Was den Reiz am Dschungelcamp ausmacht

Foto: Marius Becker/dpa

So ein Rotz. Das zieh ich mir auf keinen Fall rein. Ihh, ist das eklig. Primitives Unterschichtenfernsehen, wie kann man sich das nur anschauen? Nach und nach kriechen die Kritiker wieder aus ihren Löchern – und das nicht nur wegen den jüngsten Bränden in Australien. Sie wollen auch den letzten davon überzeugen: Das Dschungelcamp ist Schrott! Das ist es übrigens nicht.

Von Toni Spangenberg

Deutschland ist gespalten. Was die einen mit Unterschichtenfernsehen abtun und angeekelt den Kopf schütteln, feiern die anderen. Heute startet die 14. Staffel von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Endlich! Ein Jahr mussten wir Fans warten, voller Vorfreude auf die bissig-bösen Kommentare von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Allein wegen Deutschlands wohl fiesesten Moderatorenduo lohnt sich das Einschalten. Denn die beiden bashen nicht nur ordentlich die Kandidaten. Sie präsentieren in der heute-Show-freien Zeit auch immer wieder aktuelle News mit einem Schuss Satire. Grandios!

Köstliche Ekelprüfungen

Für manche zu viel des Guten. Für Menschen mit tiefschwarzem Humor genau richtig. Wer nur Satire will, schaut Extra3. Das Dschungelcamp bietet aber so viel mehr. Nur da gibt es spannungsgeladene Ekelprüfungen. Mit Schleim vermischte Insekten, die über die Köpfe der Kandidaten geschüttet werden. Ein Dschungelmenü aus Kotzfrucht und Schafhirn. Während sich die Mitglieder der Promiresterampe durchbeißen müssen, sitzen wir mit Chips und Cola vor dem TV. Gebannt verfolgen wir das Schauspiel – fast so, wie wir einen Horrorfilm schauen. Trash vom Feinsten!

Kandidaten, die sich an die Gurgel gehen

Die größte Prüfung für die „Stars“ ist aber nicht der Dschungel. Es sind die anderen Kandidaten. Streit, Intrigen, Lästereien, Lügen, Ausgrenzung. Nach und nach kommen menschliche Abgründe ans Licht. Das hat einen Hauch von „Game of Thrones“ und ist nicht nur verdammt unterhaltsam. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist das Dschungelcamp ein spannendes Sozial-Experiment. Bildungsfernsehen? Zumindest sind die meisten Zuschauer gebildet, haben Abi oder einen Uni-Abschluss. Also nichts mit Unterschicht.

Hole RTL aus der Mottenkiste

Ab heute hat Netflix deutschlandweit 16 Folgen lang Pause. RTL wandert in der Senderliste von der 300 auf die 1. Die Regale mit Knabberzeug im Supermarkt sind leer, genauso wie die Kneipen. Die Fernsehnation Deutschland schaut kollektiv das Dschungelcamp. Daran ändern auch die Kritiker nichts, die sich das TV-Spektakel insgeheim auch reinziehen, das wohl aber nie zugeben würden.

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