„Ich bin immer auf der Suche“ – Anne Baun über „Natürlich koch‘ ich“ Band 2

Seit drei Jahren wird in der „Fuldaer Zeitung“ regelmäßig gekocht. Redakteurin Anne Baun (38) verrät unter dem Titel „Natürlich koch’ ich“ jeden Freitag auf der Journal-Titelseite eines ihrer Lieblingsrezepte und gibt wertvolle Ernährungstipps und viele Infos zu den Zutaten. Längst ist aus den Rezepten ein erstes Buch entstanden. Jetzt liegt Band zwei vor.

Von Anke Zimmer

Foto: Eike Zenner

Anne, das ist ja schön, dich erneut zu interviewen. Bist du schon auf kulinarische Fragen eingestellt?
Klar, doch. Außerdem habe ich gerade mal wieder Hunger. Das passt doch!

Band 2 deiner „Natürlich koch’ ich“-Reihe ist erschienen. Er ist wieder sehr gehaltvoll…
Hmm, gehaltvoll klingt ja nach voller Breitseite Kalorien (lacht).

Ich meine damit auch eher die Anzahl der vielen tollen Gerichte…
Es ist ziemlich abwechslungsreich. Vom frischen Salat über vegane Milchshakes bis zur selbstgemachten Bolognese – da ist doch echt für jeden was dabei.

Wie kam es, dass der Bundestagsabgeordnete Michael Brand dir das Vorwort geschrieben hat?
Immer, wenn wir uns bei Terminen getroffen haben, haben wir nie über Politik, sondern immer nur übers Kochen und die neuesten Rezepte geredet. Ich glaube, er hat sich ein bisschen gefreut, als ich ihn gefragt habe…

Für den Vorgänger hattest du dich von den Rezepten deiner Oma inspirieren lassen. Ist das diesmal anders?
Den Oma-Fundus habe ich gefühlsmäßig ausgereizt. Und ich glaube, die besten Rezepte von ihr habe ich in den ersten Band gepackt.

Du schreibst im Vorwort, dass du dir Anregungen bei Restaurants geholt hast.
Das stimmt. Es ist natürlich ein gewisser Anspruch da, wenn man jede Woche ein Rezept veröffentlicht. Jetzt bin ich quasi immer auf der Suche nach neuen Inspirationen. Und es passiert total häufig, dass ich Gerichte entdecke, die ich dann zuhause versuche nachzubauen beziehungsweise umzugestalten.

Gab es ein Gericht, das du auswärts gegessen hast, nachkochen wolltest, und das dich dann zur Verzweiflung getrieben hat?
Ach, bestimmt. Ich bin ja keine ausgebildete Köchin, und ich will auch ehrlich zu meinen Lesern sein. Deswegen steht da zum Beispiel auch ständig bei meinen Rezepten: Ich kann keinen Hefeteig. Es ist zum Verrücktwerden! Neulich wollte ich unbedingt eine Schwarzwälder Kirschtorte backen. Mit Biskuitteig; ein echter Albtraum. Das Ding ist in der Mitte hochgegangen wie ein Vulkan und hat flüssigen Teig ausgespuckt. Und warum? Weil ich nicht bloß den Boden der Springform, sondern auch die Ränder eingefettet habe. Das ist aber Blödsinn, bei Biskuitteig darf man die Ränder nicht fetten.  Beim Backen geht definitiv öfter was schief als beim Kochen…

Hast du dir in einem Restaurant schon mal insgeheim gedacht: Na, das kann ich aber besser?
Kommt immer drauf an, wo man hingeht, oder?!  Bei einem Fast-Food-Laden würde ich das definitiv denken, aber in einem guten Restaurant bin ich ziemlich leicht zufrieden zu stellen. Logisch gibt es aber auch da mal Momente, wo ich denke: Iiiih, das ist aber kein richtiges Huhn, sondern irgend so ein Papphähnchen mit Stickstoff. Dann gehe ich da eben nicht mehr hin.

