Teil 2 von Everyday for Future – Wie wir die Erde retten oder zerstören

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Verdammt, unsere Welt geht unter! Das zumindest ist genau der Eindruck, der sich uns an allen Ecken und Enden aufdrängt. Denke nur an die Klimakrise, die Massentierhaltung, die Vermüllung der Böden und Meere voller Mikroplastik. Überall schrillen die Alarmglocken. Klar ist: Ohne ein Umdenken gefährden wir – die Generationen X, Y und Z – unsere Zukunft massiv. Die gute Nachricht ist: Es gibt bereits einige Initiativen und Gesetzesvorhaben, die unsere Erde und damit auch unsere Zukunft retten wollen. Die schlechte Nachricht: Ohne jeden Einzelnen von uns, also auch ohne dich, geht es trotzdem nicht.

Von Jenna Weidemeier, Nico Bensing und Sascha-Pascal Schimmel

Umweltschützer sagen, wenn alle Menschen auf der Welt konsumieren und wirtschaften würden wie wir Deutschen, bräuchte man die Ressourcen von drei Erden. Für dieses Jahr hat die Menschheit ihr Budget an natürlichen Ressourcen rechnerisch bereits aufgebraucht. Das heißt: Wir beuten unseren Planeten ganz schön aus. Und geht es so weiter, dann werden uns die Folgen schon bald sehr hart treffen! Denn viele Rohstoffe, die wir so nutzen, landen als Schadstoffe irgendwann wieder in Atmosphäre, Gewässern und Böden.

Mit dieser Geschichte wollen wir dir zeigen, womit wir unsere Zukunft derzeit stark gefährden, wie das alles zusammenhängt und was du an jedem einzelnen Tag dagegen tun kannst. Teil 1 findest du hier: Everday for Future Teil 1.

Teil 2: Unsere Rettungsmission

Demos und die große Politik

So weit, so erschreckend. Es kommt aber noch schlimmer: Stoppen wir den Klimawandel nicht, werde die Erde bald unbewohnbar sein, sagen alle führenden und ernstzunehmenden Wissenschaftler. Eine Studie des National Centre for Climate Restoration in Australien kommt zu dem erschütternden Ergebnis, dass der „Point Of No Return“ ab Mitte des Jahrhunderts erreicht sein werde. Heißt: Ab circa 2050 gibt es keine Möglichkeit mehr, den Zusammenbruch der Welt, so wie wir sie heute kennen, noch aufzuhalten. Doch zum Glück gibt es einige Initiativen, die den Missständen den Kampf angesagt haben.

Auf dem Klimagipfel in Paris im Dezember 2015 waren sich alle Nationen einig, die Erderwärmung konstant auf unter zwei Grad zu drücken. Eine kleine Sensation. Leider halten sich nicht alle Länder an die gesteckten Vorgaben, darunter Deutsch- land. Das ist ein großes Problem. „Um die Ziele zu erreichen, müssen alle an einem Strang ziehen“, sagt Alexander Sust vom Umweltzentrum Fulda. „In einer Gesellschaft müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um nachhaltiges Handeln zu ermöglichen. Dafür müssen sich die Politik und die Wirtschaft einsetzen.“


Und was macht die deutsche Politik?

Die hat sich gerade zusammengesetzt, um die Klimaziele bis 2030 doch noch irgendwie erreichen zu können. In dem Eckpunktepapier, auf das sich die Große Koalition jetzt einigte, steht unter anderem: Treibhausgasemissionen reduzieren, Ökostrom ausbauen, Mehrweg- statt Wegwerfartikel, faire Produktion von Textilien, Ausbau von Elektromobilität. Erreicht werden sollen die Ziele durch günstigere Bahntickets, teureres Fliegen, das Verbot von Einwegplastik, den „Grünen Knopf“ für faire Kleidung und eine Bepreisung von CO2-Emissionen, die das Autofahren und Heizen teurer machen dürfte. Ob das ausreicht, bleibt abzuwarten.

Vielen geht das nicht weit genug – allen voran der „Fridays For Future“ Bewegung, die seit Monaten weltweit freitags zu Demos aufruft. Auch in Fulda folgen Schülerinnen und Schüler diesem Aufruf.

