(Foto: GasparUhas/Unsplash)

Serien, Filme oder Podcasts hängen dir jetzt schon zum Hals raus? Keine Sorge – das Netz ist voll von Konsum-Alternativen. Zum Beispiel Dokus: Gefährliche Reportagen, Enhüllungs-Dokus oder Kulturgeschichte – Constanze, Daniel, Karo und Luisa haben ein paar Tipps gesammelt.

Fast-Fashion oder sexueller Missbrauch – Constanze hat viele Themen auf Lager

“Eine andere Mode ist möglich”

Günstig, billig, Fast Fashion. Die Arte-Doku „Eine andere Mode ist möglich“ zeigt die Schattenseiten der Fast-Fashion-Industrie: schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen und starke Umweltverschmutzung. Die Lösung für das Problem? Der Weg zu Slow-Fashion. Und einige Marken machen den Anfang.  

“Vergewaltigt – der lange Weg zur Gerechtigkeit”

Vor einigen Wochen wurde der amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein zu 23 Jahren Haft verurteilt. Er belästigte und missbrauchte etliche Frauen sexuell. Aber nicht jeder Täter oder jede Täterin wird gefasst. Oft dauert es Jahre, bis es überhaupt zum Prozess kommt. „Vergewaltigt“ zeigt – mit Blick auf Frankreich – den langen Weg, den Opfer von sexuellem Missbrauch auf sich nehmen müssen, um Gerechtigkeit zu erfahren.

“Miss Americana”

Sie ist reich, sie ist schön und ein absoluter Weltstar. Taylor Swift lebt den “Amerikanischen Traum” – sollte man meinen. Denn es ist nicht alles Gold, was glänzt. In der Netflix-Doku „Miss Americana“ zeigt die Sängerin die Schattenseiten des Ruhms.

Daniel: Propaganda, Techno im Iran und “Der kosmische Code”

“Propagande 3.0 – Putin und der Westen”

Russische Troll-Fabriken, Wahlmanipulationen, Rechtspopulismus – Propaganda lebt mehr denn je. Von allen Seiten. Und gerade mit den Möglichkeiten des Internets. Die neue, investigative Arte-Doku “Propaganda 3.0 – Putin und der Westen” enthüllt, wie Rechtspopulisten im Westen und der Kreml versuchen, gleichzeitig im Verborgenen, aber auch öffentlich Hand in Hand zu gehen. Die Journalisten thematisieren russische Medien, die weltweit in etlichen Sprachen publizieren, und lenken den Blick auf einen “Master-Troll” – ein unsichtbarer Schatten, der wohl im Auftrag des Kremls Propaganda für rechte Parteien in Europa macht. Sie liefern Berichte und Belege zu einem neuen Kalten Krieg.

Raving Iran

“Irans Sittenpolizei verhaftet jedes Jahr Hunderte von Menschen im Kampf gegen ‘satanistische’ Partys, ‘frivole’ Kleidung und ‘obszöne’ CDs” – so lautet das erste Zitat in der Dokumentation “Raving Iran” der deutschen Filmemacherin Susanne Regina Meures über die Techno-Kultur in dem Land. Unter teilweise gefährlichen Bedingungen begleitete sie die beiden DJs Anoosh und Arash, die verzweifelt versuchen, ihre Kunst auszuleben, zu illegalen Raves in der Wüste, Musikhändlern oder Behörden, um ihr DJ-Kollektiv anzumelden. Doch elektronische Musik wird dort nicht geduldet. “Raving Iran” kommt komplett ohne Sprecher-Stimme aus. Die Gespräche, Bilder und Szenen stehen für sich. So ist eine unaufgeregte, eindrucksvolle Momentaufnahme zweier junger Künstler entstanden, die mit einer Mischung aus Angst, Trotz, aber auch Mut für ihre Subkultur kämpfen. Und sie offenbart auch, dass die meisten Menschen – wie wohl in vielen arabischen Staaten – in ihrer Denke viel moderner sind als ihre archaischen Systeme, die sie unterdrücken. (Übrigens haben wir die Doku schon mal in unserem heißen Scheiß empfohlen.)

“Terra X – Der kosmische Code”

Viele Strukturen, Formen und Muster in der Natur sind so harmonisch, regelmäßig und gleichförmig, dass man kaum glauben kann, sie seien zufällig entstanden. Hat die Natur, hat das Universum einen Sinn für Zahlen und Mathematik? Liegt dieser Wiederkehr des Gleichen ein kosmischer Code zugrunde? Der bekannte Astrophysiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch geht dieser Frage in der Terra-X-Doku “Der kosmische Code” auf den Grund. By the way: “Terra X” ist fast immer sehenswert. Doch diese Doku bleibt im Gedächtnis.

