Polly Peachum (Daniela Petersen) trifft auf Polizeichef Tiger-Brown (Dietmar Brabsche) (Foto: Luisa Hauser)

Kerzenschein, klirrende Gläser und leise Gitarrenklänge – die Atmosphäre ist zunächst die eines ganz normalen, gemütlichen Wirtshauses. Doch etwas ist anders. „Na, bist du ganz alleine hier?“, werde ich von einer Dame zwinkernd begrüßt. „Keine Sorge, ich bin für dich da. Ich bin Jenny und wenn du etwas brauchst, musst du es mir nur sagen.“ Zwei weitere auffällig gekleidete Frauen kümmern sich um die Gäste, bringen Getränke und massieren hier und da ein paar Schultern. Ich suche mir einen Platz und bin gespannt, was mich erwartet. Die Gespräche werden leiser, denn weitere Menschen betreten den Raum. Das Stück beginnt.

Am Freitagabend wurde die ausverkaufte Kreuz-Kneipe zur Bühne und das Publikum Teil des Programms. Während Spelunken-Jenny und die Huren Molly und Vixen sich weiter um die Gäste bemühen, erleben wir interaktiv die Geschichte rund um die junge Polly Peachum, die ihre Eltern mit der Nachricht schockiert, sie habe geheiratet. Doch nicht irgendwen – ihr neuer Gatte ist niemand anderes als der gefürchtete Verbrecher Macheath, besser bekannt als Mackie Messer. Pollys Eltern schmieden einen Plan denn eins ist sicher: Der Gauner muss weg.

Michael Schwarz als Schurke Mackie Messer (Foto: Luisa Hauser)

Leidenschaftlich bringen die Darsteller unter der Leitung von Arnold Pfeifer die „Kneipenoper“ nicht auf die Bühne, sondern zwischen Bar und Tischen mitten in den Raum. Einige Gäste werden spontan zu Bandenmitgliedern wie Hakenfinger-Jakob oder Trauerweiden-Walter ernannt. Zwischen den Szenen stimmt ein Straßenmusiker (Heino Ackermann) immer wieder vertraue Lieder an und so singt das ganze Publikum zusammen mit ihm Klassiker wie „The House of the Rising Sun“.

Der Mensch lebt nur von Missetat allein

Eine Szene kam beim Publikum besonders gut an: die beiden Geliebten des Frauenhelds Mackie Messer zanken und gehen einander fast an die Gurgel. „Da sind die beiden Schauspielerinnen wirklich über sich hinausgewachsen“, lobt Frau Goldbach aus dem Publikum. Am Ende des von John Gays Bettleroper inspirierten Stücks bleibt natürlich eine Lehre, verpackt in einem Lied:

„Denn wovon lebt der Mensch? Indem er stündlich den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frisst. Nur dadurch lebt der Mensch, dass er so gründlich vergessen kann, dass er ein Mensch doch ist. […] Der Mensch lebt nur von Missetat allein.“

„Alles war sehr authentisch. Am besten war die tolle Atmosphäre und die Spannung, teilweise hätte man eine Stecknadel fallen hören können.“, urteilt Gerhard Wahl, dem das Stück gut gefallen hat. „Ein sehr sicheres, gefühlsbetontes Schauspiel“, betont er noch.

Die geplanten Aufführungen der „Kneipenoper“ waren schnell ausverkauft, sodass es keine Frage war, dass es Zusatztermine geben wird. „Die Termine im April sind auch schon ziemlich voll“, erklärt Michael „Shaggy“ Schwarz vom Kreuz, der als Schurke Macheath selbst unter die Darsteller gegangen ist und schnell zum Publikumsliebling wurde. Wenn alles klappt, können über das Jahr hinweg noch weitere Aufführungen stattfinden. Du findest sie dann wie immer in unserem Event-Kalender.

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