Coronavirus, 2020, Abitur, Hessen
Plakate, die hessische Abiturienten Glück für die Prüfungen wünschen. (Foto: Arne Dedert/dpa)

Trotz der neuen Beschränkungen in Hessen laufen die Abiprüfungen ab Montag weiter. Joshua und Luna erzählen, wie sie die ganze Unruhe erleben. Zudem erklärt das Hessische Kultusministerium gegenüber move36, warum das Abi weitergeht.

Von Daniel Frevel

Das Wichtigste vorab: Trotz der neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Hessen wird das Abitur am Montag weitergehen. Dies bestätigte ein Sprecher des Kultusministeriums gegenüber unserer Redaktion. Zwar haben Bund und Länder ein Verbot von Ansammlungen von mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum beschlossen. Auf das Abi hat das aber keinen Einfluss. “Der Beschluss von Bund und Ländern hat keine Auswirkungen auf das hessische Landesabitur”, sagte der Sprecher. “Die Prüfungen können noch genau so stattfinden wie der Gang zur Arbeit, zum Arzt oder für den Einkauf.”

Wer sich aber psychisch nicht in der Lage sieht, das Abitur abzulegen, darf sich auch ohne Attest krankmelden und den Nachschreibetermin wahrnehmen.

Als Joshua Schäfer (18) am Donnerstagmorgen zu seiner Abiturprüfung im Fach Englisch kam, wurde er von Lehrern begrüßt, die teilweise Atemmasken und Handschuhe trugen. „Das hat die Aufregung nicht gerade geschmälert“, meint der Schüler aus dem Wetteraukreis am Freitag gegenüber move36.

„Das baut bei vielen einen zusätzlichen Druck auf”

Trotz der drastischen Maßnahmen, die alle Bundesländer wegen der Corona-Krise verhängt haben, findet in Hessen aktuell das Landesabitur wie geplant statt. Andere Bundesländer wie Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern haben ihr Abitur wegen der raschen Ausbreitung des Virus verschoben. Die sich täglich überschlagenden Meldungen haben auch Auswirkungen auf die Psyche vieler AbiturientInnen.

„Während des Lernens beobachten die meisten immer nebenher die Nachrichten. In unserer Stufen-Gruppe auf Whatsapp wird nach jeder News wieder spekuliert, ob deswegen nun das Abitur ausfällt oder nicht“, erzählt Joshua weiter. „Das baut bei vielen einen zusätzlichen Druck auf, mit dem einige nicht umgehen können. Das ist dann einfach nicht fair, weil die Vergleichbarkeit nicht gegeben ist.“

Kein Attest notwendig für eine Krankmeldung

In einer Videobotschaft am vergangenen Mittwoch wandte sich der hessische Kultusminister Alexander Lorz an die AbiturientInnen in Hessen und sagte: „Wenn der ein oder andere unter ihnen sich unter diesen Umständen nicht in der Lage sieht, das Abitur zu schreiben, dann wird man dafür jeder Verständnis haben. In diesem Falle (…) steht Ihnen selbstverständlich der Nachschreibetermin Ende April zur Verfügung.“

Die Attestpflicht ist damit also ausgesetzt. „Grundsätzlich haben wir verfügt, dass in der aktuellen Lage bei einer Krankmeldung auf ein ärztliches Attest verzichtet werden kann. Die Schülerin oder der Schüler hat dann Gelegenheit, die Prüfung im Nachschreibtermin nachzuholen“, so ein Sprecher des Kultusministeriums. Einen gewissen Gruppenzwang gebe es aber dennoch, findet Joshua: „Wenn die meisten zur Prüfung gehen, geht man eben auch, selbst wenn man sich psychisch nicht fit fühlt.“

Petition gegen Abiturprüfungen

Eine Petition, die bislang mehr als 7000 Unterstützer gefunden hat, forderte das Verschieben des hessischen Landesabiturs. „Unsere Gesundheit sollte wichtiger sein, als das Abitur planmäßig durchzuführen. Ich appelliere an alle Schüler des Landes Hessen, Zusammenhalt zu zeigen in dieser schwierigen Zeit. Dies ist ein Ausnahmezustand und erfordert die Verschiebung des Abiturs“, heißt es auf der Petitionsseite.

Einige der hessischen Schülerinnen und Schüler sehen dies aber ganz anders und hoffen nun darauf, dass das Abitur nicht verschoben wird. Sie wollen das angelernte Wissen nun auch unter Beweis stellen und nicht durch eine Verschiebung wieder neu lernen müssen. „Ich will das Abitur sehr gerne jetzt schreiben, einfach um es hinter mir zu haben“, erzählt uns Luna Baier (18), die ihr Abitur im Landkreis Fulda schreibt. „Ich habe die letzten Wochen eh fast nur im Haus verbracht, um zu lernen, deshalb schränken die Corona-Bestimmungen mich nicht wirklich ein.“

Schutzmaßnahmen müssen eingehalten werden

Auch die neusten Maßnahmen, die Ministerpräsident Bouffier (CDU) am Freitagnachmittag für Hessen ankündigte, werden nichts an dem geplanten Abitur ändern. So erklärte der Sprecher des Kultusministeriums weiter gegenüber move36: „Die Begrenzung von fünf Personen bei persönlichen Treffen bezieht sich auf den öffentlichen Raum und nicht auf Schulen – daher wird dies keine Auswirkung auf das Abitur haben.” Wichtig sei nur, dass die Schutzmaßnahmen beachtet würden und „dass der nötige Abstand zwischen den Schülerinnen und Schülern während der Prüfung eingehalten wird“.

Die Landesvorsitzende des Deutschen Lehrerverbands, Edith Krippner-Grimme, sieht das Durchführen des Abiturs nicht als problematisch an: „Es wurden meines Wissens nach alle Maßnahmen getroffen, um sowohl die betroffenen Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerinnen und Lehrer zu schützen“, sagt sie gegenüber move36. Sie betonte, dass es sowohl gute Gründe für eine Verschiebung als auch für eine Durchführung gebe und es wichtig gewesen sei, „dass eine Entscheidung durch den hessischen Kultusminister getroffen wurde“.

Noten-Anhebung bei massiver Verschlechterung?

Sollten der Druck und die Corona-Umstände zu erheblich schlechteren Abi-Ergebnissen als in den vergangenen Jahren führen, schließt das Kultusministerium auch Noten-Anhebungen oder abgeschwächte Erwartungshorizonte nicht explizit aus: “Solche Maßnahmen wären erst dann zu überlegen, wenn sich bei den Prüfungsleistungen insgesamt eine massive Verschlechterung gegenüber den Vorjahren abzeichnen würde”, so der Ministeriumssprecher.

Am Montag wird es also weitergehen mit dem Abitur, trotz der erschwerten aktuellen Umstände. Wir von move36 wünschen allen AbiturientInnen, gerade in diesen besonderen Tagen, ganz viel Erfolg!

Hier findest du die Prüfungsübersicht für die Haupttermine und weitere Infos.

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