Dokus über Lösungen und Fotografie von Karo

Unsere wunderbaren Jahre

Mit neuer Währung in eine neue und bessere Zukunft starten – das möchte auch Familie Wolf aus Altena im Sauerland. Der ARD-Sechsteiler “Unsere wunderbaren Jahre” erzählt anhand einer fiktiven Familienchronik von den wechselvollen Jahren zwischen der Währungsreform 1948 und dem anschließenden Wirtschaftsaufschwung in den 50ern. Jeder erträumt sich eine neue Zukunft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Nazi-Diktatur. Die Euphorie und der neue Lebensmut führt die Personen auf verschiedene Lebenswege: nach Düsseldorf, Tübingen und Ost-Berlin. Sie feiern Erfolge, kämpfen um Anerkennung, decken familiäre Intrigen auf, scheitern mit ihren Träumen, finden oder verlieren die große Liebe. Wenn auch keine Dokumentation, ist es ein bewegendes Gesellschaftspanorama des Wirtschaftswunder-Deutschlands der 50er Jahre. Der Dreiteiler ist vielschichtig, echt und ambivalent. Der Film mit großartigen Schauspielern wie Katja Riemann und David Schütter zeigt, dass die wunderbaren Jahre des Aufschwungs hart erkämpft waren. Eine Serie, die Mut macht, ohne etwas zu beschönigen.

“Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen”

Klimaerwärmung, Ausbeutung von Ressourcen, Bevölkerungswachstum – unser Planet steht in vielerlei Hinsicht gefährlich nahe am Point of no Return. Das bewegte die Schauspielerin Mélanie Laurent und den französische Aktivisten Cyril Dion zu ihrem Film “Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen”. Für den Film reisten sie in zehn Länder, sprachen mit Experten und besuchten weltweit Projekte und Initiativen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Ist die Welt noch zu retten? Wer den Film sieht, wird hinterher glauben: Ja, ist sie – wenn wir uns dafür einsetzen und uns auf neue Ideen einlassen. 

Das Salz der Erde

Der bekannte deutsche Dokumentarfilmer Wim Wenders huldigt dem brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado in seiner Dokumentation „Das Salz der Erde“. Ein Mann mit Kamera filmt einen anderen Mann mit Kamera. Genauer: Zwei Männer mit Kamera fotografieren den ersten. Sein Porträt-Gegenüber ist der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado, der jahrzehntelang all jene Schauorte aufsuchte, an die keiner freiwillig geht: Hunger in der Sahelzone, der Völkermord in Ruanda oder die brennenden Ölquellen von Kuwait. Jahrzehnte dokumentierte Salgado internationale Konflikte, Kriege und Vertreibung und wäre seelisch an dieser Aufgabe fast zugrunde gegangen. Der Fotograf führt in der Dokumentation den Zuschauer durch sein bildhaftes Lebenswerk. “Das Salz der Erde” gewann gleich mehrere Preise auf den Filmfestspielen in Cannes und war für einen Oscar nominiert.

Luisa mit Spielzeuggeschichte und einem Typen, der durch Japan reist

Spielzeug – Das war unsere Kindheit (The Toys That Made Us)”

Barbie, Lego, Turtles: Jeder hatte Lieblingsspielzeug, das ihn geprägt hat. In der Netflix-Doku “Spielzeug – Das war unsere Kindheit” geht es in drei Staffeln um die Gefühle, die es auslöst, wenn wir den alten He-Man in der Hand halten, aber auch um Erfolge, Rückschläge und pikante Details aus der Spielzeugindustrie, die nicht immer nur süß wie Zuckerguss ist. Dasselbe Konzept erwartet dich übrigens auch bei „The Movies That Made Us“ – da geht es um deine alten Lieblingsfilme.

“James May – Our Man in Japan

Den Typen kennen wir aus dem Automagazin „Top Gear“, doch in der Doku “James May – Our Man in Japan” macht der sympathische May das Land der aufgehenden Sonne unsicher. Er reist von Nord nach Süd durch Japan, trifft Einheimische, probiert allerlei landestypische Gerichte und skurrile Gadgets und ist dabei nicht nur informativ, sondern auch verdammt witzig. Meine Lieblingsepisode: In „Hey Bim!“ lässt er sich von einem kleinen Roboter durch Kyoto führen, was bei mir für viele Lacher gesorgt hat.

“Die RETRO Reise”

Der deutsche Youtuber Sturmwaffel, den man vor allem aus Let’s Plays und amüsanten Kochvideos kennt, reist in seiner zweiteiligen Dokumentation “Die RETRO Reise” durch ganz Deutschland und beschäftigt sich mit einem Thema, das viele Sammlerherzen höherschlagen lässt: alte Videospiele. Er besucht leidenschaftliche Sammler und charmante Läden (das „Kuschelmuschel“ ist immer eine Reise wert!) – und als Zuschauer erfährst du auf charmante Art einiges über die Faszination Retrospiele.


Noch nicht genug? Dann empfehlen wir zudem die Mediatheken unseres öffentlich-rechtlichen Rundfunks von Arte, ZDF, ARD, 3Sat und phoenix. Hier findest du massig Dokus – und die sind in den meisten Fällen auch sehenswert.

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