Stephan und Jacqueline auf einem Aussichtspunkt auf Koh-Samui
(Foto: Jacqueline Bohrmann)

Neun Monate waren die Fuldaer Jacqueline Bohrmann und Stephan Depta in Südostasien unterwegs. Jetzt sind sie wieder zurück in der Heimat. Mit im Gepäck haben sie unzählige Geschichten, jede Menge Lebenserfahrung und Hunger auf Schwaddemagen.

Von Jacqueline Bohrmann

Todmüde nach über 20 Stunden auf Reisen, vor Kälte zitternd und mit einem großen Koffer im Schlepptau stehen wir am Berliner Hauptbahnhof und warten auf unseren Zug nach Hause. Ich habe zwei lange Hosen übereinander an, ein Shirt, einen Pulli und eine dünne Jacke und friere mir trotzdem den Arsch ab. Wer kann denn auch schon ahnen, dass es in Deutschland so bitter kalt ist und Schneeregen fällt? Nach neun Monaten Südostasien müssen wir uns anscheinend erst wieder an Deutschland und seine Temperaturen gewöhnen. Trotz des Wetters, das mittlerweile ja auch wieder schön ist, sind wir heilfroh wieder zu Hause zu sein. Gerade jetzt, wo es mit dem Coronavirus richtig losgeht.

Unser eigentlicher Rückflug wurde deswegen auch storniert, da hätten wir in Peking umsteigen müssen. Also haben wir einen neuen Flug gebucht: Drei Tage früher als geplant und 100 Euro teurer pro Person. Aber was soll’s, jetzt sind wir da. Glücklich, müde und vor allem gesund.

Nur alle paar Tage mal in den Kalender geschaut

Ich nehme das Fazit auch direkt mal vorneweg: Unsere Reise war mega! Jedem, der mit dem Gedanken spielt, eine längere Auslandsreise zu machen, kann ich nur eins raten. Mach es. Unbedingt. Natürlich kostet es ein bisschen Überwindung, Planung und auch Geld. Aber das, was du dafür bekommst, ist unbezahlbar. Bei uns zähle ich dazu das Kennenlernen von inspirierenden Menschen, Entdecken von atemberaubender Natur und das Sammeln von Erlebnisse, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde.

Wenn ich Steph frage, was ihm an unserer Zeit in Südostasien am besten gefallen hat, antwortet er: „Dass wir keine Termine hatten und nirgends hin mussten.“ Das war wirklich eine ganz neue Erfahrung. Zu Hause bin ich zur Arbeit gegangen, hatte danach Training bei der TSG Künzell oder habe mich mit Freunden verabredet. Mein Kalender war mein täglicher Begleiter, damit ich bloß keinen Termin vergesse. In Südostasien habe ich alle paar Tage mal in den Kalender geguckt und reingeschrieben, was wir so gemacht haben. Der Kalender wurde also eher zu einer Art kleinem Tagebuch.

Durch dieses Keine-Termine-Leben hatten wir totale Freiheit. Morgens beim Frühstück haben wir uns gefragt, was denn heute so ansteht und was wir machen wollen. Wir haben in den Tag hinein gelebt. Das war toll. Zwischendurch hat mich das aber auch echt genervt. Nachdem wir ein paar Monate unterwegs waren und einiges entdeckt hatten, sahen viele Tage dann doch immer wieder gleich aus. Deswegen habe ich mir einfach selbst Termine gemacht. Sowas wie Einkaufen oder Marktbesuche wurden zu meinem Tageshighlight. Man muss sich an ein Leben ohne Termine auch erst einmal gewöhnen.

Romantik, Gratispopcorn, wilde Hunde und Freddie Mercury

Jetzt aber mal zu den Dingen, die wir erlebt haben. In den ersten drei Monaten unserer Reise haben wir auf der thailändischen Insel Koh Samui gelebt. Wir hatten ein Apartment am Hang mit super Ausblick aufs Meer und auf den Hauptstrand der Insel in Chaweng. Ich habe mir das Knie beim Müll rausbringen aufgeschlagen und konnte so den typischen thailändischen Arztbesuch kennenlernen. Es ist anders als bei uns, aber gar nicht so wild. Aber zwei Wochen nicht ins Wasser zu dürfen war schon blöd bei 30 Grad.


Wir haben abends am Strand eines fünf Sterne Hotels ganz romantisch und mit Gratispopcorn den neuen Queen-Film gesehen. Zusammen mit unserem niederländischen Nachbarn waren wir bei einer tschechischen Familie zum Pizzaessen eingeladen. Die Pizza und auch Brote wurden im selbst gebauten Steinofen im Garten gebacken und auf der Insel verkauft. Das für mich schlimmste Erlebnis war die Rollerfahrt zurück von einem Aussichtspunkt. Wir mussten über Geröll und durch Schluchten den Berg runterfahren, sodass wir über eine Stunde für vier Kilometer gebraucht haben. Dann haben wir bei der Fütterung von sieben wildlebenden Hunderudeln im Dschungel geholfen. Mit dem Schiff sind wir zu den Nachbarinseln Koh Phangan und Koh Tao gefahren und haben die legendäre Full-Moon-Party mitgefeiert. Und das waren erst die ersten drei Monate.

