Isabell ist verantwortlich für die Passformanprobe und Kontrolle der Muster auf Qualität und die  Kommunikation mit den Agenturen im In- und Ausland. (Foto: Karoline Weber)

Das Geschwisterpaar Isabell Schmitt-Aumann und Manuel Schmitt hat in Hünfeld sein eigenes Label: Mit Manisa konzentrieren sich die beiden auf moderne, feminine und sportive Jacken. Isabell ist der kreative Kopf des Labels und gelernte Schnittdirektrice. Sie erzählt uns die emotionale Geschichte des Familienunternehmens in der hart umkämpften Modebranche. move36 hat sie in ihrem Showroom besucht und hinter die Kulissen geblickt.

Die Hünfelderin Isabell Schmitt-Aumann wurde von ihrer beruflichen Laufbahn geradezu überrumpelt: Der Weg in die Modebranche begann für Isabell in Mosbach in Baden-Württemberg. Dort studierte die heute 38-Jährige nach dem Abi an einer Berufsakadamie Betriebswirtschaft auf Diplom. Danach ging es in eine Näherei: sechs Monate Praktikum. Dort nähte Isabell, was man sich nur vorstellen kann – von der Jacke bis zum Rock war alles dabei. „In dieser intensiven Zeit merkte ich schnell, dass dieses Handwerk meine absolute Leidenschaft ist“, sagt Isabell.

Die Ausbildung zur Schnittdirektrice machte die Hünfelderin schließlich in Düsseldorf – an der ältesten und größten Fachschule M. Müller & Sohn für Mode und Schnitttechnik. Doch was macht eine Schnittdirektrice eigentlich? Sie ist in der Lage, anhand von Bildern, Fotos oder eigenen Ideen Schnitte schnell und passformsicher anzufertigen. Man kann sagen: Eine Schnittdirektrice ist der kreative Kopf eines Modelabels, die Schnittstelle zwischen Design und Produktion. „In meiner Ausbildung passte ich unter anderem die Schnitte für die verschiedenen Konfektionsgrößen am Computer an“, erzählt Isabell. „Außerdem musste ich die Preise für den Stoffverbrauch berechnen und die Anproben der Prototypen organisieren, um die Passform optimal anzupassen.“ Eines ist sicher: In ihrem Job muss die Hünfelderin viel Ahnung vom Thema Stoffe haben. Und auch das kommt nicht von selbst: Das Wissen darüber eignete sie sich in einem Kurs in Warenkunde an der LDT Akademie Fashion Management im baden-württembergischen Nagold an.

Isabell und Manuel gründen 2011 ihr eigenes Label Manisa – benannt nach ihren Vornamen Manuel und Isabell. 

Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Bruder Manuel Schmitt das Modelabel Manisa Fashion. Manisa: Darin stecken die Namen der beiden Geschäftsführer – Manuel und Isabell. Das Label konzentriert sich auf Jacken, Mäntel und Blazer für Frauen. Bruder Manuel ist ebenfalls studierter BWLer. Er kümmert sich um die administrativen Aufgaben bei Manisa: also Einkauf, Produktion und Vertrieb. Doch bis zum eigenen Label war es ein steiniger und lehrreicher Weg für Isabell. Auf wen sie sich dabei immer verlassen konnte: ihren Vater Robert Schmitt. „Während meiner Aus- und Weiterbildung war mein Vater von Anfang an dabei. Er ist mein Vorbild und ein langjähriger Mentor“, sagt sie. Ihr Vater war ebenfalls vom Fach. Er war viele Jahre lang geschäftsführender Gesellschafter und Vorstandschef beim Bekleidungsunternehmen Köhler und Krenzer. Bis er plötzlich krank wurde. „Dann stieg ich stützend in das Familienunternehmen mit ein. Von diesem Moment an stimmte ich mich immer sehr eng mit meinem Vater ab, wir verbrachten noch mehr Zeit miteinander“, so Isabell weiter.

“Mit dem Vater als Mentor um die Welt”

Für die 38-Jährige war das eine ordentliche Aufgabe. „Ohne meinen Vater hätte ich das damals nur schwer bewältigen können“, betont sie. Vater Robert Schmitt kümmerte sich anfangs noch um den Stoffeinkauf, die Schnittvorlagen und die Passform. Er zeigte Isabell auch, worauf es ankommt, wenn man ein Geschäft führen will. „Ich durfte zu sämtlichen Betrieben mitfliegen: nach Vietnam, in die Türkei, nach China, Hongkong und Griechenland“, sagt sie. „Parallel dazu stellte mein Vater den Kontakt zu seinen Großkunden wie C&A und Kaufhof sowie zu den Versendern her.“ Isabell lernte in dieser Zeit, wie man netzwerkt und ein professionelles Verhandlungsgespräch mit Geschäftspartnern führt. 

