Everyday for Future – Wie wir die Erde zerstören und wie wir sie retten können

Klimawandel, Wüste, Nachhaltigkeit, Titelstory, 2019, Fulda
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Verdammt, unsere Welt geht unter! Das zumindest ist genau der Eindruck, der sich uns an allen Ecken und Enden aufdrängt. Denke nur an die Klimakrise, die Massentierhaltung, die Vermüllung der Böden und Meere voller Mikroplastik. Überall schrillen die Alarmglocken. Klar ist: Ohne ein Umdenken gefährden wir – die Generationen X, Y und Z – unsere Zukunft massiv. Die gute Nachricht ist: Es gibt bereits einige Initiativen und Gesetzesvorhaben, die unsere Erde und damit auch unsere Zukunft retten wollen. Die schlechte Nachricht: Ohne jeden Einzelnen von uns, also auch ohne dich, geht es trotzdem nicht.

Von Jenna Weidemeier, Nico Bensing und Sascha-Pascal Schimmel

Umweltschützer sagen, wenn alle Menschen auf der Welt konsumieren und wirtschaften würden wie wir Deutschen, bräuchte man die Ressourcen von drei Erden. Für dieses Jahr hat die Menschheit ihr Budget an natürlichen Ressourcen rechnerisch bereits aufgebraucht. Das heißt: Wir beuten unseren Planeten ganz schön aus. Und geht es so weiter, dann werden uns die Folgen schon bald sehr hart treffen! Denn viele Rohstoffe, die wir so nutzen, landen als Schadstoffe irgendwann wieder in Atmosphäre, Gewässern und Böden.

Mit dieser Geschichte wollen wir dir zeigen, womit wir unsere Zukunft derzeit stark gefährden, wie das alles zusammenhängt und was du an jedem einzelnen Tag dagegen tun kannst.

Heute: Teil 1 – Verpestung, Vermüllung, Verschwendung

Der größte Sorgentreiber für unsere Zukunft ist der Klimawandel. Dafür ist vor allem der Treibhauseffekt verantwortlich, durch den sich die Erde mehr und mehr aufheizt. Seit Beginn der Industrialisierung ist die Jahresdurchschnittstemperatur um mehr als ein Grad gestiegen. Und die Erwärmung beschleunigt sich. In den vergangenen 50 Jahren stieg die Temperatur doppelt so schnell an wie in den 50 Jahren davor. Das liegt daran, dass wir immer mehr Treibhausgase in die Luft blasen. Das Umweltbundesamt schätzt, dass Deutschland vergangenes Jahr 866 Tonnen Treibhausgase emittiert hat. An die 90 Prozent sind laut der Schätzung Kohlendioxid (CO2) gewesen. CO2 entsteht in vermeintlich modernen Gesellschaf- ten praktisch überall. Es steigt aus den Schloten von Fabriken und Kraftwerken, es entsteht im Straßenverkehr oder in der Landwirtschaft. Und auch wer sein Leben lang nur im Bett liegt und es schön warm in der Bude haben möchte, erzeugt Kohlendioxid. Viele Heizungen nutzen als Energielieferanten nämlich noch fossile Stoffe wie Gas und Öl.

Es gibt also an sich viele Stellschrauben, um den CO2-Kanonen die Munition wegzunehmen. Und es gibt eine natur- verbundene Institution, die uns einen ordentlichen Teil der Kohlendioxid-Salven vom Leib hält: den Wald. Bäume betreiben Photosynthese, dabei verarbeiten sie das Gas. Im Waldbericht der Bundesregierung 2017 steht, dass der Wald in Deutschland die Atmosphäre jährlich um rund 58 Ton- nen CO2 entlastet.