Im Fernsehen boomen Kochshows und Koch-Wettbewerbe. Siehst du dir das manchmal an, und wenn ja, kannst du da noch was lernen?
Oh Gott, ja, ich liebe Kochshows und lerne da eigentlich immer irgendetwas Neues. Daran sieht man auch, dass es für die Zuschauer wieder interessant geworden ist, selbst zu kochen. Wo keine Nachfrage ist, gibt’s auch kein Angebot. Und natürlich fiebere ich derzeit bei „The Taste“ mit unserem Max mit. Er schlägt sich da super; ich würde vermutlich erst die Küche verwüsten und dann Frank Rosin aus dem Studio jagen.

Du hast vor Kurzem gemeinsam mit Max von Bredow die Messer gewetzt. Wann kommt der „Natürlich koch ich“-Löffel?
Da haben wir tatsächlich schon drüber gesprochen. Aber ich glaube, Max muss sich noch ein bisschen vom letzten Mal erholen (lacht).

Anne Baun: „Natürlich koch’ ich“ Band 2., 148 Seiten. 
12 Euro. Parzellers Buchverlag

Dem Prinzip des ersten Bandes, Gerichte nach der jeweiligen Saison zu empfehlen, bist du treu geblieben. Glaubst du, das Wissen darum, was wann in der Region wächst, ist verloren gegangen?
Wir haben gerade nochmal so die Kurve gekriegt, würde ich sagen. Zum Glück gibt’s Menschen wie Meike Winnemuth, die darüber schreiben, wie toll es ist, einen eigenen Garten zu haben und seine Sachen selbst zu ziehen und zu essen. Und dass sich dabei auch wirklich der Sinn ändert, was man sich so in den Mund steckt. Oder der tolle Pflanzenpapst Wolf-Dieter Storl, der sein Wissen in unzählige Bücher gepackt hat. Ich fände es auch toll, irgendwann mal Selbstversorger zu sein. 

Inzwischen hast du ja auch einen eigenen Garten. Ist da in diesem Jahr schon was für deine Rezepte gewachsen?
Leider nicht. Im Moment kämpfen wir noch damit, die Löcher in unserem Rasen zu schließen. Aber der Birnbaum vor unserem Grundstück lässt immer winzige Graubirnen in unseren Garten fallen. Das ist sehr nett von ihm.

Wenn man deine Texte liest, hat man schnell den Eindruck, dass eigentlich alles, was wir essen, auf irgendeine Weise gesund ist. Sogar die süßen Sachen…
Wenn man den Zucker weglässt, ist das auch so. Aber selbst da gibt es ja mittlerweile tolle Alternativen. Und natürlich kann es auch wahnsinnig gesund sein, Schokolade, Chips oder Eis zu essen. Dann braucht das die Seele eben mal. Wenn sie nicht jeden Abend danach jault, ist doch alles gut.

Darf ich jetzt mal ein bisschen quengeln? Es geht auch nicht um Zimt, versprochen!
Das enttäuscht mich jetzt, ich hatte eine zimtige Quengelfrage erwartet!

Ich liebe Sauerkraut, Rosenkohl, Wirsing und Grünkohl. Das ist alles sagenhaft gesund, sagenhaft lecker und muss auch nicht aus Kirgisien herangekarrt werden. Was das betrifft, fühle ich mich ein bisschen von dir missachtet…
Da muss ich doch glatt zurückquengeln! Im ersten Band gab es Kohlrouladen, Wirsinggemüse und Rotkohl! Aber tatsächlich habe ich es nicht so mit Kohlsorten. Und ich will auch nicht mit Rezepten um die Ecke kommen, hinter denen ich nicht wirklich stehe. Aber ich habe da ein schönes Rezept für einen grünen Smoothie mit Grünkohl! Vielleicht wäre das ja mal was für dich, hm?

Darüber muss ich erstmal nachdenken, dass man Eintopf auch trinken kann.
Hihi, kann man!

Kommen wir zum Schluss: Worüber wollen wir reden, wenn Band 3 erscheint?
Vermutlich darüber, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Nach dem dritten Band werde ich mit der Serie aufhören, denke ich.


Das Interview ist zuerst am Dienstag, 29. Oktober, im Journal der „Fuldaer Zeitung“ erschienen.

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