Nudelsuppe und Curry statt Schwaddemagen

Danach mussten wir das erste Mal aus Thailand ausreisen, so sind die Visabestimmungen. Wir haben uns für Kuala Lumpur entschieden. Die malaysische Hauptstadt hat uns nicht wirklich gefallen, nur die Batu Höhlen waren beeindruckend. Danach ging es dann auf die Touristeninsel Phuket. Dort haben wir bei einem deutschen Paar für mehrere Monate Housesitting gemacht und auf fünf Hunde aufgepasst. Unsere Basis war also in Thailand, wo wir die meiste Zeit unserer Reise verbracht haben. So konnten wir in den thailändischen Alltag eintauchen und haben das Leben dort besser kennengelernt.

Zum Beispiel gibt es sogenannte Topfkneipen (den Begriff hat sich unsere Vermieterin ausgedacht), in denen das fertige Essen in Töpfen auf Kunden wartet. Dort kann man dann, auch ganz ohne Thailändisch-Kenntnisse, auf die Töpfe zeigen, deren Inhalt man essen möchte. Dazu gibt’s Reis und noch etwas Grünzeug und fertig ist das günstigste Essen, das wir gefunden haben. Auch Nudelsuppen sind typisch Thai und haben uns super gut geschmeckt. So viele Suppen, Currys und Reis wie in diesen neun Monaten haben wir in unserem ganzen bisherigen Leben wohl noch nicht gegessen. Dafür gab es natürlich kaum Brot, selten Käse und leider nie Schwaddemagen. Den haben wir schmerzlich vermisst und zurück in Fulda direkt ein ganzes Glas verputzt.

Generell hat uns das asiatische Essen aber sehr gut geschmeckt. Einfach toll, wie frisch alles gekocht wird und welche Gewürze benutzt werden. In einem Kochkurs haben wir dann auch noch einiges für zu Hause gelernt. Zum Beispiel dass eigentlich nie genug Knoblauch im Essen sein kann. Und natürlich essen die Thais super scharf. Für mich öfter mal ein richtiges Problem. Steph liebt Chili und scharfes Essen. Viele Köchinnen waren regelrecht begeistert, dass er die Thai-Schärfe verträgt und manchmal sogar noch nachgeschärft hat.

Vier Leute auf einem Roller samt Leiter – ganz normal in Thailand

Unser Verkehrsmittel Nummer Eins war der Roller. Wir hatten immer einen gemietet und da ich seit Jahren auch in Deutschland Roller fahre, war ich zum Glück schon geübt. Denn der thailändische Verkehr ist echt gewöhnungsbedürftig. Da kommt einem dann eben ein Roller mit vier Leuten auf der eigenen Spur entgegen und einer trägt noch eine Leiter unter dem Arm – ganz normal. Steph meinte nach ein paar Wochen, dass ich schon selbst wie die Thailänder fahre. Keine Ahnung, ob das ein Kompliment war oder nicht.

Besonders in der Regenzeit war das Rollerfahren natürlich etwas schwieriger. Mit Regencape bewaffnet ging es dann immer los. Trotzdem mussten wir öfter anhalten, weil ich einfach nix mehr vor lauter Regen gesehen habe. Aber auch die anderen Verkehrsmittel haben wir getestet. Wir waren mit öffentlichen Bussen (wackelig und echt alt), Sammeltaxen (damit fährt jeder, wenn er nicht gerade Roller fährt) und Tuktuks (lustig und eher was für Touristen) unterwegs. In Vietnam sind wir sogar zu dritt mit einer Fahrradrikscha gefahren. Das war für uns sehr witzig, für den Fahrer aber ganz schön anstrengend. Nach Laos sind wir mit dem Nachtzug gefahren, super komfortabel und bequem. Der Nachtbus hingegen war die reinste Qual. Die laotischen Berge und unzählige Serpentinen haben uns nicht wirklich schlafen lassen. Aber auch das war eine Erfahrung wert.

Reise durch Vietnam, Laos, Kambodscha und Singapur

Apropos Laos – neben Thailand haben wir einige andere Länder in Südostasien bereist. Über ein verlängertes Wochenende haben wir Housesitting in Singapur gemacht. In dieser teuren Stadt hat uns das einiges an Geld gespart. Dort haben wir uns mit den Südostasien-Korrespondenten des NDR getroffen. Für mich als Journalistin ein super spannendes Erlebnis. Und auch die ganze Stadt hat uns echt gut gefallen, weil alles sehr modern und sauber ist. Direkt am Wasser haben wir dann noch eine deutsche Burgerkette gefunden, die bezahlbare Preise hatte, und einen schönen Abend verbracht.