Um dem Klimawandel Herr zu werden, bräuchten wir allerdings deutlich mehr Bäume, als derzeit auf der Erde stehen. Die Wälder können gar nicht so viel CO2 binden, wie wir rausblasen. Dumm nur, dass genau das Gegenteil geschieht. Bäume werden abgeholzt oder – wie jetzt in Brasilien – sogar abgefackelt, um auf den frei gewordenen Flächen Landwirtschaft zu betreiben. Tatsächlich soll die Massentierhaltung der größte Faktor für die Klimaerwärmung sein. Laut einem Bericht der UN liegt der CO2-Anteil bei circa 20 Prozent – so viel wie der komplette Auto-, Luft- und Schiffsverkehr zusammen. Die Umweltorganisation WWF schätzt, dass in den kommenden zehn Jahren weitere 170 Millionen Hektar Wald verschwinden werden – das ist die fünffache Fläche Deutschlands. „Bäume sind unabdingbar für unser Klima“, erklärt Hans Daub, Mitglied bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Er sagt: „Das Anpflanzen von Bäumen ist ein effektiver Weg, um das Klima zu schützen.“ Durch das Abholzen hingegen werde der Treibhauseffekt weiter verstärkt.

Und der hat fatale Folgen: Du kannst dir das wie die Kettenreaktion beim Domino vorstellen. Ein Stein nach dem anderen fällt, weil er von seinem Vorgänger umgestoßen wurde. Es wird wärmer, Eis schmilzt, und zwar jährlich um circa einen Meter. Die Fläche der Arktis hat sich von 7,6 Millionen Quadratkilometer im Jahr 1980 auf nur noch 4,63 Millionen Quadratmeter im Jahr 2018 verkleinert. Die Pegel der Meere steigen, zusätzliches CO2, das im Eis gefangen war, wird freigesetzt. Gewässer wärmen sich weiter auf, Fischarten sterben aus, weil der Sauerstoffgehalt sinkt. Da nun auch mehr Wasser verdunstet, gibt es häufiger Niederschläge, Überflutungen und Erdrutsche. Seit 1980 haben sich solche Ereignisse auf mehr als 900 Katastrophen pro Jahr nahezu verdreifacht. Extreme Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius werden immer häufiger vorkommen. Das führt zu Hitzewellen, Waldbränden und Dürren. Auch Tiere, die nicht im Wasser leben, sterben nach und nach aus. „Wir verzeichnen beispielsweise einen Rückgang der Kreuzotter“, sagt Hans Daub. Schätzungs- weise 50 000 Tierarten machen derzeit pro Jahr die Grätsche – Tendenz steigend. Der Eisbär zum Beispiel dürfte schon in wenigen Jahrzehnten nur noch im Zoo zu finden sein, da sein Jagdrevier in der Arktis nach und nach wegschmilzt.

Zusätzlich sind einige Baumarten gefährdet: Aufgrund der anhaltenden Trockenheit kann zum Beispiel der Borkenkäfer ungehindert wildern. „Besonders gefährdet sind Fichte und Buche“, sagt David Nöllenheidt, Leiter des Forstamtes Fulda. Der Klimawandel führt außerdem zu Wasserknappheit: „Aus dem Vogelsbergkreis zum Beispiel wird bereits jetzt Grundwasser für die Rhein-Main-Region abgezogen. Das geschieht aber nicht nur hier, sondern auch in anderen Teilen Deutschlands“, erklärt Hans Daub. Die Verfügbarkeit sinke teilweise sogar so stark, dass Landwirtschaft und Industrie den Wasserverbrauch einstellen müssten, damit Trinkwasseranlagen weiterlaufen können.

Puh!

Neben der Erderwärmung setzt die zunehmende Vermüllung unserem Planeten zu. Überall findet sich Plastik: in Flaschen, in Obst- und Gemüseverpackungen, in Strohhalmen, Autos, Kugelschreibern und und und. Das große Problem: Plastik zersetzt sich kaum oder nur sehr, sehr langsam. Zahlen der Europäischen Kommission zeigen: Europa produziert jährlich etwa 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Davon sind nicht einmal 30 Prozent wiederverwertbar. Ein großer Teil des Plastikmülls treibt sinnlos durch die Ozeane. Acht Millionen Tonnen landen dort jährlich. „Das aktuelle Verpackungssystem schadet unserer Umwelt eindeutig. Wir brauchen grundsätzlich ein neues Modell“, ist sich Hans Daub sicher.

