(Foto: Felix Berger/Unsplash)

Schule, Ausbildung oder Studium, dann der Start ins Berufsleben. So sieht zumindest der klassische Plan aus, bevor irgendwann die Rente winkt. Die rund 50 Jahre Berufsleben dazwischen sind das, was vielen Angst macht. Was, wenn der ausgesuchte Beruf doch nicht die gewünschte Erfüllung bietet? Wenn man sich fühlt, als sei man in einem Hamsterrad gefangen? Oder was, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert? Es gibt viele Gründe, wieso man sich mitten im Berufsleben verändert. Die Folge: ein Bruch im Lebenslauf. Künftige Arbeitgeber werden sich fragen, wie es dazu kam. Aber steht man dann automatisch negativ da?

Ein kurzer Blick in meinen Lebenslauf genügt, um festzustellen: Der sieht ungewöhnlich aus. Neun Jahre im Einzelhandel, schon fest im Berufsleben, und dann plötzlich ein Redaktionsvolontariat? Ich bin ein typischer Quereinsteiger. Als ich meinem Umfeld vom Jobwechsel erzählt habe, waren viele erstaunt. „Ein Bürojob? Das ist ja was komplett anderes! Wie kam es denn dazu?“ Ja, wie kam es eigentlich dazu? In meinem alten Job hatte ich Spaß, Verantwortung und tolle Kollegen. Und doch war da immer dieser Gedanke im Hinterkopf, dass ich etwas verändern muss. Denn mein restliches Leben in der Kosmetikbranche zu verbringen, das konnte ich mir nicht vorstellen. Im Grunde bin ich da nämlich nur zufällig reingerutscht. Aber was kann ich denn außer verkaufen? Was war eigentlich ursprünglich mein Traumberuf? Mein Lebensplan? 

Ich erinnerte mich, dass ich immer gerne schreiben wollte und schon zu Schulzeiten Spaß an Journalismus hatte. Nun bin ich aber schon Ende 20 und die Schule ist schon eine Weile her – ich war mir sicher, dass meine Fähigkeiten ziemlich eingerostet sein mussten. Und überhaupt: Nach so langer Zeit den Job zu wechseln, ist riskant und die Hemmschwelle, sich überhaupt konkret zu bewerben, ist riesig. Es stellte sich aber heraus, dass die Überwindung das Schlimmste daran war, und nachdem mein Entschluss erst mal feststand, alles einfacher wurde. Es gehört einfach nur etwas Mut dazu. Und nun habe ich ihn, den Knick in meinem Lebenslauf, den radikalen Branchenwechsel. Und eigentlich bin ich ganz zufrieden damit. 

Teufelskreise und Hamsterräder: Wie findet man da raus?

Und ich bin ja gar nicht alleine mit meinem Karriereknick. Zahlreiche Menschen verfolgen nicht mehr den klassischen Weg von der Schule über Studium oder Ausbildung, um dann immer im selben Beruf zu arbeiten. Das entspricht allerdings nicht der Vorstellung vom klassischen Lebensentwurf, wenn es nach vielen Arbeitgebern geht. Einen Lebenslauf wie aus dem Bilderbuch, ohne Ecken und Kanten, mit klar erkennbarem rotem Faden, ohne fragwürdige Lücken und am besten schon viele Jahre Berufserfahrung in der passenden Branche: Das wünschen sich die meisten Personaler von ihren potenziellen neuen Mitarbeitern. Das setzt Bewerber mächtig unter Druck. Bei den wenigsten läuft immer alles rund im Berufsleben. 

Gründe kann es viele geben: Familienangelegenheiten, das falsche Studienfach, Krankheit, Drogensucht, Mobbing am Arbeitsplatz, der verkehrte Beruf oder einfach der große Wunsch nach etwas Neuem. Vielleicht hast du dir auch schon mal gewünscht, einfach auf Pause zu drücken und dem täglichen Hamsterrad zu entkommen. Damit wärst du nicht alleine: Laut einer Studie des Jobnetzwerks Xing ist eine berufliche Auszeit, ein sogenanntes Sabbatical, für mehr als 30 Prozent der Deutschen ein Thema. Im Weg steht nicht immer nur der Arbeitgeber – sondern häufig die Angst, später die Lücke im Lebenslauf erklären zu müssen. 

