Foto: Sascha-Pascal Schimmel

Na, wie oft hast du schon einen Apfel im Supermarkt liegen gelassen, weil er eine braune Stelle hatte? Oder den ungeöffneten Joghurt weggeworfen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum um einen Tag überschritten war? Lebensmittelverschwendung passiert nicht nur durch die großen Supermärkte, sondern vor allem im privaten Haushalt. In Fulda will das eine Initiative ändern. Sie hat schon mehr als Zwingzigtausend Kilo Lebensmittel gerettet.

Es ist eine Schande: 52 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel gehen auf unsere Kappe – die privaten Haushalte. Cool ist das nicht, vor allem wenn die meisten Produkte, die in der Tonne landen, wahrscheinlich noch genießbar sind. In der Region ist eine Initiative unterwegs, die schon 22.420 Kilo Lebensmittel vor dem Mülleimer gerettet hat: Foodsharing heißt sie – und jeder kann mitmachen.

Die Initiative entstand 2012 in Berlin und ist mittlerweile in ganz Deutschland vertreten. Ihre Mitglieder sammeln von Betrieben Lebensmittel, die diese sonst wegwerfen würden. Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche hat sich Foodsharing vergangene Woche Mittwoch in der L14zwo vorgestellt – mit anschließendem Kochen und Essen. Gekocht wurde mit – natürlich – geretteten Lebensmitteln wie Tomaten, Salat, Kartoffeln und so weiter. „Wir haben mehrere Kooperationspartner, die uns für das Foodsharing Dinge überlassen. Außerdem bekommen wir ab und an Produkte von Restaurants“, erklärt Sina Stein. Sina ist in Fulda eine Foodsaverin. Das sind jene Mitglieder von Foodsharing, die Lebensmittel von den Kooperationspartnern abholen, sie sortieren und in die sogenannten „Fairteiler“ bringen. Die sind für jeden frei zugänglich. Finden kannst du sie in der L14zwo, im Cafè Chaos, in der Jugendkulturfabrik oder im Kino35.

Die geretteten Lebensmittel kamen entweder von den Supermärkten oder aus Containern.
Foto: Constanze Gollbach

Einige der Lebensmittel für das Kochen wurden jedoch nicht ganz legal gerettet. „Ein paar der Produkte haben wir in den vergangenen Nächten containert“, so Sina. Einige Container seien frei zugänglich, andere seien abgeschlossen. Containern, also das Entwenden von Produkten aus Supermarkt-Containern, ist in Deutschland verboten und kann sogar mit Haft bestraft werden „Es sollte meiner Meinung nach auch nicht legalisiert, sondern einfach nicht so hart bestraft werden“, sagt Jan Kircher. Der Grundschullehrer aus Hünfeld ist Mitveranstalter des Abends und sagt: „Das Klauen der Produkte löst nicht das eigentliche Problem des Wegwerfens.“

Foodsaverin Sina Stein (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Jan ist seit seines Referendariates in Heilbronn bei Foodsharing aktiv. Momentan baut er Community in Hünfeld auf. An diesem Abend stellte er das Konzept Foodsharing vor. Im Fokus seines Vortrags standen dabei die Fragen: „Warum werden Lebensmittel weggeworfen?“, „Wer wirft, was weg?“ und „Was können wir dagegen tun?“.

230.000 Rinder landen in der Tonne

„Im Jahr werden 12 bis 13 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland weggeworfen. Den größten Anteil davon machen wir als Verbraucher aus“, betonte er. Diese Millionen von Tonnen bestehen zu 34 Prozent aus Obst und Gemüse, zu 16 Prozent aus bereits gekochten Speisen und und zu vier Prozent aus Fisch und Fleisch. Wer den Anteil von Fleisch einmal hochrechne, komme auf 230.000 Rinder, die für die Tonne geschlachtet werden.


Containern in Fulda (27.05.2016)


Während des Vortrags warf er immer wieder Fragen über die eigentliche Problematik in die Runde. Und die Antworten schienen für jeden klar: „Für 12 Milliarden Menschen werden Lebensmittel produziert. So viele gibt es aber nicht. Und trotzdem hungern Menschen“, erklärt Jan. Wichtig wäre es daher, die Lebensmittel besser zu verteilen und natürlich weniger zu produzieren. „Denn allein die Produktion verursachen unglaublich viel CO2“, so Jan weiter.

Foodsharing betrachtet sich als reine Umweltorganisation. Der soziale Aspekt ist ein schöner Nebeneffekt. „Es kann jeder mitmachen und was verändern. Um bei uns teilzunehmen, musst du dich nur auf foodsharing.de anmelden, alles weiter wird dir dort erklärt“, betonte Jan.

„Wichtig ist es, ein Bewusstsein zu vermitteln. Lebensmittel müssen in den meisten Fällen nicht gleich weggeschmissen werden“, so der Hünfelder. Einfrieren, weniger einkaufen und sich auf seine Sinne zu verlassen können helfen, Verschwendung zu reduzieren. Denn wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten sei, bedeute das nicht zwangsläufig, dass das Produkt schlecht ist. Häufig seien die Lebensmittel noch genießbar.

„Lebensmittel müssen nicht weggeworfen werden. Und jeder kann bei sich anfangen“, beendete Jan seinen Vortrag. Und nach den ganzen Zahlen und Fakten konnten sich die Besucher dann mit gutem Gewissen an die geretteten Lebensmittel machen und bei Suppe, Salaten und Ofengemüse zuschlagen.


Weiter Informationen über Foodsharing, Lebensmittel und unsere Ernährung der Zukunft findest du in der aktuellen Ausgabe.

Außerdem haben wir mit Tegut-Chef Thomas Gutberlet gesprochen:

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