Foto: Sony Pictures

Nachdem schon dutzende Kino- und Fernsehfilme auf dem Familienroman „Little Women“ von der Amerikanerin Louisa May Alcott basieren, hat sich Regisseurin Greta Gerwig wohl gedacht „Einer geht noch“, und drehte einfach mal so das beste Drama 2020. „Little Women“ ist unser heißer Scheiß.

Mitte des 19. Jahrhunderts haben Mädchen und Frauen nur zwei Möglichkeiten: heiraten oder alleine sterben. „Little Women“ erzählt die Geschichte der vier March-Schwestern, die während der Zeit des Sezessionskriegs in Neuengland erwachsen werden müssen und vor genau diesen Möglichkeiten stehen.

Meg (Emma Watson), die Älteste der Truppe, sehnt sich nach einer eigenen Familie und Wohlstand, Jo (Saoirse Ronan) versucht ihr Glück als unabhängige Autorin in New York, Beth (Eliza Scanlen) möchte einfach nur Musik machen und Nesthäkchen Amy (Florence Pugh) malt gern, sucht aber vor allem eines: eigene Vorteile.

Verschiedene Zeitebenen

Parallel zum Coming-of-age der Geschwister zeigt der Film die March-Schwestern als erwachsene Frauen sieben Jahre später. Je älter die Schwestern werden, desto deutlicher werden auch die Hindernisse, die ihnen als Frauen in den Weg gelegt werden. Gleichzeitig wird klar, wie unterschiedlich ihre Wege sich entwickelt haben. Von dem erst märchenhaften und behüteten Aufwachsen der Schwestern ist bald nichts mehr übrig: Meg ist mittlerweile verheiratet, Jo versucht weiterhin sich mit ihren Geschichten über Wasser zu halten und Amy ist mit ihrer reichen Tante (Meryl Streep) in Paris. Erst als Beth schwer krank ist, finden die Schwestern nach Jahren wieder zusammen.

Im Mittelpunkt des Films steht dabei immer die fürsorgliche, aber auch bestimmende Jo. Ihre impulsive Art wird ihr während des Films immer wieder zum Verhängnis, zeigt aber auch eine Frau, die sich aus den Strukturen der Gesellschaft befreien will, und verkörpert somit pure Emanzipation, welche im 19. Jahrhundert wohl weniger gern gesehen war.

Anpassung und Ausbruch

Regisseurin Greta Gerwig schafft den Spagat zwischen Anpassung und Ausbruch aus dem System und sorgt damit nicht nur für eine Träne beim Betrachter. Dabei werden die Themen über die gesellschaftliche Stellung der Frau und ihre Möglichkeiten in Bezug auf Ehe oder Beruf behandelt, ohne den ermahnende Zeigefinger zu erheben. Gerwig zeigt das Leben dieser Zeit so, wie es eben gewesen ist.

Die Regisseurin hat somit nach “Lady Bird” wieder einmal einen hervorragenden Film mit absoluter Starbesetzung abgeliefert und wurde zurecht sechsmal für den Oscar nominiert.

Und eins ist sicher: Nach dem Kinobesuch möchtest du deiner Schwester einfach nur sagen „Schön, dass es dich gibt.“

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.