Aber auch ohne Sabbatjahr kommen schnell Brüche oder Wendungen im Lebenslauf zustande, und den tragen Jobsuchenden dann mit sich wie ein Handicap. Ein Teufelskreis, denn umso mehr kommt es dazu, dass Bewerber aus der Not heraus Jobs annehmen, die sie gar nicht wollen. Arbeitgeber werten das als Unentschlossenheit und fehlende Zielstrebigkeit. Schon siehst du dich im Zick-Zack von Job zu Job laufen, ohne Struktur und ohne Plan, wie deine Zukunft aussehen soll. Jetzt bloß nicht in ein schwarzes Loch fallen – es gibt Hoffnung! Auch J. K. Rowling wurde zwölfmal abgelehnt, bevor ein Verlag ihr Manuskript annahm und Harry Potter zum Welterfolg wurde. 

Positive Erfahrungen statt Erklärungsnot

Entscheidend ist, wie du dich verkaufst. Mit all deinen Ecken und Kanten, die nicht der Norm entsprechen. Helga Krausser-Raether, Karriereberaterin aus Frankfurt, erklärt in der Süddeutschen Zeitung, wie man das am besten anstellt: „Man muss die Brüche argumentieren können. Entscheidend sind der eindeutige Bezug zur ausgeschriebenen Stelle und die hohe Übereinstimmung zwischen den Qualifikationen des Bewerbers und den Anforderungen des Unternehmens.” Heißt: Versuche, Vorteile für den Arbeitgeber aus deinen vielfältigen Erfahrungen in den Vordergrund zu stellen. 

Du hast verschiedene Berufe ausgeübt? Prima, du bist flexibel. Du wurdest oft abgewiesen? Dann weißt du jetzt, wie man mit Niederlagen umgeht. Du hast dir ein berufliches Time-out genommen? Dann hast du daraus sicher viel Energie mitgenommen und kannst umso motivierter in den neuen Job starten. Bleib selbstbewusst. Sei ehrlich und versuche nicht, dich rauszureden. Geh aber auch nicht zu sehr ins Detail und mach kein Drama aus deiner Geschichte. Bereite dich gut auf Bewerbungsgespräche vor und überlege dir im Vorfeld, wie du Knicke in deiner Karriere schlüssig und überzeugend erklärst. 

Ein berufliches Durcheinander über viele Jahre ist natürlich nichts, womit man bei den meisten Personalern prahlen kann. Die eine oder andere „Jugendsünde“ lässt sich aber immer erklären und wird meist verziehen. Die besten Lebensläufe entwickeln sich ohne Lineal. Johannes Haushofer, Professor an der US-Elite-Uni Princeton, möchte anderen Mut machen und veröffentlichte 2016 seinen „Lebenslauf der Fehlschläge“. Hier zählt er alle Stellen auf, die er nie bekommen hat, alle Awards, die er nicht gewinnen konnte. Damit möchte er Menschen klarmachen, dass Erfolg kein ununterbrochener Aufstieg ist und Rückschläge dazugehören. Wichtig sei es, sich diesen Rückschlägen zu stellen und konstruktiv damit umzugehen. Die Ironie: Sein „CV of Failures“ bekam mehr Aufmerksamkeit als jede seiner wissenschaftlichen Arbeiten. Tja, erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Frühe Fehlschläge sind später manchmal Vorteile

Anders als geplant lief es auch bei move36-Redakteur Sascha. Der wusste nach dem Abi nichts mit sich anzufangen und hat erst mal Wirtschaft studiert, ohne einen Zukunftsplan vor Augen. Die fehlende Perspektive hat ihn so demotiviert, dass er nach dem Studium noch mal alles umgeworfen hat und in den Journalismus wechselte. Später stellte sich heraus, dass sein erstes Studium ihm doch noch Türen geöffnet hat, denn er bekam einen Platz als Volontär in der Wirtschaftsredaktion. Auch er ist heute zufrieden: Sein Job als Redakteur liegt ihm, macht Spaß und er muss sich nicht verbiegen. Es schadet also nicht zwangsläufig, seine Berufung im Berufsleben erst mit der Zeit zu entdecken. Mitunter bringen frühe Fehlschläge sogar noch späte Vorteile mit sich. 

Ein letzter Rat: Lass dich nicht beirren, wenn es bei anderen immer rund zu laufen scheint. „Das meiste, was ich versuche, gelingt mir nicht. Aber diese Rückschläge sind meistens unsichtbar, während meine Erfolge sichtbar sind“, schreibt Haushofer am Anfang seines Lebenslaufs. Nur weil jemand erfolgreich wirkt, heißt das nicht, dass es immer einfach war. Die meisten Karriereleitern haben hier und da eine morsche Stufe und vielleicht greifst du zwischendurch auch mal ins Leere. Dagegen hilft nur eins: Nach oben schauen und weiterklettern! Und ganz sicher stehen links und rechts noch weitere Leitern, auf die man umsteigen kann, wenn es einfach nicht mehr weitergeht. 

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