Im März 2019 haben sich rund 400 Aktivisten auf dem Universitätsplatz versammelt. Eine weitere Demonstration fand kürzlich erst statt. „Fridays For Future“ fordert mehr Klimaschutz und die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens. In Deutschland pocht die Bewegung auf den Kohleausstieg bis 2030, eine vollkommene erneuerbare Energieversorgung bis 2035 und die starke Reduzierung der Treibhausgasemissionen.


Interessante Zahlen, Daten und Fakten

Wissenschaftler gehen von einer Energiemenge von 250 Billionen Joule pro Sekunde aus, die sich durch den Treibhauseffekt zusätzlich in unserer Atmosphäre befindet. Das entspricht der Energie von etwas mehr als vier Hiroshima-Atombomben. Mit anderen Worten: Würde man jede Sekunde vier Atombomben zünden, hätte man einen vergleichbaren Erderwär- mungseffekt.

· Die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Juli 2019 war der bislang heißeste jemals in Deutschland gemessene Monat: 42,6 Grad waren es in Lingen im Emsland

· Gerodete Wälder verursachen jedes Jahr rund 15 Prozent des gesamten CO2- Ausstoßes

· So viel Essen produzieren wir weltweit für die Tonne: 75 Millionen Rinder sterben um- gerechnet jedes Jahr, welche einfach im Müll landen. 35 Prozent des Fischfangs stirbt unnötig, das entspricht drei Milliarden Lachsen pro Jahr. Fast die Hälfte des Obsts und Gemüses landet in der Tonne. In Deutschland könnten wir mehr als die Hälfte aller Essensabfälle vermeiden und damit enorm viel CO2 einsparen.

· 116 Millionen Tonnen CO2 sind bei der Stromerzeugung im ersten Halbjahr 2019 ent- standen. Das sind 15 Prozent weniger als im ersten Halb- jahr 2018, sagt der Energie- verband BDEW. Erneuerbare Energien deckten im ersten Halbjahr 2019 satte 44 Pro- zent des Stromverbrauchs. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 39 Prozent.


Klimaschutz in deiner Region

In unserer Region tut sich ebenfalls einiges: Es gibt etliche Initiativen, die dir dabei helfen wollen, deinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren.

Nachhaltigkeitswochen

An der Hochschule Fulda hat sich ein Arbeitskreis aus Studierenden gebildet, der jedes Semester die Nachhaltigkeitswochen veranstaltet. Diese finden in der Hochschule, aber auch in der Stadt statt. Auf dem Programm stehen Vorträge sowie Filmvorführungen zum Thema Nachhaltigkeit und „Do-It-Yourself-Work- shops“, bei denen jeder plastikfreie Produkte selbst herstellen kann. Cindy Arndt aus dem Orgateam erklärt die Idee der Nachhaltigkeitswochen: „Jeder Einzelne kann sich sein eigenes Handeln bewusst machen und schauen, welche Auswirkungen es auf die Umwelt und andere Lebewesen hat. Wir wollen aufzeigen, dass es nicht schwierig ist, dem Konsumwahn zu entgehen und nachhaltig zu handeln.“

Fuldaer Tage der Nachhaltigkeit

Auch bei den Fuldaer Tagen der Nachhaltigkeit, die dieses Jahr in der ersten Septemberwoche unter der Überschrift „Wasser und Gewässer“ stattfanden, geht es darum, das Bewusstsein zu schärfen. Die Veranstaltung wird vom Umweltzentrum Fulda, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und dem Nabu-Kreisverband Fulda organisiert. Es gab Filme, Podiums- diskussionen, Führungen und Ausstellungen zum Thema.

Netzwerk Bildungsregion Nachhaltigkeit Osthessen

Das Netzwerk Bildungsregion Nachhaltigkeit Osthessen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen in unserer Region so gut zu informieren, dass sie mit ihrem Handeln nachhaltig unsere Lebensgrundlagen verbessern. Das Netzwerk ist ein Projekt im Rahmen der Nachhaltigkeits- strategie Hessen und wird vom Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert.

Dazu zählt auch das Umweltzentrum in Fulda. Das Netzwerk orientiert sich
mit seinen Bildungsangeboten an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (siehe Randspalte). Veranstaltungen sind zum Beispiel der Herbstmarkt und der Kräuterstammtisch.