Heute entwickelt die Hünfelderin für ihr Label Manisa Fashion zweimal jährlich eine neue Kollektion – das sind jeweils circa 70 neue Teile. Schließlich ändert sich die Mode permanent. Das Jahr ist immer in zwei Saisons aufgeteilt: Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter. Und was genau macht die 38-Jährige da? „Ich muss Stoffe, Farben und Formen festlegen, die ich dann den Agenturen übergebe“, sagt sie. Isabell und Bruder Manuel betreuen zehn Großkunden mit ihrem Label: „Von der Organisation über die Auslieferung bis hin zur Kontrolle liegt alles in unserer Hand.“

„Es hat mich so viel stärker gemacht“

Im Familienunternehmen Köhler und Krenzer übernahm Isabell mehr und mehr Verantwortung. Da sich kein Geschäftsführer fand, folgte Isabell schließlich auf ihren Vater. Doch die Fahrwasser waren alles andere als ruhig. Die Lage der Firma verschlechterte sich, ebenso der gesundheitliche  Zustand ihres Vaters. Irgendwann musste Isabell Insolvenz anmelden. Doch das war nicht das Ende des Unternehmens: Isabell und ihr Vater konnten einen Investor finden. Dieser gab dem Betrieb einen neuen Namen: Isabell Fashion. Auch hier war Isabell wieder die Geschäftsführerin. „Damals war ich erst 25 Jahre alt, doch dieser Schritt hat mich so viel stärker gemacht“, sagt sie. „Glücklicherweise hatte ich einen sehr guten Draht zu unserem damaligen Produzenten in Vietnam, der unmittelbar nach der Übernahme wieder loslegte und produzierte. So konnten wir nahtlos weitermachen.“ Köhler und Krenzer hieß jetzt Isabell Fashion und hatte weniger Mitarbeiter als zuvor. „Aber es ging weiter“, betont Isabell. 

Dann wurde es erst mal etwas ruhiger. Dem Vater ging es bald wieder etwas besser. Im Unternehmen hatte er zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch eine beratende Funktion inne. Und mit der Zeit löste sich auch Isabell von der Firma, die Identifikation mit Isabell Fashion schwand. „Mein Vater und ich hatten gänzlich andere Ansichten über Zukunft und Strategie der Firma.“ 2001 folgte schließlich der Bruch – die Familie stieg aus dem Unternehmen aus. Das war ein weiterer Wendepunkt in Isabells Leben und so etwas wie die Geburtsstunde von Manisa Fashion. Das Label wurde von Null hochgezogen. „Vom Stift über das Corporate Design bis hin zum EDV-System – wir haben alles neu gekauft und aufgebaut“, so Isabell. Die große Schwierigkeit: Das Label musste Kunden und Partner an sich binden. „Bei den Großkunden hat es gut funktioniert, bei den kleinen Einzelhändlern war es definitiv schwieriger“, sagt Isabell. „Nach der Insolvenz von Köhler und Krenzer und unserem Ausstieg bei Isabell Fashion mussten wir uns erst mal wieder das Vertrauen erarbeiten“, sagt sie. 

Isabell lässt ihre Kollektionen  gerne von Models aus der Region präsentieren.
(Foto: Augenklickfotografie)

Mittlerweile befindet sich Manisa Fashion im achten Jahr. Die Kunden, die Isabell und ihr Vater mit den Vorgängerunternehmen betreut hatten, konnten sie erneut für sich gewinnen. „Wir sind seit vier Jahren sehr zufrieden mit dem Geschäft“, erzählt sie weiter. „Wir produzieren für den Einzelhandel, für Kunden aus Europa, für private Labels wie QVC – ein Teleshoppingunternehmen – und für Filialisten. Zudem organisieren wir regelmäßig ein Factory-Outlet im Industriepark Hünfeld.“ Ausruhen ist für Isabell und Manuel aber nicht angesagt. Die beiden Chefs haben viel vor: Sie wollen die Produktpalette von Manisa Fashion ausweiten – aber weiterhin Mode für Frauen designen. Dafür hat sich Isabell ein achtköpfiges Team zusammengestellt. „Meine engsten Mitarbeiter sind mein Bruder, mit dem ich Strategien und Verbesserungen bespreche, und meine Designerin aus Berlin.“ Mit ihrem Vater kann sich Isabell nicht mehr absprechen: Er starb 2015. Doch von dem, was sie von ihm gelernt hat, zehrt sie noch heute. „Er ist zwar nicht mehr mein Mentor, aber immer noch mein Vorbild“, betont sie.


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