Zahlen, Zweiter Weltkrieg, 75 Jahre, Tag der Befreiung, 8. Mai
Zeichnung: Karoline Weber

Heute vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa, die Wehrmacht kapitulierte bedingungslos vor den Alliierten. Der 8. Mai ging als Tag der Befreiung vom Faschismus in die Geschichte ein – auch wenn offensichtlich ist, dass die Welt bis heute nie gänzlich vom Faschismus befreit wurde. Anlässlich der Gedenkfeier gibt’s ein Livestream-Programm aus dem Kulturkeller – Näheres dazu hier.

Normalerweise erscheinen unsere zehn interessanten, skurrilen, erstaunlichen Zahlen zu einem bestimmten Thema immer im Magazin. Da wir aufgrund der Corona-Krise die nächste Produktion auf unbestimmte Zeit verschoben haben und wir am heutigen Freitag 75 Jahre Befreiung vom deutschen Nazi-Terror in Europa feiern, liest du unsere Zahlen zu diesem historischen Ereignis online:

8. Mai 1945, 23.01 Uhr: Das ist der festgelegt Zeitpunkt für die Einstellungen aller Kämpfe in Europa. Da es zu diesem Zeitpunkt in Moskau bereits nach 0 Uhr ist, wird in der Sowjetunion beziehungsweise ihren Nachfolgestaaten der 9. Mai als „Tag des Sieges“ gefeiert.


Bereits am frühen Morgen des 7. Mai erreicht New York die Nachricht der Kapitulation. Schon mittags feiern rund eine halbe Millionen Menschen den Sieg auf Manhattans Straßen. In den USA wird der Tag der japanischen Kapitulation, der 15. August 1945, zum eigentlichen Siegestag. Zuvor hatten die Amerikaner Atombomben auf Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) geworfen – zusammen starben 100.000 Menschen sofort, an den Folgeschäden bis Ende 1945 weitere 130.000. In den nächsten Jahren kommen etliche hinzu.


11. September 1944, Fulda: Bomber werfen 1018 Sprengköpfe mit einem Gesamtgewicht von 230 Tonnen aus gut 6000 Metern Höhe auf die Stadt. Unter vielen anderen sterben 23 Jungen im Domgynasium. Auch am nächsten Tag fliegen die Alliierten Bombenangriffe – insgesamt sterben an beiden Tagen in Fulda mindestens 574 Menschen.


Ein bizarres Stück Nachkriegsgeschichte: In Augsburg-Göggingen funktioniert die US-Armee ein Lager für 1500 Nazis um, darunter 600 SS-Schergen, die dort noch bis 1947 inbrünstig NS-Lieder singen und Hitler huldigen. In Augsburg kursiert damals ein Witz: “Die Insassen wurden nicht zu Arbeitslager verurteilt, sondern zu 1700 Kalorien.” Normal sind damals für Erwachsene in der amerikanischen Besatzungszone 1550 Kalorien pro Tag, tatsächlich müssen viele Bürger mit nur 1000 Kalorien auskommen. Diese Nazi-Verbrecher leben in dem Lager also besser als die übrige Bevölkerung und werden zudem 1948 freigelassen, als die Amerikaner das Lager schließen.  


Die USA heuern mindestens tausend Ex-Nationalsozialisten während des Kalten Krieges als Spione an und schützen sie so auch vor Strafverfolgung – ungeachtet ihrer Gräueltaten. Wichtiger war ihr Wissen über die Kommunisten.


„Der Schlächter von Mauthausen“, der Arzt Aribert Heim im österreichischen KZ Mauthausen, steht zeitweise auf Platz 1 der Liste der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher des Simon Wiesenthal Centers. Er ermordet auf seinem OP-Tisch von Oktober bis November 1941 mindestens 240 Menschen. „Dr. Tod“, wie er auch genannt wurde, hält zum Beispiel die Stoppuhr in der Hand, wenn er mit Benzin- oder Giftinjektionen ins Herz tötet. Im September 2012 wurde er für tot erklärt.


25 Millionen Menschen sind nach Kriegsende in den ehemals deutsch besetzten Gebieten im Osten ohne Obdach.


Elf Millionen deutsche Soldaten sind nach Kriegsende in Gefangenschaft, meist kurzfristig als sogenannte Kapitulationsgefangene. Aus sowjetischen Lagern kehren bis 1956 nur knapp zwei Drittel von 3,3 Millionen zurück. Von den etwa 5,7 Millionen Rotarmisten überleben nur 3,3 Millionen die deutsche Gefangenschaft. 


Kurz bevor die Rote Armee am 27. Januar das Konzentrationslager Auschwitz befreit, schickt die SS noch circa 58.000 von den 67.000 übrigen Gefangenen auf sogenannte Todesmärsche. Auf den etlichen Kilometern im Winter sterben von ihnen geschätzt zwischen 9000 und 15.000. Allerdings lässt sich die genaue Zahl kaum rekonstruieren.


Kriegsverbrecherprozesse: Bis 2005 leiten deutsche Staatsanwaltschaften in 36.393 Fällen Ermittlungsverfahren gegen 172.294 beschuldigte Nazis ein. Von 16.740 Angeklagten werden 6656 rechtskräftig verurteilt. Die alliierten Militärgerichte verurteilen in Deutschland dagegen bis zu 60.000 Personen, unter anderem durch die Nürnberger Prozesse. 

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