Regionalität, Rhön, Vogelsberg, Marco Boche
Am 20. März 2020 eröffnet der Regiopoint in Fulda. (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Langsam wird die Zeit knapp. Marco Boche ist trotzdem optimistisch, dass sein Regiopoint in der Löherstraße pünktlich eröffnen kann. Aktuell schwankt er zwischen Panik und Gänsehaut. Für sein Geschäft hat er große Pläne.

Es sind spannende, aufreibende Tage für Marco Boche. Am 20. März soll sein Regiopoint in der Löherstraße eröffnen. Dort wird es Produkte von Erzeugern aus der Region geben – zum Beispiel Wurst, Käse, Honig, Gemüse und Brot aus der Rhön und aus dem Vogelsberg. Bis dahin ist noch ein bisschen was zu tun. Das Ladenlokal gleicht noch einer Baustelle. Heizkörper müssen gestrichen, Birnen ausgetauscht und Löcher gebohrt werden. Das übernehmen am Freitag vergangene Woche ein Kumpel von Boche und seine Mitarbeiterinnen Uli und Luisa.

Boche selbst: Der kann nicht so viel mit anpacken, wie ihm lieb wäre. Noch immer ist sein Bein nach einer OP geschient. Wird wohl noch ein paar Wochen so bleiben. „Länger als ursprünglich erwartet“, sagt er, während er in einem Rollstuhl im Bereich des Ladens sitzt, in dem sich einmal die Eisdiele befinden wird.

Regiopoint-Idee kam Boche im Dezember

„Wenn ich mich gerade im Laden umsehe, kriege ich etwas Panik“, sagt Boche, der seit ein paar Jahren Mittelaltermärkte veranstaltet, mit einem Schmunzeln. „Gleichzeitig habe ich ein Gänsehautgefühl.“ Gänsehaut, weil es ihn beeindruckt, wie stark ihn seine „Pioniere“ unterstützt haben. „Pioniere“ nennt Boche jene Erzeuger und Dienstleister, die als erste gesagt haben: „Yo, wir sind mit an Bord.“ „Die haben Stunden und Nächte geschuftet, damit wir an den Start gehen können.“

Dass der Event-Spezialist irgendwann einmal ein Geschäft wie den Regiopoint eröffnen würde, ist ihm bis vor wenigen Monaten nicht klar gewesen. Erst im Dezember sei ihm die Idee gekommen. Damals hatte Boche das Ladenlokal in der Löherstraße, in dem sich einmal ein Schuhgeschäft befunden hat, gekauft. Anfangs wollte er es vermieten – kam dann halt doch anders.

Dass so viel Arbeit durch Umbauarbeiten auf ihn zukommen würde, hatte er jedoch nicht erwartet. „Wir dachten, wir kommen hier rein und es ist nicht viel zu tun“, sagt Boche. „Der Laden ist ja schon toll gewesen.“ Allerdings ist er, was die Elektrik angeht, nicht auf Lebensmittel und die dafür nötigen Kühltruhen ausgelegt gewesen. Neue Leitungen mussten also her. „Hätte ich im Vorfeld gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht“, sagt Boche – und ist froh, dass er es gemacht hat.

Überzeugungsarbeit auf der Wasserkuppe

Wie das Ganze funktionieren soll, hat Regiopoint-Macher Boche vergangene Woche Donnerstag auf einer Infoveranstaltung im Groenhoff-Haus auf der Wasserkuppe erzählt. Regionale Betriebe können im Regiopoint Flächen mieten, auf denen sie ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. So eine Regalfläche gibt’s aktuell ab 30 Euro im Monat. „Dort können unsere Partner ihre Aushängeschilder platzieren“, sagt Boche. Er denkt dabei an die besondere Knoblauchstracke oder den Schwartemagen einer Landwirtschaft. Neben der Miete verdient Bloche anteilig am Umsatz. 10, 15 oder 20 Prozent führen die Erzeuger und Dienstleister an ihn ab. „Damit sich der Laden trägt, muss ich monatlich knapp 12.000 Euro zusammen kriegen“, sagt Boche auf der Wasserkuppe.

Ein paar Dutzend Erzeuger aus der Rhön hören dem Eventmanager an diesem Abend zu – die meisten davon aufmerksam. Doch Boche muss auch Überzeugungsarbeit leisten. Zwar finden viele seine Idee super. Andere lassen aber auch etwas Skepsis durchscheinen. Dann geht es um das Thema Regionalität und wie sich dieser Begriff trennscharf eingrenzen lässt. Es geht um Anglizismen, die der Macher verwendet, aber nicht jedem sofort gefallen. Und einer Dame fiel auf, dass das Angebot, das es im Regiopoint geben soll, recht „beliebig“ sei.

Künftig Regiopoints in anderen Städten?

Aber genau das ist eine zentrale Idee von Boche. „Die Vielfalt wird bleiben“, sagt er auf der Infoveranstaltung. „Bei uns soll es regionale Lebensmittel, Geburtstagsgeschenke, hochwertige Uhren und Schmuck geben.“ Am Tag darauf ergänzt er: „Ich hatte Angst, dass es bei uns nur Wurst und Käse geben würde. Mittlerweile sind aber von der Imkerei bis zum Juwelier alle dabei.“

Gut 20 Partner zählt Boche zwei Wochen vor der Eröffnung – Tendenz steigend. Denn nach seinem Vortrag auf der Wasserkuppe hätten sich weitere Interessenten gemeldet, sagt er. „60 Prozent unserer Regalflächen sind bisher vermietet. Ich bin froh, dass wir noch etwas Platz für weitere besondere Produkte haben.“ Und er ist auch froh darüber, dass viele alteingesessene Erzeuger zu seinen Partnern zählen. „Das hatte ich so nicht erwartet. Ich dachte erst an Start-ups und sehr kleine Händler, die sich den mit einem eigenen Ladengeschäft einhergehenden Risiken nicht aussetzen wollen.“

Für die Zukunft kann Boche sich vorstellen, dass er Regiopoint-Lizenzen an andere Unternehmer in anderen Regionen vergibt. Die würden das Konzept dann zum Beispiel in Kassel umsetzen. Das wäre der Fall, wenn sich der Umkreis, in dem die Erzeuger, die mit Boche arbeiten, ansässig sind, weiter ausdehnt. Aktuell sind es etwa 80 Kilometer.

Vier große Events im Jahr

Der Regiopoint soll jedoch kein reiner Verkaufsladen sein. Es wird auch Veranstaltungen geben. „Das Geschäft kann innerhalb von 30 Minuten in eine Eventlocation umgebaut werden“, sagt Boche. Er denkt dabei an Kleinkunstvorführungen, Tastings, Lesungen und vieles mehr. Zudem soll es jedes Jahr vier große Events geben. Ein Frühlings- und ein Sommerfest, eine Geburtstagsfeier und etwas zu Weihnachten.

Ein Fest, das jedes Jahr vor der Tür seines neuen Geschäfts stattfindet, liegt dem Eventmanager besonders am Herzen – das Kulturfest in der Löherstraße. „Meine Frau und ich finden das Fest toll“, sagt er. „Wir möchten es gerne mit unseren Partnern unterstützen.“ Boche hat den Eindruck, dass sich die Händler der Straße auf seinen Laden freuen. Er muss sich nun aber erst einmal bei allen vorstellen.

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Über Sascha-Pascal Schimmel

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