Bahnhof- vs. Friedrichstraße: Die Unterschiede in der Fußgängerzonenfrage

Fußgängerzone in Fulda
In der Friedrichstraße in Fulda wird es weiterhin keine Fußgängerzone geben, in der Bahnhofstraße dehnt sie sich aus. (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Die Bahnhofstraße soll ordentlich aufgemotzt werden. Aktuell verwandelt sich ein weiterer Teil in eine Fußgängerzone – und das ist nicht alles. Durch die Friedrichstraße hingegen werden weiterhin Autos fahren. Zwischen den Straßen gibt es gravierende Unterschiede.

Die Friedrichstraße und die Bahnhofstraße trennen räumlich nur einige hundert Meter – was die Aufenthaltsqualität angeht jedoch Welten. Hier alte Bausubstanz, der schöne Platz Unterm Heilig Kreuz sowie Geschäfte kleiner Einzelhändler und Restaurants. Dort verhältnismäßig hohe und nüchterne Gebäude sowie Handels- und Imbissketten.

Das Ergebnis einer Befragung des Vereins „Fulda Central BID“, einem Zusammenschluss von Einzelhändlern und Vermietern, aus 2016 legt nahe: Besucher, Hauseigentümer und Geschäftsanlieger sind mit der Situation in der Bahnhofstraße nicht sonderlich zufrieden. Sie bemängeln laut dem „Handlungskonzept für den Innovationsbereich Bahnhofstraße Fulda“ die Sauberkeit in gewissen Bereichen der Straße, die Aufenthaltsqualität sowie das Angebot von Geschäften und Veranstaltungen.

Bahnhofstraße soll urbanes Aushängeschild Fuldas werden

In seinem Konzept beschreibt „Fulda Central BID“, wohin die Reise für die Bahnhofstraße gehen soll. Der Verein strebt mehrere Veränderungen an. Die Straße solle die lebendige Hauptachse und das urbane Aushängeschild Fuldas werden. Zurzeit lässt die Stadt die mittlere Bahnhofstraße in eine Fußgängerzone umbauen. Anschließend haben nur noch im oberen Bereich der Straße, dort warten Taxifahrer auf Passagiere, nicht ausschließlich Fußgänger das Sagen.

Fulda Fußgängerzone
Bald ist auch der mittlere Abschnitt der Bahnhofstraße eine Fußgängerzone. (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Eine autofreie Friedrichstraße hingegen wird es weiterhin nicht geben. Zwar steht das Thema seit Jahren immer mal wieder auf der stadtpolitischen Tagesordnung. So hatten die Grünen Ende 2017 im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr „die Planung und Realisierung der Umwandlung der Friedrichstraße in eine autofreie Zone als Verkehrsversuch anlässlich der kommenden Großveranstaltungen in Fulda“ beantragt.

Friedrichstraße sperren? „Einmütig“ abgelehnt!

Dass die Grünen damit keinen Erfolg haben würden, war im Prinzip von Anfang an klar. Bereits 2015 hatte es eine Bürgerversammlung zu diesem Thema gegeben, an der 120 Interessierte teilgenommen hatten. Wie die Stadt mitteilt, hat es damals „von Seiten der Betroffenen eine einmütige Ablehnung aller dauerhaften Schließungspläne“ gegeben. Zu den Betroffenen zählen Geschäftsinhaber, Grundstückseigentümer und Anwohner. Unter anderem hatte damals die Interessengemeinschaft Friedrichstraße Sorgen vor Umsatzeinbußen geäußert. Das seien jedoch laut Stadt nicht die einzigen Argumente gegen eine autofreie Friedrichstraße gewesen. Andere Sorgen seien eine schlechtere Erreichbarkeit von Apotheken und Arztpraxen sowie Schwierigkeiten bei der Anfahrbarkeit des Hotels Platzhirsch, der Cafés und Geschäfte gewesen.

Möglichst nah am Ziel anhalten oder parken zu können, scheint also ein großes Bedürfnis zu sein. Vor diesem Hintergrund hat move36 die Stadt gefragt, ob in Fulda mehr noch zentralerer Parkraum nötig ist oder ob die zurückzulegenden Fußstrecken von den umliegenden Parkflächen aus ins Zentrum für die meisten zumutbar seien. Die antwortete wie folgt:

Auch wenn die Auslastung der öffentlichen Parkhäuser und Parkplätze in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist, kann das Parkraumangebot in Fulda im Vergleich mit anderen Städten gleicher Größenordnung als eher großzügig bezeichnet werden. Im Kernstadtbereich und am Rande der Innenstadt stehen aktuell circa 9500 bewirtschaftete öffentliche Parkplätze für die unterschiedlichen Nutzergruppen (Besucher, Kunden, Beschäftigte usw.) zu Verfügung. Dies bedeutet zwar nicht, dass jeder Parkplatzsuchende immer direkt im Nahbereich seines Ziels einen freien Parkplatz findet. Aufgrund der insgesamt eher kompakten Innenstadt sind die Laufentfernungen von den Parkobjekten am Rande der Innenstadt (PP Ochsenwiese, PH Ochsenwiese, PH Richthalle, PH Rosengarten, PP Weimarer Straße) aus unserer Sicht für die meisten Verkehrsteilnehmer zumutbar.

Im Jahr der Bürgerversammlung, 2015 also, hatte die Stadt zudem die verkehrlichen Folgen einer Sperrung der Friedrichstraße prüfen lassen. Eines der Resultate: Nonnengasse, Mittel- und Robert-Kircher-Straße würden durch eine Sperrung über Gebühr belastet. „Eine Ausweitung der Sperrung auf diese Straßen wäre aus verkehrlichen Gründen nicht sinnvoll“, teilt die Magistratspressestelle move36 mit. „Dort ist die Fußgängerfrequenz deutlich niedriger. Somit würden die Einschränkungen hinsichtlich der Erschließung der anliegenden Wohnungen und Geschäfte in keinem Verhältnis zu dem Gewinn an Aufenthaltsqualität für die Fußgänger stehen.“

Darum ist die Sperrung der Bahnhofstraße möglich

Warum aber ist eine solche Sperrung in zwei von drei Abschnitten der Bahnhofstraße möglich? „Die teilt sich im Unterschied zur Friedrichstraße in relativ kurze Abschnitte auf“, schreibt die Stadt. „Jeder Abschnitt der Fußgängerzone ist verkehrlich gut erreichbar, und es gibt einige Parkhäuser im direkten Nahbereich der Bahnhofstraße.“ Im Gegensatz zur Friedrichstraße würden über die Bahnhofstraße zudem keine dahinterliegenden Wohn- und Geschäftsbereiche erschlossen.

Während zwischen Kurfürst und Stadtpfarrkirche also alles beim alten bleibt, soll die Bahnhofstraße an Attraktivität zulegen. Noch ist sie ein Stück von den Zielvorstellungen des Vereins „Fulda Central BID“ entfernt. Irgendwann soll sie jedoch mit einer großzügigen Angebotsauswahl, abwechslungsreichen Events und als Treffpunkt punkten. Von ihr soll dann das Bild einer begrünten und belebten Allee in den Köpfen ihrer Besucher haften bleiben.

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