Moderne Revolution und heißer Scheiß: „Wir sind die Welle“ ist eine Kritik an uns selbst

Foto: Netflix

Mit „Wir sind die Welle“ zeigt Netflix nun schon die vierte deutsche Serie auf der Plattform. Angelehnt an den 2008 erschienen Film „Die Welle“ gründen fünf Abiturienten eine Bewegung, die sich gegen alles stellt, was den Schülern gegen den Strich geht: rechte Gesinnung, zaghafte Klimapolitik und Kapitalismus. Immer dazwischen der Kampf mit sich selbst.

Eines haben Lea (Luise Befort), Hagen (Daniel Friedl), Zazie (Michelle Barthel) und Rahim ( Mohamed Issa) gemeinsam: Sie leben in der von der rechten Partei dominierten, fiktiven Kleinstadt Meppersfeld. Ansonsten könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Lea ist Teil der Oberschicht, Hagen Kind eines Bio-Bauerns, Zazie klischeehafte Außenseiterin und Rahim ist der nicht akzeptierte Ausländer.

Dass triste Leben der fünf ändert sich, als Tristan (Ludwig Simon), ein Freigänger der örtlichen JVA in die Klasse kommt. Schon am ersten Tag bietet der geheimnisvolle Neue den rechtstehenden Jugendlichen der Schule Parolie. Was keiner weiß: Tristan hat noch eine Rechnung mit der Waffenfabrik Hacke und Abt offen. Er wird zum Drahtzieher einer neuen Revolution.

Nazis, Umweltverschmutzer und Waffenhersteller

Mit an Bord: Lea, Hagen, Zazie und Rahim. Gemeinsam gründen sie „Die Welle“. Ihre potenziellen Opfer sind Nazis, Umweltverschmutzer und natürlich Hacke und Abt. Mit aufsehenerregenden Aktionen kritisieren sie jene, die sowohl für gesellschaftliche als auch für ihre persönlichen Probleme verantwortlich sind. Alles vor laufender Kamera. Schnell entfachen sie damit eine „Welle“ die über ihre Kleinstadt Meppersfeld hinausgeht.

„Wir sind die Welle“ ist am Puls der Zeit. Die NfD spielt direkt an die AfD an, die Waffenfabrik Hacke und Abt steht für den deutschen Waffenhersteller Heckler und Koch und die Ausbreitung der Welle symbolisiert die mittlerweile weltweiten Klimastreiks.

Was ist richtig?

Produzent Dennis Gansel und Regisseurin Anca Miruna Lăzărescu hinterfragen dabei mit ihrer Produktion aktuelle Themen wie den Fremdenhass, Profitgier und die Klimapolitik.

Im Hintergrund stehen dabei immer Fragen wie: Was für eine Art Protest ist vertretbar?, ab wann hilft Reden nicht mehr?, oder: Wann ist es genug? Das der Grad zum Extremismus nur ein schmaler ist, wird vor allem durch Zazie deutlich. Sie wird im Laufe der Staffel zur radikalsten und gewaltbereitesten Aktivistin der fünf.

Die Wahrheit tut weh!

Wie bei den meisten Serien gehen auch hier die Meinung über die Qualität auseinander. Besonders viel Kritik ernten die Produzenten für die oberflächliche Behandlung der einzelnen Themen. Jeder der sechs Folgen der Staffel zeigt eine Aktion der Jugendlichen, die aber nicht weiter in die Tiefe geht. Sprich die persönlichen Beweggründe werden nicht immer beleuchtet. Man versteht zwar, was mit der Szene gesagt werden soll, aber intensiviert wird nicht.

Trotzdem ist „Wir sind die Welle“ eine gelungene Produktion, die nicht nur aktueller denn je, sondern auch direkter denn je ist. Genau das, was unsere Gesellschaft braucht – Klartext, auch wenn es weh tut!

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