Bürgerinitiative „Foodsharing“

Konkret wird es mit der Bürgerinitiative „Foodsharing“, die sich aktiv gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. Initiatorin Karla Stoltzmann sagt: „Wir erhalten überproduzierte Lebensmittel von verschiedenen Betrieben aus der Region, zum Beispiel von Bäckern, Cafés und Supermärkten. Diese geben wir dann an Privatpersonen weiter. Ich zum Beispiel schenke einem Obdachlosen in Fulda regelmäßig Lebensmittel.“ Sie findet: „Damit retten wir nicht nur genießbare Lebensmittel vor der Tonne, sondern auch Wasser und Energie, die hinter allen Nahrungsmitteln stehen.“ Jeden ersten Dienstag im Monat trifft sich die „Foodsharing“-Gruppe um 19 Uhr in der L14zwo in der Lindenstraße 2 in Fulda. Jeder der mag, kann vorbeikommen.

„Verkehrswende Fulda“

Mit der „Verkehrswende Fulda“, einer Initiative, die sich für nachhaltige Mobilität einsetzt, rief Karla außerdem das Projekt „Lastenräder“ ins Leben. Sie sagt: „Man muss nicht zwingend immer mit dem Auto fahren – die meisten Wege lassen sich mit dem Fahrrad erledigen. Mit den Lastenrädern kann jeder seine Lasten wie zum Beispiel kleine Einkäufe transportieren, und das völlig kosten- frei.“ Dazu wollen Karla und Co. pro Ortsteil ein Rad zur Verfügung stellen, das kostenlos ausgeliehen werden kann. Noch ist das Crowdfundingziel allerdings nicht erreicht. Karla hofft, die ersten Lastenräder im April 2020 kostenlos zur Verfügung stellen zu können.

„Wir setzen ein Zeichen gegen das Müllproblem“

Wegbereiter L14zwo

Ein weiterer wichtiger Wegbereiter ist die bereits genannte L14zwo. Mit zahlreichen Veranstaltungen, Konzerten, Kinofilmen, Kleidertauschpartys und Gruppentreffs ist sie die Anlaufstelle für die Fuldaer Subkultur. Zu ihren Projekten zählen die „Erneuerbar“, die „Nähbar“, eine Verkaufswerkstatt, die „Küche für Alle“ (KüfA), der Kleidertauschladen und eine Siebdruck-Werkstatt. Alle Interessierten können vorbeikommen, ausprobieren, nähen, werkeln, tüfteln, mitmachen.

Die „Erneuerbar“ ist ein Reparatur-Café, das hauptsächlich ehrenamtlich betrieben wird. Hier können Gegenstände jeg- licher Art instandgesetzt und zu neuem Leben erweckt werden. „Mit der ‚Erneuerbar‘ setzen wir ein Zeichen gegen das Müllproblem“, sagt Helen Weißig. Sie ist Mitinitiatorin und sagt: „Jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen.“

In der „Nähbar“ wiederum repariert man seine Textilien – Hosen flicken, Taschen nähen, Vorhänge auffrischen. Zuspruch findet auch der Kleidertausch. Die liebsten Kleidungsstücke können in die Räumlichkeiten der L14zwo gebracht und gegen ein anderes Teil getauscht werden. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Spaß am Selbermachen zu wecken und den Menschen beizubringen, wieder bewusster mit dem eigenen Konsum umzugehen“, sagt Cordula Wiedmannl, Mitinitiatorin der „Nähbar“.

Saisongarten am Eisweiher

Der Lebensmittelmarkt Tegut bietet das Saisongärtnern an – in Fulda ist der Saisongarten am Eisweiher an der Mackenrodtstraße. Interessierte können einen Garten für eine Saison pachten, um ihn zu pflegen und die Früchte zu ernten. „Salat, Spinat, Wirsing und mehr, auch Kräuter und Blumen sprießen hier“, sagt Stefanie Krecek, die den Saisongarten in Fulda betreibt. „Jeder Saisongärtner kann hier selbstständig hacken, gießen, ernten und sich dabei noch an der frischen Luft erholen.“ Das gehe selbst ohne Vorkenntnisse, betont Krecek. Das Team vom Saisongarten stünde bei Fragen zur Verfügung. „Jeder bekommt am Ende qualitativ hochwertiges und saisonales Gemüse“, betont sie weiter.

