitt. Sie sei kein Profi in Sachen Demos, auch nicht sehr politisch und habe sich lediglich mit einer Freundin zusammengetan für diese Demo, die bereits letzten Samstag auf dem Uniplatz stattfand und nun wöchentlich fortgeführt werden soll. Wogegen sie demonstrieren? Vor allem gegen die Corona-Beschränkungen. “Ich will meine Grundrechte zurück. Jetzt!”, ist auf einem Shirt eines Demoteilnehmers zu lesen.

“Wir als ‘Fulda stellt sich quer’ stehen in diesem Punkt komplett hinter OB Wingenfeld, hinter Landrat Woide, hinter den Kontaktbeschränkungen”, hält Andreas Goerke, Vorsitzender des Antirassismus-Vereins, dagegen. Man sehe doch an deren Demo deutlich, dass sie ihre Grundrechte wahrnehmen können. Der Verein hatte zu einem friedlichen Gegenprotest aufgerufen.

“Die Allianz des Unsinns”

Warum? “Weil wir festgestellt haben, dass sich hier Leute aus dem rechten Spektrum untermischen, aus der NPD und Reichsbürgern, sowie Verschwörungstheoretikern”, so Goerke weiter. Ein Mann mit einem Halstuch in Farben der Reichskriegsflagge war zu sehen.

Auch wenn die Organisatoren beteuern, dass sie Rechtsradikale sofort ausschließen von der Demo – es hatten sich offensichtlich Verschwörungstheoretiker und auch Angehörige der “Neuen Rechten” auf dem Uniplatz eingefunden, so zum Bespiel von der gerade erst entstanden Gruppierung “Widerstand 2020”. Das ZDF hat mal beleuchtet, wer dahintersteht.

Es ist ein skurriles Bild unterschiedlicher politischer Richtungen, was sich auf diesen “Hygiene-Demos” offenbart, die nun auch in Fulda angekommen zu sein scheinen: Besorgte Eltern, seriöse Kritiker wie auch Esoteriker und in Teilen radikale Linke wie Rechte – die hier in einigen deutschen Städten seit wenigen Wochen Hand in Hand demonstrieren. Die Gemengenlage an Strömungen ist äußerst diffus, gemeinsam festgelegte und konkrete Forderungen oder Ziele sind bei diesen Versammlungen relativ schwer auszumachen und meist schwammig gehalten – wie für Frieden und Freiheit und gegen angebliche Zwangsimpfungen. Die Süddeutsche titelte kürzlich dazu “Die Allianz des Unsinns“. Auf “Hygiene-Demos” in Berlin waren natürlich mal wieder die Juden an allem Schuld. Und auf Wikipedia gibt es inzwischen gar einen eigenen Eintrag zu Demos in Bezug auf Corona.

Nicht anders war es in Fulda. So verglich ein Redner die Maskenpflicht mit einem Maulkorb – eine Anspielung auf das angebliche Mundtotmachen und einen vermeintlichen Angriff auf die Meinungsfreiheit, obwohl er doch genau in diesem Moment seine Meinung kundtun konnte. Bei Journalisten tun sich bei einer solchen Argumentation nur Fragezeichen auf. Zudem machte sich der Redner mit den “Hygiene-Demos” in vielen anderen großen Städten gemein, worauf viel zujubelten. Und weiter: In der einen Ecke bei älteren Herren mit dem Transparent “Frieden, Liebe – Leben im Licht der Wahrheit” schnappte man antisemitische Verschwörungstheorien auf, in der anderen Ecke sagte eine ebenfalls zu dieser Demo gehörenden Frau: “Die dürfen das, wir leben in einer Demokratie”.

Blockade von “Fulda stellt sich quer”

Sie bezog sich auf die Störung beziehungsweise letztendlich Blockade der Demo durch Aktivisten von “Fulda stellt sich quer”. Die Protestler gegen Corona-Maßnahmen hatten mit Kreide ein großes Rechteck auf den Uniplatz gemalt – darin Kreuze, auf die sich die Demonstranten zur Kundgebung entsprechend der Abstandsregeln stellen sollten. Darunter mischten sich allerdings die Aktivisten von “Fulda stellt sich quer” und störten die Ansprachen immer wieder mit Zwischenrufen wie: “Vertrauen in die Wissenschaft, mehr Vertrauen in die Wissenschaft!” Auf den Gegenruf “Geht nach Hause” erschallte viel Applaus von Demonstranten außerhalb des Rechtecks. Zwischenzeitlich entbrannte am Rand der Demo fast ein handfester Streit, die Polizei schritt allerdings schnell dazwischen.

Letztendlich forderten die Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen mehrfach die Aktivisten in ihrem Rechteck dazu auf, sich mit ihrem vollen Namen in eine Teilnehmerliste einzutragen. Das taten sie nicht und blieben weiter stehen. “Glaubten sie wirklich, wir alle tragen ihnen unsere vollen Namen in eine Liste ein?”, so die Begründung Goerkes dazu. Letztendlich haben die Organisatoren die Demo aufgrund dieser Blockade dann aufgelöst. Insgesamt nun auch ein skurriles Stück Anti-Corona-Demo-Geschichte in Fulda, bei der niemand so ganz und gar durchblickt, wer sich hier warum und wie zusammentut.

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