Neue Kampagne: Region wirbt bundesweit um Azubis

Im Kreis Fulda wird die Lücke zwischen Ausbildungsstellen und Bewerbern immer größer. Um junge Leute außerhalb Osthessens für Betriebe im Kreis Fulda zu gewinnen, hat die Region am Donnerstagabend die gemeinsame Kampagne Azubiregion Fulda gestartet.

Von Volker Nies

Azuibi Region Fulda Kampagne

Die Zahlen, die die Arbeitsagentur vorgestern präsentiert hat, waren für die Firmen ernüchternd: In diesem Jahr gab es 2820 Lehrstellen – aber nur 1495 Bewerber. „2005 gab es im Landkreis noch zwei Bewerber pro Ausbildungsplatz. Doch danach öffnete sich die Schere auf dem osthessischen Ausbildungsmarkt zuungunsten der Firmen immer weiter“, berichtete Ulrich Nesemann, Fachdienstleiter im Kreisjobcenter Fulda. 

„Bei dieser Entwicklung mussten und müssen wir aktiv werden“, erklärte Landrat Bernd Woide (CDU). Im Jahr 2016 haben Unternehmen, Verbände und Kommunalpolitik bei der Ausbildungsmarktkonferenz deshalb vereinbart, sich gemeinsam zu bemühen, die Schere wieder zu schließen – indem Bewerber von außerhalb der Region gewonnen werden.

Die Region braucht Azubis

Das Ergebnis dieser Bemühungen ist die Kampagne Azubi-Region Fulda. „Wir wollen uns mit einem schlüssigen Konzept außerhalb der Region um Nachwuchs werben – vor allem in Regionen, in denen es mehr Bewerber als Lehrstellen gibt“, berichtet der neue Azubimanager Julian Bolz (28). Zu Bolz, gelernter Krankenpfleger und studierter Betriebswirt, knüpfen Interessenten in Zukunft die ersten Kontakte. Eine Zielregion soll der Raum Rhein/Ruhr sein. Die Analyse für weitere interessante Regionen läuft.

Getragen wird die Nachwuchsoffensive von Kreis und Stadt Fulda, Industrie- und Handelskammer, Kreishandwerkerschaft und Unternehmen. 21 Unternehmen haben schon vor dem offiziellen Start der Kampagne ihre Mitarbeit zugesagt.  „Das zeigt, wie groß die Dynamik und der Bedarf in der Region sind“, begründete Woide.

120 Buden bis 2020

Ein Trumpf bei der Ansprache junger Leute außerhalb der Region ist der Azubi-Campus pings, in dem Auszubildende nicht nur wohnen können, sondern in dem sie auch betreut werden und sie viele Dinge lernen, die nicht im Unternehmen vermittelt werden, wie pings-Geschäftsführer Steffen Kempa gestern erläuterte. Pings ist erst zum Teil in Betrieb: 120 Plätze will pings 2020 anbieten, 25 werden jetzt schon genutzt. Zu den weiteren Trümpfen gehören die Azubi-App – und viele besondere Unternehmen.

Geworben werden soll vor allem auf Youtube und Instagram – und zwar mit kurzen Filmen, in denen die Firmen sich und ihre Ausbildung präsentieren. „Dort bewegen sich die meisten jungen Leute“, erklärte Bolz. Die Region bietet Interessenten auch Schnuppertage  an – beworben als Try-Days -, bei denen junge Leute nach Osthessen eingeladen werden, dort ein oder zwei Ausbildungsunternehmen kennenlernen können und dabei im pings wohnen. Dabei werden auch die Eltern eingeladen. Unternehmen, die mitmachen wollen, zahlen einen Jahresbeitrag von 500, 3000 oder 5000 Euro – je nach gebuchtem Leistungsumfang. Die Kampagne soll zunächst drei Jahre laufen.


Der Artikel ist zuerst am 1. November in der „Fuldaer Zeitung“ erschienen, dort zu lesen außerdem ein Kommentar von Volker Nies.

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