Kurz nach der Auszeichnung mit dem weltweiten Zeitungspreis „Print Innovation Award“ hat das neue Konzept der Fuldaer Zeitung auch die Veranstalter des größten europäischen Zeitungswettbewerbs überzeugt: Die Fuldaer Zeitung darf sich nun ein Jahr lang „European Newspaper of the Year“ nennen.

Von Bernd Loskant

Die Konkurrenz war groß: 178 Zeitungen aus 25 Ländern bewarben sich in diesem Jahr um den renommierten Zeitungspreis „European Newspaper Award“, der in den vier Kategorien Lokalzeitung, Regionalzeitung, überregionale Zeitung und Wochenzeitung vergeben wird. Das Ergebnis: Die besten Zeitungen Europas kommen 2019/20 aus Norwegen, den Niederlanden, Portugal, Großbritannien – und aus Deutschland, genauer gesagt: aus Fulda. Die Jury entschied sich aufgrund der marginalen Unterschiede auf den vorderen Plätzen, im Bereich der Regionalzeitungen zwei Preise zu vergeben. Den Sonderpreis „Judges’ Special Recognition“ erhält die Fuldaer Zeitung für ihr Ende Mai umgesetztes neues Konzept.

Damit ist die FZ mit ihren Unterausgaben Hünfelder Zeitung, Kinzigtal Nachrichten und Schlitzer Bote der einzige Preisträger aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und steht in einer Reihe mit der britischen „Financial Times Weekend“ und der überregionalen portugiesischen Zeitung „Publico“. Die Jury des „European Newspaper Award“ fand für die Neugestaltung der FZ anerkennende Worte: „Die Fuldaer Zeitung weicht damit konsequent vom Aufbau vergleichbarer Zeitungen ab und schafft eine für Regionalzeitungen ungewöhnliche Magazin-Atmosphäre. Zweifellos ein Vorbild für Zeitungen in Europa.“

Die Jury bestand aus 17 Wissenschaftlern, Journalisten und Designern aus acht Ländern. Der Preis wird im Rahmen des European Publishing Kongresses Ende April in Schloss Schönbrunn in Wien verliehen. Den Preis sieht Parzeller-Geschäftsführer Haldun Tuncay als weitere Bestätigung für den eingeschlagenen Weg. Es sei eine besondere Auszeichnung, dass die Fuldaer Zeitung die einzige Zeitung aus Deutschland sei, die in diesem Jahr geehrt werde. Mit dem Relaunch, so der Fachbegriff für die Neugestaltung, sei es nachweislich gelungen, die Freude der Leser am Zeitunglesen zu steigern. Die FZ-Redaktion schaffe einen leichten Zugang auch zu komplexen Themen, was nicht nur die Leser, sondern auch Experten honorierten. Das neue Konzept mit dem Anspruch „Mehr Hintergrund. Mehr Meinung. Mehr Wert.“ war vor dem Start im Mai in vielen Monaten von Geschäftsführung, Redaktion und Zeitungsdesigner Hans Peter Janisch entwickelt und in zahlreichen Leserforen getestet worden. Bereits vor einigen Wochen, Anfang Oktober, blickte die Zeitungswelt nach Fulda, als neben Zeitungen aus Warschau und Jakarta mit dem Print Innovation Award des Weltzeitungsverbandes Ifra ausgezeichnet wurden.

Viele Zeitungen denken über eine Neuausrichtung in einer veränderten Medienwelt nach – die Fuldaer Zeitung ist auf diesem Weg einen Schritt weiter. Neue Themen, neue Strukturen und eine neue Ausrichtung werden auch in den internationalen Wettbewerben honoriert.

Hans Peter Janisch, Zeitungsdesigner


Großer Sprung nach vorne

Der Veranstalter des „European Newspaper Award“, Norbert Küpper, erläutert, was die Fuldaer Zeitung auszeichnet.

Was ist der Jury bei der Fuldaer Zeitung positiv aufgefallen?

Die Fuldaer Zeitung ähnelt nun eher Zeitungen aus Norwegen, Schweden, den Niederlanden und Belgien. In diesen Ländern sind bei Zeitungen Art-Direktoren beschäftigt und man hat Layout-Abteilungen. Man legt eben großen Wert darauf, die guten Inhalte auch gut zu präsentieren. Die Fuldaer Zeitung folgt nun diesem Trend. Die Jury hat es bemerkt und honoriert es durch den Sonderpreis – die Judges’ Special Recognition. Auffallend war die Titelseite und die Fortsetzung im Innern – Cover und Coverstory. Hier wurden sehr viele gute Beispiele aus Fulda eingereicht. Dass ein großer Sprung nach vorne gemacht wurde, war nicht zu übersehen.

Sie kennen die Fuldaer Zeitung schon lange. Was zeichnet die Zeitung in besonderer Weise aus?

Bei der Fuldaer Zeitung war man stets auf ein seriöses, klassisches Erscheinungsbild bedacht. Das Format war schon immer etwas kleiner als bei anderen Zeitungen und damit leserfreundlicher. Eine Innovation war auffällig, als Print und Online stärker verzahnt wurden. Damals wurde der traditionelle Fraktur-Zeitungskopf durch den heutigen Zeitungskopf ersetzt, der gut lesbar ist und doch zeitlos wirkt. Die Gestaltung sollte zum Inhalt passen – Inhalt von heute in einem Design von heute. Das ist bei der Neugestaltung sehr gut gelungen.

Hat Sie der Mut, inhaltlich und gestalterisch einen neuen Weg einzuschlagen, überrascht?

Im europäischen Raum gibt es ähnliche Beispiele, aber in Deutschland ist man mit der kompletten Neukonzeption eher vorsichtig. Es gab in den letzten Jahren ein paar Beispiele, die bei den Lesern nicht gut ankamen. Dabei ging es aber mehr um eine neue Gewichtung der Inhalte. Die Fuldaer Zeitung hat in der Tat in Deutschland einen bisher neuartigen Schritt gemacht, hin zu einem starken visuellen Journalismus und zu einer pointierteren Themensetzung, als es sonst üblich ist.

Die Jury schreibt, die Fuldaer Zeitung sei ein „Vorbild für Zeitungen in Europa“. Warum tun sich andere Zeitungen schwerer?

Innovationen gibt es bei Zeitungen sehr viele, wenn man zum Beispiel an neue redaktionelle Serien oder neue Beilagen denkt. Zeitungen haben sich in den letzten Jahrzehnten auch deutlich gestalterisch gewandelt. Die Zeitung journalistisch neu zu denken, ist aber sehr selten. Um einen starken visuellen Journalismus zu machen, braucht man entsprechende Werkzeuge, aber auch eine Art-Direktion und Gestalter, die es täglich umsetzen. Wenn man solche Neuerungen plant, wird es Gegenwind in der Redaktion geben. Man muss außerdem immer an die Leser denken und sie im Vorfeld einbinden.

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