Foto: Constanze Gollbach

„Coronavirus, Coronavirus. Shit is getting real” – nicht nur Cardi B. und DJ iMarkkeyz haben es verstanden, sondern auch endlich der Großteil der Gesellschaft. Zuhause zu bleiben ist cool – oder zumindest gerade richtig. Trotzdem freue ich mich auf die Zeit, wenn ich wieder jeden Tag ins Büro gehen kann. Denn: Homeoffice nervt. 

Eigentlich macht es mir nichts aus, alleine zu wohnen. Ich genieße es, wenn ich abends meine Ruhe habe. Schließlich bin ich den ganzen Tag unter Menschen, telefoniere oder führe Interviews – soll nicht heißen, dass ich meinen Job nicht mag. Das tue ich wirklich. Aber nach einem vollen Arbeitstag gibt es nichts Besseres als noch eine Runde ins Fitnessstudio zu gehen, mich auszupowern und dann frisch geduscht auf die Couch zu fallen. Ohne dass irgendjemand was von mir verlangt.

Jetzt, fast zwei Wochen nachdem wir ins Homeoffice geschickt wurden, falle ich langsam in ein Loch. Bedeutet: Ich lasse mich gehen. Morgens stehe ich auf, putze mir höchstens die Zähne und setze mich mit meinem Kaffee vor den Laptop. Natürlich im Schlafanzug und ungeschminkt.  „Was könnten wir als nächstes posten?“, „Gibt es Themen, die ausnahmsweise nichts mit Corona zu tun haben?“ –  Content zu liefern, wenn es gefühlt nur ein Thema gibt, ist gar nicht so einfach. Wir wollen schließlich weiterhin für euch da sein und euch zwischendurch mit ein paar anderen, spannenden Storys ablenken.

Kommunikation in Zeiten von Corona

Neben meines Arbeitsalltages putze ich gefühlt zum dritten Mal in einer Woche meine Wohnung oder versuche Gründe zu finden, damit ich mit jemanden sprechen kann. Die auf unserem Portal angepriesenen Home-Workouts mache ich mehr schlecht als Recht, aber ich habe wenigstens die Möglichkeit, für 30 Minuten meinen Kopf frei zu bekommen.

Denn eine Sache, die mich neben der Isolation am meisten aufregt, ist die fehlende direkte Kommunikation untereinander. Besprechungen über Online-Portale, E-Mails oder Whatsapp finde ich persönlich anstrengend. Besonders dann, wenn ich Feierabend gemacht habe und bis abends noch Infos eintrudeln, die ich lesen muss. Könnte ja wichtig sein. Kein Wunder, dass sich meine Bildschirmzeit um 30 Prozent erhöht hat.

Meckern auf hohem Niveau

Grob gesagt: Ich bin genervt! Und irgendwie auch gestresst von mir selbst und von Menschen, die nicht mal um mich herum sind.  

Das, was ich hier mache, ist natürlich meckern auf höchstem Niveau. Leute aus der Pflege oder der Medizin, jene, die sich im Supermarkt mit den verrückten Kunden auseinandersetzen müssen, und die Leute, die sich ehrenamtlich engagieren: Sie alle wären wahrscheinlich froh, wenn sie momentan die Zeit hätten, den ganzen Tag im Pyjama herumzulungern. Oder einfach mit ihrer Familie, Katze, ihrem Hund oder was auch immer Zeit zu verbringen. Von Selbstständigen, Leuten, die eine Gastronomie oder ein Einzelhandelsunternehmen betreiben, möchte ich erst gar nicht anfangen.

#stayathome

So langsam wird mir erst richtig bewusst, wie einfach und unkompliziert mein Leben eigentlich ist. Nicht nur, weil ich ein Dach über dem Kopf habe und in manchen Monaten nicht jeden Cent dreimal umdrehen muss, sondern weil ich mich darüber aufregen kann, dass ich nicht ins Café, zu Freunden oder Klamotten einkaufen gehen kann. Dinge, die für mich selbstverständlich sind. Für andere aber purer Luxus bedeuten.

Corona und die damit verbundene Isolation stellen die ganze Gesellschaft auf eine Probe und lassen mich über Dinge nachdenken, über die ich mir nie einen Kopf machen musste. Ich hoffe auf jeden Fall, dass der Spuk bald ein Ende hat, die Welt aufatmen kann und die, die gerade das gesellschaftliche Leben am Laufen halten, eine Pause bekommen. Also: Bleibt gesund und bleibt zu Hause. 

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