Put on a happy face: „Joker“ ist unser heißer Scheiß der Woche

Heißer Scheiß
Foto: Warner Bros. Entertainment

Vorhang auf für den Joker: Der wohl größte Comic-Bösewicht und Erzrivale von Batman hat nun einen eigenen Film bekommen. Mit „Joker“ liefert Regisseur Todd Phillips nicht nur die Originstory des traurigen Clowns, sondern auch Input für unseren heißen Scheiß der Woche.

Anfang der 80er: Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) arbeitet als Partyclown in Gotham City. Ein Job, in dem er regelmäßig physisch und psychisch von Kunden oder Passanten auf der Straße gedemütigt wird. Abends muss sich der labile Mann um seine kranke Mutter Penny (Frances Conroy) kümmern. Mit ihr bewohnt er ein heruntergekommenes Appartment in der Stadt.

Der psychisch kranke Mann träumt von einer Karriere als Stand-up-Comedian ­– erfolglos. Seine Zuflucht sind seine Psychopharmaka und die Treffen mit einer Sozialarbeiterin. Als beides aufgrund der hohen Kosten gestrichen wird, nimmt sein Leben eine drastische Wendung.

Ist das alles noch real?

Der sowieso schon labile Arthur verschwindet in seiner eigenen Welt voller Erfolg, Liebe und Bewunderung. In seinen Gedanken malt er sich eine Beziehung mit der hübschen Nachbarin aus und einen erfolgreichen Auftritt als Comedian.  

Als er eines Abends in einer U-Bahn von drei betrunkenen Yuppies drangsaliert wird, knallt er sie kurzerhand ab – und löst damit unbeabsichtigt eine Bewegung gegen die Oberschicht aus, die am Ende des Films eskaliert.

Grandios gespielt

Der Film zeigt, wie Arthur nach und nach von der Außenwelt und seiner Krankheit in den Wahnsinn getrieben wird. Die Filmkritiken sind überwiegend positiv. Besonders die schauspielerische Leistung von Phoenix ist grandios. Nicht allein sein Lachen, die gesamte Gestik und Mimik spielt er wie kein Zweiter.

Merkt der Joker selbst, was er anrichtet? Arthur scheint jeden Bezug zur Realität verloren zu haben. Und auch beim Zuschauen ist es schwer nachzuvollziehen, ob die Szene sich in seinen Gedanken oder in der Realität abspielt – was der Geschichte aber keinen Abbruch bringt. Im Gegenteil: Die Spannung hält sich den ganzen Film über konstant.

Bewunderung gegen Mord

Die Aufmerksamkeit und Bewunderung für seine Morde machen ihn zum Helden der Unterschicht. Deutlich wird vor allem die Kritik am Sozial- und Gesundheitssystem: Die Stadt streicht nun auch die letzten öffentlichen Mittel für die sozial Schwachen, während die Reichen immer reicher werden – eine weitere Demütigung für die Unterschicht und für Arthur, der auf seine Medikamente angewiesen ist.

Todd Phillips verzichtet, bis auf wenige Momente, auf Spezial-Effekte. Die Entwicklung und der Charakter von Arthur alias Joker stehen den kompletten Film über im Vordergrund. Die meisten Szenen sind ruhig, so kannst du dich voll und ganz auf den Charakter einlassen. Zwischendurch wird die Ruhe von emotionalen Ausbrüchen des Hauptdarstellers gestört. Es ist nie klar, wie Arthur als nächstes handeln wird. Generell weiß man nicht, ob sich der Film wirklich in der Realität abspielt oder einfach nur ein Traum des Comedians ist. Letztere kann wohl nur Phillips selbst erklären.

Joker: Auf jeden Fall ein packender Psychothriller, der Gesellschaftskritik nicht ausspart und zeigt, wie ernst zu nehmen psychische Krankheiten sind.

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