Müllsammel-Aktion, Welcome In, Fridays for Future, 2019
Am Nikolaustag riefen Welcome In und Fridays for Future Fulda zu einen großen Müllsammel-Aktion auf. (Foto: Welcome In)

„Vom Nikolaus wünschen wir uns dieses Jahr einen sorgsamen, vernünftigen und nachhaltigen Umgang der Menschen mit der Natur und ihren Mitmenschen!“ Mit diesen Worten riefen Welcome In und Fridays for Future Fulda zu einer großen Müllsammel-Aktion am Nikolaustag auf. move36 hat mitgesammelt.

Am Freitagmittag fiel der Startschuss im „Wohnzimmer“ in der Robert-Kircher-Straße. Hier war der erste Treffpunkt für alle, die selbst mit anpacken wollten, herumliegenden Müll aufsammeln wollten. Jeder bekam Handschuhe und Müllsack, und schon konnte es losgehen – ab in die Fulda-Auen und Abfall einsammeln, der uns auf dem Weg begegnet.

Wie kam es eigentlich zu dieser Aktion? „Wir haben bei uns im Wohnzimmer eine junge Syrerin, die zusätzlich immer wieder zu Fridays for Future geht. Sie hat sich bei uns gemeldet und vorgeschlagen, mal etwas gemeinsam zu machen”, erzählt Jochen Kohlert, Projektkoordinator beim „Welcome In Wohnzimmer“, und fährt fort: „Unsere erste Idee war, Bäume zu pflanzen. Wir haben aber relativ schnell gemerkt, dass das eher schwierig umsetzbar ist. Wenn man so einen Baum pflanzt, muss man sich auch viele Jahre darum kümmern, und wir mussten uns die Frage stellen: Können wir das überhaupt zuverlässig leisten? Dann haben wir beschlossen, wir fangen erst mal mit etwas Leichterem an: Lasst uns einfach mal Müll sammeln!“

Diese einfache Idee fand schnell Zuspruch, nachdem eine Facebook-Veranstaltung erstellt wurde, meldeten sich immer mehr interessierte Gruppen. Erst war es der KÖK (Förderverein für Kultur, Ökologie und Kommunikation), dann kam der Weltladen dazu und schließlich der angrenzende Unverpacktladen. “Am Dienstag hatten wir noch mal ein Planungstreffen, da kamen plötzlich die „Omas for Future“ zu uns, sowie Greenpeace und die Umweltbeauftragte des Bistums. Damit hatten wir gar nicht gerechnet und das Ganze war plötzlich größer als erwartet”, freute sich Jochen.

Müll sammeln schön und gut, aber das macht man ja nicht jeden Tag. Was bringt also solch eine Aktion für die Zukunft? „Unser Ziel ist erst mal, überhaupt was zu machen“, so Jochen weiter. „Nicht nur zu reden, sondern konkret etwas anzupacken, denn jeder sollte bei sich selbst anfangen. Warum also nicht mit so einer einfachen Aktion?” Es sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber ein Zeichen, um Bewusstsein zu schaffen.

Möglichst viele Ecken säubern

Der Treffpunkt beim „Wohnzimmer“ war nicht der einzige. Über den ganzen Mittag verteilt trafen sich die Engagierten auch an der Hochschulbibliothek, am Dom, am Luckenberg und an der Gellingshalle, um gemeinsam möglichst viele Ecken Fuldas von Müll zu befreien.

Suchen muss man sowieso nicht sehr lange: Müll findet sich überall. Dosen, Flaschen, Plastikverpackungen, aber auch kuriosere Dinge wie zum Beispiel Schuhe, ein Grill und sogar einen Feuerlöscher haben wir gefunden. „Von dem ganzen Pfand können wir erstmal Kaffee trinken gehen“, ruft jemand.

Tatkräftig dabei ist auch Pia. Sie ist 26 und studiert an der Hochschule Fulda Sozialwissenschaft. Die heutige Aktion ist nicht ihre erste. „Ich gehe seit drei Jahren regelmäßig ins Wohnzimmer wegen der Vorträge und interkulturellen Abende und bin dadurch auf die Aktion aufmerksam geworden – aber ich mache das auch privat”, erzählt sie. Zum Beispiel beim „Beach Clean Up“ – eine Aktion, bei der man sich an dem Strand, wo man gerade ist, fünf Minuten Zeit nimmt, um etwas Müll einzusammeln.

Sie freute sich, dass am Freitag viele Leute mithalfen. „Diese Aktion finde ich sehr schön, da das „Wohnzimmer“ eine hohe Reichweite hat und viele Leute in und um Fulda an einem Tag zusammenbringt.” Pia hofft, dass viele sie beim Sammeln gesehen haben und beim nächsten Mal vielleicht mehr mitmachen.

Viele leben nach dem Motto: nach mir die Sintflut

Wie dreckig ist Fulda überhaupt? Der 29-jährige Simon zieht einen Vergleich. „In Spanien und Frankreich habe ich gesehen, dass die ganzen Straßenränder extrem vermüllt sind. Dagegen ist es hier noch relativ sauber – aber zu viel Müll gibt es überall auf der Welt.“

Nicht jeder der Teilnehmer nimmt die Fridays-for-Future-Bewegung zum Anlass, sich zu engagieren. Mark ist 51 und bei der Reservistenkameradschaft, die zweimal im Jahr Müll sammelt. „Ich mache das schon seit Jahren, auch zusammen mit meinen Kindern. Ich brauche dafür keine Greta als Vorbild, ich mache das von mir aus – normalerweise sollte das jeder tun. Aber viele leben nach dem Motto nach mir die Sintflut“, kritisiert er.

Die Fridays-for-Future-Bewegung findet nicht immer nur Unterstützer. Oft hören die Demonstranten die Kritik, sie würden doch sicher selbst viel Müll hinterlassen. Nur ein Vorurteil, oder ist da was dran? „Ich gehe relativ regelmäßig zu den Demos. Im Gegensatz zu anderen Demonstrationen, auf denen ich war, sind die sehr sauber“, erzählt Leon. Der 23-jährige ist Vorstandsmitglied bei Welcome In. Klar gebe es auf der Welt Leute, die sagen, sie setzen sich für Umweltschutz ein und dann werfen sie ihren Starbucks-Becher in die Ecke – aber das Klischee könne er überhaupt nicht bestätigen. Wenn eine Person bei der Demo wirklich Müll hinterlasse, dann werde sie von anderen Teilnehmern darauf aufmerksam gemacht. “Bei uns in Fulda achte eigentlich jeder darauf.”

120 Demonstranten, davon 80 Müllsammler

Mit den vollgepackten Müllsäcken gingen die Sammler am Freitagnachmittag zum Bahnhofsplatz, wo sich die verschiedenen Gruppen zu einer gemeinsamen Demo trafen. Insgesamt waren laut Jochen etwa 120 Demonstranten vor Ort, darunter circa 80 Müllsammler.

Bestimmt war das nicht die letzte Aktion gegen Umweltverschmutzung. Die Teilnehmer waren zuversichtlich, dass in Zukunft noch mehr getan wird. Vielleicht bekommen ja einige Fuldaer etwas von dieser Tatkraft mit und finden sogar Motivation, beim nächsten Mal auch anzupacken. „Man muss bei sich selber anfangen. Wenn man immer nur auf die anderen zeigt, wird sich nichts verändern“, betont Jochen.

Du willst beim nächsten Mal auch mit anpacken? Weiteres zur Aktion und Informationen zu künftigen Terminen findest du auf der Facebook-Seite von Welcome In oder bei Fridays for Future Fulda.

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