Fotos: Constanze Gollbach

Warum sollte ich einwilligen Unbekannten meine Organe zu spenden? An wen kann ich mich wenden, wenn ich mit dem Tod eines Angehörigen nicht klarkommen? Und machen mich die Medien wirklich süchtig? Auf diese und weitere Fragen bekamen die Schüler der Eduard-Stieler-Schule am Mittwoch, im Rahmen eines World Cafès, eine Antwort.

Tod und Trauer, Organspende und Sucht: Themen, die in unserem Umfeld mehr oder weniger präsent sind. Gemeinsam mit dem Selbsthilfe Büro Osthessen hat move36 einen Workshop-Tag und ein World Cafè mit Schülern der Eduard-Stieler-Schule veranstaltet. Dieser Tag war Teil des Selbsthilfe-Projektes „Wir müssen reden! Junge Selbsthilfe in Osthessen“ vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, der Barmer Krankenkasse und move36.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Schulleiter Jörg Demuth, move36-Volontärin Constanze Gollbach und der Leiter des Selbsthilfebüros Osthessen, Michael Möller, teilten sich die Schüler in drei Gruppen auf. Ziel war es, dass jede Gruppe jedes Thema des Tages einmal durchlaufen kann.

Tod und Trauer: Ein sensibles Thema

Experten standen an diesem Tag den Schülern Rede und Antwort, damit diese einen konkreten Einblick in die Themen bekamen. Für Tod und Trauer standen an diesem Tag Winfried Wanjek, Birgit Schultheis und Dagmar Kapfer vom Malteser Hospizdienst zur Stelle. Das Thema Organspende wurde von Matthias Baumgartl, Patienten-Begleiter von Selbsthilfe Niere Osthessen, betreut und Heike Böhning informierte die Schüler über Süchte, vor allem im Bereich Glücksspiel und Medien.

Matthias Baumgartl
Heike Böhning
Dagmar Kapfer, Winfried Wanjek und Birgit Schultheis

Schon bei der ersten Runde wurde klar: An Fragen mangelt es den Schülern nicht. Besonders das Thema Tod und Trauer schien bei einigen Schülern einen wunden Punkt getroffen zu haben. „Das Thema ist sehr sensibel und kann bei einigen Personen alte oder auch neue Wunden wieder aufreißen“, erklärt Birgit Schultheis. „Daher haben wir am Anfang auch gesagt, dass niemand gezwungen ist, wenn es schwer wird, im Raum zu bleiben.“

Woran erkennt man eine Sucht

Jede Workshop-Runde dauerte 40 Minuten – zu wenig, war das Feedback der Schüler, die interessiert den Referenden Fragen stellten. Auch Matthias Baumgartl hätte sich gerne mehr Zeit genommen. Der ehemalige Versicherungsmakler bekam vor kurzen eine neue Niere transplantiert. Davor war er jahrelang Dialysepatient – und somit „Experte in eigener Sache“ auf dem Gebiet Organspende. „Ich war sehr begeistert, dass die Schüler so interessiert waren. Einige haben sogar persönliche Fälle in der Familie und wissen jetzt, woran sie sich wenden können um Hilfe zu bekommen“, sagt Baumgartl.

Hinsichtlich des dritten Themas dieses Tages fragte Sozialpädagogin Heike Böhning von der Caritas in die Runde: „Woran erkennt man eigentlich Sucht?“ Die Antworten der Schüler: „Wenn alles andere an Bedeutung verliert“, „Wenn man nicht mehr von einem Zwang loskommt“, oder „Wenn sich der- oder diejenige sich isoliert“. Genau richtig, wie Böhning bestätigt. „Besonders für Glücksspiele, sei es an Automaten oder online, sind junge Erwachsene besonders empfänglich“, erklärt sie. Daneben bekomme die Sucht nach Social-Media laut der Sozialpädagogin zu wenig Aufmerksamkeit.

Am Ende der Veranstaltung konnten die Schüler und Experten ihr Feedback abgeben. Positiv war, dass jeder etwas für sich mit nach Hause nehmen konnte. Seien es Information oder ein erste Anstoß, Selbsthilfe in Anspruch zu nehmen.  

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