Unser heißer Scheiß: Waschmittel aus Kastanien

Kastanien-Waschmittel ist kostenlos, regional, umweltfreundlich und rein pflanzlich. Foto: matka_Wariatka/AdobeStock

Im Herbst finde ich immer wieder Kastanien am Wegesrand. Bisher kamen sie immer mit in die Tasche und ich habe sie als Herbst-Dekoration verwendet. Einige Freunde haben Kastanien schon auf eine andere Art und Weise genutzt: und zwar als Waschmittel. Kastanien-Waschmittel ist kostenlos, regional, umweltfreundlich und rein pflanzlich. Ich habe das DIY-Waschmittel getestet.

Hättest du gedacht, dass du aus Kastanien Waschmittel herstellen kannst? Ich auch nicht. Doch die braunen Kugeln eignen sich nicht nur als herbstliche Dekoration, denn sie enthalten Saponine (lat. „sapo“ = Seife). Kurzum: Es handelt sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die sich in Wasser lösen und beim Schütteln Schaum bilden. Zudem sollen sie fettlöslich wirken. In Wasser eingeweichten Kastanien sind also eine gute Seifenlauge.

Wenn du das Waschen mit Rosskastanien einfach mal ausprobieren möchtest, dann suche dir einen kleinen Berg verschmutzter Buntwäsche und gehe so vor:

  1. Am besten verwendest du frisch gefallene Kastanien. Für einen Waschgang benötigt man – je nach Verschmutzungsgrad und Wäschemenge – circa 8 Kastanien.
  2. Du kannst die Kastanien mit einem scharfen Messer halbieren oder vierteln. Das Zerkleinern geht am einfachsten und ungefährlichsten, wenn Du ein möglichst großes Messer nimmst, die Klinge auf die Kastanie legst und es dann einfach mit beiden Händen herunter drückst.
  3. Die Schale entfernen: Das macht nur Sinn bei weißer Wäsche. Für Buntwäsche kann man die Schale an der Kastanie lassen.
  4. Gib die Stücke in ein Glas, übergieße sie mit 300 ml Wasser (für einen Waschgang) und lass sie für 2-3 Stunden oder einfach über Nacht einweichen. Das Wasser löst so langsam die Saponine aus den Kastanien, welche deine Wäsche schön sauber und frisch machen. Je kleiner die Stücke sind, desto kürzer ist die Einweichzeit.
  5. Gieße das Kastanienwasser durch ein Sieb in das normale Waschmittelfach der Waschmaschine und los geht’s.
Das Kastanien-Waschmittel riecht neutral, kann aber mit ätherischen Ölen variiert werden. Foto: Madeleine Steinbach/AdobeStock

Schon vor dem Einsatz in der Waschmaschine erkennst du, dass aus dem Wasser-Kastanien-Gemisch ein Waschmittel entsteht. Schüttelst du das Glas mit den Kastanienstücken, entsteht typischer, seifenartiger Schaum auf der Oberfläche der Flüssigkeit.

Wenn du keine zwei bis drei Stunden warten magst, kannst du auch eine Express-Methode nutzen: Koche die Kastanienstücke in Wasser auf und lasse das Ganze für circa 15 Minuten kochen. So erhältst du frisches Waschmittel ohne lange Wartezeit.

Waschnüsse stammen vom Seifenbaum ab und werden vornehmlich aus Asien importiert. Foto: buFka/AdobeStock

Ist die Kastanienflüssigkeit einsatzbereit, gibst du sie einfach wie unter Punkt 5 geschildert durch ein Sieb in dein Waschmittelfach. Bei hartem Wasser würde ich zusätzlich einen Teelöffel Wasch-Soda dazu gießen. Soda wirkt als Wasserenthärter und verbessert die Reinigungswirkung. Mit diesem Kastanien-Waschmittel wird normal verschmutze Buntwäsche problemlos sauber. Da es keine Duftstoffe enthält, riecht die Wäsche nach dem Waschen absolut neutral. Hartnäckige Flecken musst du bei Bedarf vorbehandeln, beispielsweise mit Gallseife.

Wichtig! Da die Kastanienflüssigkeit nicht lange haltbar ist, solltest du keine großen Mengen produzieren. Wenn dir diese Art des Wäschewaschens gefällt, kannst du dir einen kleinen Vorrat an Kastanien anlegen und sie richtig vorbereiten.

Heimische Rosskastanie statt importierte Waschnuss

Die Kastanie besitzt mit 10% einen ähnlich hohen Anteil an Saponinen wie die indische Waschnuss. Man kann die Kastanie im eigenen Garten anpflanzen oder sammelt ihre Früchte im Wald oder Parks. Das erspart natürlich lange Transportwege und ist damit nicht nur umweltfreundlicher als die Verwendung von Waschnüssen, sondern man spart auch noch Geld.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) betont jedoch: Für wirklich weiße Wäsche sind Rosskastanien nicht geeignet – sie können einen Gelbschimmer hinterlassen, genauso wie Waschnüsse. Beim Einsatz von Kastanien rät der BUND, die Schalen zu entfernen und etwas Backpulver oder Natron mit in die Trommel zu geben. Aufgrund dieser Information habe ich in meinem Test ausschließlich bunte oder dunklere Wäsche gewaschen. 

Mein Fazit: Kastanien-Waschmittel ist kostenlos, regional, umweltfreundlich, rein pflanzlich und obendrein sehr effektiv. Wenn man die Reste kompostiert, entsteht nicht einmal Abfall. Ich finde, die Wäsche wirkt sogar sauberer und weicher als mit herkömmlichen Mitteln. Am Anfang ist es natürlich gewöhnungsbedürftig, da sie absolut neutral riecht, doch sauber wird es allemal. Man kann es aber auch mit ätherischen Ölen variieren, beispielsweise Lavendel- oder Orangenöl. Also eine absolute Win-Win-Situation.


Hast du schon Erfahrungen mit selbstgemachten Waschmittel aus Kastanien gemacht? Oder willst du es jetzt mal ausprobieren? Dann lasse doch einen Kommentar auf Facebook oder Instagram da. Wir freuen uns auf dein Feedback.

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