Die 17 Ziele für
nachhaltige Entwicklung

Mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung streben
die Vereinten Nationen mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Umwelt an. Die Ziele sind 2016 festgelegt worden und sollen bis 2030 umgesetzt werden. Die Ziele lauten in Kurzfassung wie folgt:

1. Armut beenden

2. Ernährung sichern


3. Gesundes Leben für alle


4. Bildung für alle


5. Gleichstellung der Geschlechter


6. Wasser und Sanitärversorgung für alle


7. Nachhaltig und moderne Energie


8. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Arbeit für alle


9. Widerstandsfähige Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung


10. Ungleichheit verringern


11. Nachhaltige Städte und Siedlungen


12. Nachhaltige Konsum- und Produktionsweise


13. Sofortmaßnahmen ergreifen, um den Klimawandel zu bekämpfen


14. Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Ozeane


15. Landökosystem schützen


16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen


17. Globale Partnerschaft stärken

Besonders schädlich ist Plastik in Form von Mikropartikeln. Sogenanntes Mikroplastik ist nur schwer wieder aus der Umwelt herauszubekommen. Forscher wiesen kürzlich nach, dass Mikroplastik sogar in menschlichen Ausscheidungen vorkommt. Denn: Im Meer wird es von Tieren wie Fischen oder Seehunden gegessen – und so gelangt es über tierische Lebensmittel in unseren Körper. Selbst Vegetarier sind vor Mikroplastik nicht sicher. Es kommt auch im Erd- und Ackerboden vor. Welche Folgen das haben könnte, ist bislang nicht abzusehen. Die winzigen Teile könnten unser Erbgut verändern, warnt der Naturschutzbund Nabu. Jedenfalls sorgt das Plastik für ein Massensterben in den Weltmeeren, da die Tiere das Zeug essen und dann trotz vollen Magens verhungern.

Weg damit, hat ja nix gekostet

Echten Mangel? Kennen die meisten Deutschen nicht. Es ist vielmehr so, dass wir fast alles im Überfluss haben. Vieles landet nach kurzer Zeit oder sogar ungenutzt im Müll. Anschließend füllen wir unsere Einkaufswagen wieder fleißig. Wir verschwenden dadurch massig Ressourcen.

Das ist zum einen bei Klamotten so. Greenpeace schreibt in einer Broschüre, nur 21 Prozent der befragten Deutschen würden Kleidung ausschließlich dann aus- sortieren, wenn sie kaputt ist oder nicht mehr passt. Was für eine Verschwendung von Ressourcen das bedeutet, verdeutlicht eine Zahl, die die Organisation in der Broschüre nennt: Demnach gehen für die Produktion einer Jeans rund 7000 Liter Wasser drauf.

Die Ressource Wasser verschwenden wir auch durch unseren Umgang mit Lebensmitteln. Laut dem Umweltbundesamt werfen wir Deutschen jedes achte Lebensmittel weg. Das summiert sich im Jahr auf zwei vollgepackte Einkaufswagen pro Person. Auf diese Weise verschwenden wir Wasser, das für die Produktion von Lebensmitteln nötig ist. Richtig durstig sind Avocado und Rindfleisch. Wenn wir davon jeweils ein Kilo essen, fließen virtuell 1000 beziehungsweise 15.000 Liter Wasser über unseren Teller.


(Anmerkung der move36-Redaktion: Im Magazin ist uns bei der Geschichte ein Fehler bei einem Namen unterlaufen: Jenna heißt Weidemeier, nicht Weidemann mit Nachnamen. Bitte entschuldige dies.)

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