Schulleiterin Claudia Hümmler-Hille, Harald Persch (links) und Stephan Schmitt vom Schulamt verabschieden Horst Pfau, der lange stellvertretender Schulleiter war. (Foto: Bernd Loskant)

Überschäumende Sympathiebekundungen, eine Videobotschaft des Kultusministers und liebevolle Überraschungen der Schülerband: Es war – einen anderen Schluss ließ das Programm nicht zu – kein gewöhnlicher Lehrer, der während einer sechsstündigen (!) Feier an der Richard-Müller-Schule in den Ruhestand verabschiedet wurde. Der stellvertretende Schulleiter Horst Pfau gehörte quasi „zum Inventar“, wie Schulleiterin Claudia Hümmler-Hille es ausdrückte.

Von Bernd Loskant

35 Jahre wirkte der aus Bebra stammende Pädagoge an der Schule und begleitete drei Generationen junger Menschen auf dem Weg ins Berufsleben. Als Studiendirektor trug er Verantwortung für die Fachoberschule „Wirtschaft und Verwaltung“, der laut Hümmler-Hille größten Vollzeitschulform an der Richard-Müller-Schule, sowie für die Berufsschulklassen der Speditions- und Logistikberufe. Ferner war er Leiter des Aufnahme- und Beratungszentrums und damit Wegbereiter der inzwischen hessenweit eingeführten Intensiv-Klassen für Flüchtlinge. Und er gründete die Mensa „Richatoni“ als von Schülern betriebene GmbH.

Allein die Aufzählung seiner Tätigkeiten, die über seine eigentlichen Aufgaben hinausgingen, dauerte Minuten. Er war als „Zeit- und Raummanager“ für den Stundenplan verantwortlich, gleichzeitig auch „Baubeauftragter“. „Wo ist Horst?“ sei die meistgestellte Frage im Sekretariat gewesen, sagte die Schulleiterin augenzwinkernd und wies darauf hin, dass Pfau trotz der hohen Belastung in seinen 35 Jahren an der Schule nur 18 Tage krankheitsbedingt gefehlt habe.

„Wir verabschieden heute eine Institution“

Die Redner würdigten nicht nur die fachlichen Leistungen Pfaus, sondern auch ein „zutiefst menschliches Engagement“, das er vor allem bei der Integration von Geflüchteten in der Schule an den Tag gelegt habe. Schulamtsdirektor Stephan Schmitt sagte: „Wir verabschieden heute eine Institution.“ Er wisse, dass man an vielen anderen Schulen die Richard-Müller-Schule um ihr gut funktionierendes Leitungsteam beneide.

In zwei Talkrunden auf der Bühne kamen Weggefährten des 65-Jährigen zu Wort: „Dass die Schule so aussieht wie heute, ist auch Horst Pfaus Verdienst“, sagte etwa Architekt Andreas Staubach. Und Schulsprecherin Melanie Müller erinnerte sich an den außergewöhnlichen Einsatz Pfaus auf ihre Art: „Ich hatte einmal vergessen, einen Raum für den nächsten Morgen zu buchen. Das fiel mir spätabends ein, und ich schrieb Herrn Pfau um 23 Uhr eine E-Mail. Schon nach ein paar Minuten bekam ich eine Antwort.“

„Ehrenträger des senfgelben Pullovers“

In zahlreichen Videobotschaften verabschiedeten sich Kollegen, andere Fuldaer Schulleiter und auch Kultusminister Alexander H. Lorz persönlich von dem Pädagogen, dessen Aufgaben als stellvertretender Schulleiter Studiendirektor Franko Gargano übernimmt. In Anspielung auf ein beliebtes Kleidungsstück Pfaus spielte die Schülerband für den „Ehrenträger des senfgelben Pullovers“ in gelben Oberteilen auf. Hits von Max Giesinger, Udo Lindenberg & Co. hatten die Musiker auf Pfau umgedichtet.

Der Pensionär selbst verabschiedete sich mit den Worten: „35 Jahre lang ging es mir an dieser Schule wunderbar. Hier konnte ich mich einbringen und das machen, was mir Spaß machte.“

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