(Bild: Akzeptanz & Vielfalt in Fulda und Region)

Wird ein schwuler Mann im regionalen Fußballverein akzeptiert? Ein lesbisches Paar auf offener Straße beleidigt? Auf welche Vorurteile stoßen Transsexuelle in Osthessen? Die Lebensumstände scheinen für queer lebende Menschen in einer ländlichen Region nicht gerade einfach. Wie erleben sie das bei uns in Fulda? Welche Möglichkeiten haben sie zum Austausch? Am vergangenen Donnerstag, den 20. Februar, startete die Hochschule mit einer Auftaktveranstaltung in der Alten Universität das Projekt „Akzeptanz und Vielfalt in Fulda und Region“. Ziel ist es, ein offenes, diskriminierungsfreies Leben für LSBT*QI Personen zu fördern. Dazu sucht die Hochschule Teilnehmer*innen für eine Studie – und auch move36 möchte sich dem Thema annehmen.

Als David Muñiz-Hernández vergangenen Juni mit dem Zug zur Pride Parade in Frankfurt unterwegs war, wurde ihm bewusst, wie viele junge Menschen sich mit der Pride Bewegung identifizieren. “Der Zug war voll mit Jugendlichen, Regenbogenflaggen und Freude”, erinnert sich der junge Mann, der zum Projektteam von “Akzeptanz & Vielfalt in Fulda und Region” gehört. Auch uns in der move36 Redaktion liegt das Thema sehr am Herzen, schon lange planen wir, uns in einer Ausgabe ausführlich damit auseinanderzusetzen.


LSBT*QI? LGBTQ+? Queer?

LSBT*QI steht für lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, intersexuell und queer.

LGBTQ+ ist die englischsprachige Variante.
Das Pluszeichen schließt weitere Formen von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ein.

Der Begriff “queer” war ursprünglich ein Schimpfwort.
Heute wird er aber als positive Sammelbezeichnung für die Lebensweise von LSBT*QI Personen genutzt.


Welche Austauschmöglichkeiten und Veranstaltungen bietet die Region?

Wie lebt die queere Szene in Fulda? Früher waren die Pride-Partys im Kulturkeller äußerst beliebt, bis sie mangels nachfolgender Veranstalter eingestampft wurden. Nun finden sie wieder statt, und zwar im Bulls&Balls in den Straußwiesen. Außerdem gibt es die Queer Lounge in der Künzeller Straße, Pride Bar-Abende im Café Chaos und auch für Jugendliche gibt es gute Nachrichten, denn ab April soll es in der L14zwo Mittwochnachmittags einen wöchentlichen LGBTQ+ Jugendtreff geben.

Auch die Hochschule plant im Rahmen ihres Projektes “Akzeptanz und Vielfalt in Fulda und Region” einige Veranstaltungen, die David Muñiz-Hernández bei der Eröffnungsveranstaltung näher erläutert. Geplant sind unter anderem eine Filmreihe, Kabarett, eine Talkshow mit einer Drag Queen und ein queerer Poetry Slam. Mit den Filmen soll das Projekt auch Menschen außerhalb der Stadt ansprechen, und so werden sie beispielsweise in Hünfeld und Hofbieber gezeigt. Die Veranstaltungen sollen nicht nur informieren, sondern ebenso die Möglichkeit bieten, sich untereinander zu vernetzen.

Diskriminierung erschwert Identitätsentwicklung

Professorin Carola Bauschke-Urban, die das Projekt an der Hochschule leitet, begrüßte die Gäste zum Informationsabend und stellte das Projektteam vor. Einige Redner erklärten den Ablauf einer von der Hochschule geplanten Studie über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Region. Dabei sollen möglichst viele Menschen befragt werden, die Ergebnisse präsentiert das Projektteam im November. Abschließend sprach Professor Stefan Timmermanns von der University of Applied Sciences Frankfurt über das Leben von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen in Hessen. Er hat 2016 im Rahmen eines Projekts junge Menschen zu ihren Erfahrungen befragt: Welche Herausforderung stellt ein Coming-out in Familie, Schule und Freundeskreis dar? Welche Unterstützung wünschen sich Jugendliche? Professor Timmermanns ließ dabei einige Zitate der Befragten mit einfließen, die deutlichen machen, dass LSBT*QI Jugendliche es bei ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identitätsentwicklung schwer haben – nicht zuletzt wegen Diskriminierung in ihrem Umfeld, zum Beispiel im Sportverein.

“In der einen Kabine ist man angezogen falsch und in der anderen ist man ausgezogen falsch. Und dann muss man sich entscheiden.”

– Auszug aus des Ergebnissen von Professor Timmermanns Befragung

„Wir wollen dazu beitragen, die Würde der Menschen zu schützen und die freie Entfaltung der Persönlichkeit der oder des Einzelnen zu fördern. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass alle Menschen in Hessen offen, diskriminierungsfrei und wertschätzend leben können“, erklärt Staatssekretär Kai Klose in seinem Vorwort zum „Hessischen Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt“. Der Aktionsplan wurde gemeinsam mit den Selbstvertretungsorganisationen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und queeren Personen erarbeitet. „Erstmals legt eine Hessische Landesregierung mit diesem Aktionsplan umfangreiche Handlungsempfehlungen vor, um ihre Lebenssituation in Hessen zu analysieren, sie zu verbessern und bestehende Diskriminierungen zu bekämpfen.“, so Klose.

Wir brauchen deine Hilfe!

Die Befragung im Rahmen der Studie ist bereits gestartet und das Projektteam der Hochschule freut sich bereits über großes Interesse und rege Teilnahme in den ersten Tagen. Dennoch werden viele weitere Personen gesucht, die von ihren Erfahrungen berichten können – natürlich unter strenger Wahrung ihrer Anonymität. Auf der Website von „Akzeptanz und Vielfalt in Fulda und Region“ kannst du dich für die Befragung anmelden.

Auch move36 möchte sich dem Thema in einer der kommenden Ausgaben ausführlich widmen. Wenn du queer in Osthessen lebst und uns mit deinen Erfahrungen, deiner Geschichte oder einfach deinen Gedanken zum Thema unterstützen willst, melde dich gerne mit einer Mail an luisa.hauser@obcc.de oder auf unseren Social-Media-Kanälen wie Facebook oder Instagram – auch bei uns wird deine Anonymität selbstverständlich gewahrt, wenn du das möchtest.

Professor Stefan Timmermanns (mitte) mit dem Projektteam der Hochschule Fulda (Nicola Diedrich, Jana-Christina Zentraf, Professorin Carola Bauschke-Urban, David Muñiz-Hernández) bei der Eröffnungsveranstaltung in der Alten Universität. (Foto: Daniel Beise)

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