LED gegen Lichtverschmutzung

Was bislang noch gar nicht groß thematisiert wurde, aber auch unsere Zukunft beeinträchtigt, ist die zunehmende Lichtverschmutzung: Fulda gilt dort als Vorbild und ist Deutschlands erste „Sternenstadt“. Zum Hintergrund: Viel und vor allem falsch gerichtetes, schlecht gesteuertes Licht beeinträchtigt das Leben vieler nachtaktiver Arten, zerstört außerdem Pflanzen und nicht zuletzt die Gesundheit der Menschen. Fulda kämpft dagegen an. Ein Beispiel: Mehrere Hundert Lampen wurden bereits auf umweltfreundliche LED-Leuchten umgerüstet. Ebenso werden die Lichter nachts um 50 Prozent gedimmt.

Und das kannst du tun – täglich

All diese Initiativen haben dazu geführt, dass Fulda 2018 als Hessens erste Fair-Trade-Stadt ausgezeichnet wurde. Das heißt: Es tut sich einiges hier in der Region.

Das ist gut. Und möglichst viele dieser Angebote solltest du nutzen, um unsere Zukunft zu retten. Doch das allein reicht nicht aus. Denn damit wir wirklich etwas gegen den Klimawandel und für unsere Zukunft tun können, müssen wir alle mit anpacken. Und zwar nicht nur freitags, sondern jeden Tag – „Everyday For Future“ quasi. Wir geben dir hier einfache, sofort umsetzbare Tipps mit an die Hand:

Konsumiere weniger: Frag dich vor einem Kauf, was du wirklich zum Leben brauchst.

Nutze nachhaltige Produkte: Biologische Lebensmittel sind nicht nur gut für deine Gesundheit, sondern auch ein Plus für die Umwelt, wenn sie aus nachhaltigen Quel- len stammen. Das gilt auch für Kosmetikprodukte und Kleidungsstücke. Achte auf das Fair-Trade-Zeichen und das Biosiegel.

Kaufe regional und saisonal: Das spart nämlich Transportkilometer. Einen Saionkalender findest du zum Beispiel unter www.eatsmarter.de/saisonkalender.

Verzichte auf Plastik und Einwegprodukte: Transportiere den Einkauf lieber im Rucksack, lass Getränke in Einwegbehältern links liegen. Dein Kaffee schmeckt aus einem Mehrwegbecher mindestens genauso gut wie aus einem Coffee-To-Go-Becher. Achte auch auf Unverpackt-Produkte im Supermarkt. Das Angebot wächst stetig (siehe dazu unser Interview mit Elisabeth Rammler ab Seite 18).

Laufe und fahre mit dem Rad: So bläst du keine schädlichen Abgase in die Luft, und deine Gesundheit bedankt sich ebenso bei dir.

Verzichte öfter auf Fleisch und Milchprodukte: Du musst nicht gleich zu einem strengen Veganer mutieren. Aber es muss nicht täglich ein Burger sein.

Dreh den Hahn ab: Wasserverschwendung ist teuer und unnötig. Dusche statt zu baden, lasse beim Zähneputzen und Abwaschen den Hahn nicht laufen.

Wechsle zu einem Ökostrom-Anbieter: Es gibt viele Ökostrom-Anbieter, zu denen du wechseln kannst und die noch nicht einmal wesentlich teurer sind. Auch wichtig: schalte Geräte, die du gerade nicht nutzt, aus.

Reise nachhaltig: Seit der Klimakrise stehen Flüge und Kreuzfahrten stark
in der Kritik. Im Internet findest du viele Portale, auf denen du umweltfreundliche Reisen buchen kannst (bookitgreen.com, biohotels.info, fairunterwegs.org). Und vielleicht tut’s ja auch mal ein Urlaub in Deutschland? Wenn du unbedingt fliegen willst, kannst du auf atmosfair.de deinen CO2-Verbrauch kompensieren.

Repariere: Schmeiße nicht gleich alles weg, das kaputt ist. Vieles lässt sich reparieren, vor allem Kleidungsstücke und Möbel.

Trenne Müll: Das ist gar nicht so schwer wie gedacht. Man unterscheidet in fünf Kategorien: Leichtverpackungen aus Kunststoff, Alu, Weißblech oder Verbundmaterialien wie Getränkekartons, Behälterglas, Papier, Restmüll und Bioabfall. Für jede dieser Abfallsorten gibt es die zuständigen Sammelbehälter.

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