Perspektiva_Fulda_20_Jahre_2019
Sebastian Heller von Flying Lights zeigte eine beeindruckend Lightshow. (Foto: Luisa Hauser)

Am Mittwochabend feierte das Fuldaer Unternehmernetzwerk Perspektiva auf dem Theresienhof sein 20-jähriges Bestehen. Über 150 förderbedürftige Jugendliche konnten in dieser Zeit erfolgreich an Unternehmen vermittelt werden. Gleichzeitig gewann das Netzwerk kürzlich seinen 100. Gesellschafter.

Zahlreiche Besucher trotzten dem ungemütlichen Wetter und kamen bei Livemusik und Lichtshow zusammen, um zu gratulieren. Geschäftsführer Sebastian Bönisch lud Gesellschafter und Jugendliche auf die Bühne, die von ihren Erfahrungen und Erfolgen mit Perspektiva berichteten.

Christian Siegella beispielsweise ist seit 2006 bei Bohrma und war der erste Mitarbeiter, der der Maschinenbaufirma vermittelt wurde. Diese Chance hat er genutzt und sich gut entwickelt. „Er konnte seine Fähigkeiten und Fertigkeiten unter Beweis stellen und macht heute dem einen oder anderen Facharbeiter im Schweißen etwas vor“, schmunzelt Geschäftsführerin Maria Erb.

Gute Erfahrungen hat auch Thomas Ziert gemacht. Er ist seit zwölf Jahren Straßenbauarbeiter bei Küllmer Bau. Sein Chef Veit Küllmer ist stolz. „Thomas hat sich bei uns schnell wohlgefühlt und auch die Mitarbeiter sind gut mit ihm zurechtgekommen, sodass wir schnell entschieden haben, ihn in ein festes Arbeitsverhältnis zu übernehmen.“ Schwierigkeiten gab es natürlich auch. „Gerade bei uns auf dem Bau kommt es häufig zu Diskussionen über Lohn.“ Doch es gelang Küllmer rasch, seine Mitarbeiter ebenfalls vom Perspektiva-Konzept zu überzeugen, und er betont: „Thomas ist sein Geld wert.“

Stark machen für die Zukunft

Bei Perspektiva ist nicht allein die Arbeitsvermittlung das Ziel. „Es geht um Lebensperspektiven für Jugendliche. Dazu gehören auch Wohn- und Mobilitätsfragen“, so Bönisch. Ein gutes Beispiel dafür ist Markus Zein, der beim Gewürzkontor Fehrmann nicht nur eine Arbeitsstelle bekam, sondern auch mehr Unabhängigkeit durch einen Mofa-Führerschein. Geschäftsführerin Patricia Fehrmann erzählt, wie ihr Vater Markus dazu ermutigte, sich der Prüfungssituation zu stellen. Mit Erfolg: der junge Mann fährt heute selbstständig zur Arbeit.

1999 wurde das Unternehmernetzwerk Perspektiva gegründet, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit fehlendem oder schwachem Schulabschluss im Raum Fulda eine Perspektive zu geben. So sollen sie darin gestärkt werden, sich beruflich wie privat eine Zukunft aufzubauen.

Für die Betriebe können die Jugendliche eine echte Bereicherung sein, auch wenn einige zunächst kritisch oder ängstlich sind, sich der Herausforderung zu stellen. „Mut gehört dazu“, erzählt Gründungsgesellschafter Paul Himmelmann. „Man philosophiert, wie es in 50 Jahren wird. Das ist Unsinn. Wir müssen jetzt reden und die Zeit nutzen. Jeder kann helfen – wenn er will.“ Himmelmann erhielt im Rahmen der Jubiläumsfeier einen Preis für sein langjähriges Vertrauen und Engagement.

Der passende Deckel für den Topf

„Die Erfolgsgeschichten anderer haben uns überzeugt“, erklärt Niklas Werner, der stellvertretend für die Werner-Gruppe auf die Bühne trat. Der 100. Gesellschafter schwärmt von dem Beitrag, den Perspektiva für die Gemeinschaft leistet. „Wir leben heute in einer absoluten Leistungsgesellschaft, und da kommt es schon mal vor, dass der eine oder andere hinten runterfällt.“ Das Netzwerk zeige eindrucksvoll, wie Jugendliche und Betriebe sich gegenseitig ergänzen. „Für uns ist wichtig, dass der Topf auch den passenden Deckel findet. Das gehört zum Erfolgsrezept.“ Das Unternehmen müsse zur Person passen, die Person aber auch zum Unternehmen.

„Die Identifikation der Betriebe mit unserem Netzwerk finde ich herausragend“, äußert Sebastian Börnisch sich begeistert. „Perspektiva ist nicht nur am Theresienhof, sondern in den Unternehmen. Das Unternehmernetzwerk ist letztendlich Perspektiva.“

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