In Laos waren wir gleich zweimal. Bei einer kurzen Ausreise wegen unseres Visums haben wir uns regelrecht in Luang Prabang verliebt, sodass wir noch einmal für zwei weitere Wochen in die Stadt geflogen sind. Mit französischen Kolonialbauten, unzähligen Cafés und umringt vom Mekong strahlt das kleine Städtchen einen ganz besonderen Charme aus.

In den letzten zwei Wochen hat uns ein Freund besucht, der mit uns durch Kambodscha und Vietnam gereist ist – Nico Bensing, der ja auch als Autor für move36 bekannt ist. Mein Highlight während dieser Zeit war die Grenzüberquerung auf dem Mekong, die irgendwie total surreal war. Runter vom Boot, Pässe abstempeln für die Ausreise und 50 Meter weiter ging es dann wieder ans Ufer für den Einreisestempel nach Vietnam. Während der fünfstündigen Bootsfahrt haben wir vorne an der frischen Luft gesessen, den Kindern am Ufer gewunken und uns gesonnt. So lässt es sich echt gut reisen.

Ich weiß nicht, ob uns diese neunmonatige Reise wirklich verändert hat. Aber ich habe immer wieder gemerkt, dass wir offener geworden sind. Besonders im Hinblick auf Lebensstile. Wir haben so viele verschiedene Menschen kennengelernt, die eben nicht im Reihenhaus mit Vorgarten und Hund leben. Es gibt ganz unterschiedliche Lebensentwürfe – und die funktionieren für viele Menschen auch. Ich könnte mir zwar nicht vorstellen mein Leben so weit weg von Freunden und Familie zu verbringen oder alleine durch die Welt zu reisen, aber für andere ist genau das der Traum.

Kein größerer Krach zwischen den beiden

Spannend fand ich außerdem, dass so ganz alltägliche Dinge in Südostasien anders laufen. Zum Beispiel landet in Thailand die Stromrechnung jeden Monat im Briefkasten. Damit geht man dann zum nächsten 7-Eleven (das sind kleine Supermärkte, die es quasi an jeder Ecke gibt) und bezahlt die Rechnung vor Ort. Für Busse gibt es selten Abfahrtszeiten, man stellt sich einfach an eine Haltestelle und wartet. Und auf dem Markt liegt rohes Fleisch in der Hitze, die Verkäufer wedeln mit Plastiktüten an einem Stock und verjagen so die Fliegen. Für uns ein doch recht komischer Anblick, für Südostasien aber ganz normal.

Auch krass: Steph und ich haben in den neun Monaten die meiste Zeit in einem Ein-Zimmer-Apartment gewohnt und sind uns trotzdem kaum auf den Keks gegangen. In Südostasien haben wir natürlich die meiste Zeit draußen verbracht. Aber ich bin echt froh, dass wir keine großen Streits hatten, obwohl wir 24 Stunden aufeinanderhingen.

Zurück in Deutschland die nächste Reise schon im Kopf – aber kürzer

Jetzt sind wir also wieder zurück in Deutschland und haben uns auch langsam wieder eingelebt. Zu Hause in den neuen vier Wänden muss natürlich noch ein bisschen was gemacht werden und leider konnten wir wegen Corona noch nicht alle unsere Freunde wieder persönlich treffen. Aber das kommt schon noch. Auto anmelden, wieder die richtige Versicherung bezahlen und uns ummelden sind Dinge, die auch wegen Corona im Moment nicht so einfach sind. Auch beruflich ist es gerade etwas schwierig für uns als Selbstständige. Ein ganz neues Podcast-Projekt steht in den Startlöchern, wurde jetzt wegen der ganzen Situation aber auch erst einmal verschoben.

Auch unsere nächste Reise haben wir schon im Kopf. Die geht aber nicht so weit und lang wie diese. Zusammen mit Freunden haben wir eine Finca auf Mallorca gebucht. Hoffentlich findet dieser Urlaub dann auch statt. Ansonsten können wir uns durchaus vorstellen noch mal mehrere Wochen unterwegs zu sein. Ganz so lange wird es aber wohl nicht mehr. Dafür haben wir dann doch unsere Freunde und Familien zu sehr vermisst. Aber wer weiß, was noch auf uns wartet.


Hier haben Jacqueline und Stefan Halt gemacht:

  • Drei Monate Koh Samui inklusive Koh Phangan und Koh Tao
  • Sechs Tage Kuala Lumpur
  • Zwei Wochen Phuket
  • Vier Tage Singapur
  • Sechs Wochen Phuket
  • Vier Tage Khao Lak
  • Fünf Tage Laos
  • Ein Monat Phuket mit Roller-Ausflug nach Krabi
  • Zwei Wochen Chiang Mai
  • Drei Tage Bankok
  • Zwei Wochen Luang Prabang
  • Fünf Tage Kambodscha
  • Eine Woche Vietnam

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