iHuman, Arte, Dokumentation, Künstliche Intelligenz
Bild: UpNorth Film

Kennst du schon ..? Jede Woche entdecken wir neue, aber auch ältere, vielleicht vergessene kulturelle Goldstücke im Netz – Alben, Bücher, Serien, Filme, Spiele, Podcasts und vieles mehr, wozu wir unseren Senf abgeben. Diese Woche: der dystopische Dokuthriller “iHuman” von der norwegischen Filmemacherin Tonje Hessen Scheis, den du in der Arte-Mediathek schauen kannst.

“Erfolgreich künstliche Intelligenz zu erschaffen, wäre das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Leider wäre es vielleicht auch das letzte.” – Stephen Hawking.

“Künstliche Intelligenz ist ganz einfach nicht biologische Intelligenz – und Intelligenz selbst ist einfach das Vermögen, Ziele zu erreichen. Ich bin überzeugt, dass KI entweder das Beste oder das Schlimmste ist, was der Menschheit passieren kann” – Max Tegmark vom Future of Life Institute

“Eine Handvoll Menschen, die in einer Handvoll Technikfirmen arbeitet, lenkt heute das Denken von Milliarden von Menschen.”

“Diese Technologie ändert die Vorstellung dessen, was es bedeutet, Mensch zu sein.”

Aus dem Dokuthriller “iHuman” von Tonje Hessen Scheis

Aussagen, die deutlich machen, mit welcher Macht und Wucht künstliche Intelligenz in unser Leben prescht – und wie sie unser Leben von Grund auf umkrempeln wird. Sie stammen aus dem politischen Dokuthriller “iHuman” der norwegischen Filmemacherin Tonje Hessen Scheis. Eine Doku mit teils verstörend-dunklen Animationen und atmosphärisch-düsteren Sounds, die wie ein Sciene-Fiction-Noirthriller anmuten – doch sie bildet die Realität ab. Eine Realität, die – je nachdem wie wir Menschen sie sprichwörtlich programmieren – Dystopie oder Utopie werden kann. Wenn dich Corona-Krise, Hungersnöte, Klimawandel oder Bürgerkriege kalt lassen – nach dieser Doku liegst du womöglich ein paar Stunden wach und grübelnd rum.

Die kunstvolle Dramaturgie des Films schmälert dessen Infogehalt keineswegs. Es geht um Intelligenz, um das Menschsein, um wirtschaftliche, staatliche und soziale Macht – kurz: um die mächtigste Technologie aller Zeiten, die in alle Lebensbereiche vordringen wird. Es ist eine leise Revolution. “iHuman” zeichnet Bilder vom militärisch-technischen Komplex, der Hand in Hand geht und zusehends wächst, von einem postprivaten Zeitalter, in dem Geheimnisse kaum noch existieren, und von einer Superintelligenz, die die letzte Erfindung der Menschheit sein könnte. Wenn Maschinen Maschinen entwickeln, wenn eine KI von einer anderen KI modifiziert wird, wenn Algorithmen zu Erfindern werden und eigene Ziele entwickeln – ja dann wird die Rechenleistung des menschlichen Gehirns gänzlich überflüssig für technologischen Fortschritt. Denn KI ist dann um ein Vielfaches schneller – und dem Tempo sind keine Grenzen gesetzt.

KI darf keine menschenrechtsfreie Zone werden

Doch wo führt das hin? Womöglich in eine endlose und perfekte Technik-Diktatur, was der Film ebenfalls zur Debatte stellt? Das entwürdigende und entmenschlichende Punktesystem in China ist ein Vorbote einer solchen Staatskontrolle über den Menschen. Die Diskriminierung und Überwachung von 13 Millionen Chinesen, die Turkvölkern wie den Uiguren angehören, deren systematische Inhaftierung in Umerziehungslager sind Staatsterror, Massen-Gehirnwäsche und Rassismus in höchster technologischer Form. Und Google macht sich mitschuldig, wenn es mit einer zensierten Suchmaschinen und anderen KI-Innovationen auf den chinesischen Markt expandiert. Das Motto und Saubermann-Image des Giganten aus dem Silicon Valley – “don’t be evil” – verflüchtigt sich zusehends.

Und wie können wir es verantworten, wenn sich intelligente Waffen irgendwann selbst ihre Ziele suchen und liquidieren? Große Fragen, die hier aufgeworfen werden – philosophische, moralische, rechtliche, wirtschaftliche, soziale, politische und natürlich technische. Es kommt darauf an, dass wir höchste Vorsicht beim Programmieren walten lassen und KIs nicht zu menschenrechtsfreien Zonen entwickeln. Vorreiter wie Bill Gates und Elon Musk begreifen künstliche Intelligenz inzwischen als größte Bedrohung der Menschheit. Doch was im Film leider etwas zu kurz kommt, sind die positiven Potenziale von KI – zum Beispiel bei der Bekämpfung des Klimawandels, von Krankheiten oder Hunger. Jedenfalls bist du nach dieser Doku überzeugt: Das Horrorszenario der Klassiker-Reihe “Terminator” könnte in Zukunft keine Science-Fiction mehr sein – doch es liegt in der Macht des Menschen, in eine andere Richtung zu programmieren.

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