Biker und 263 AfDler: Lauter Protest gegen Parteitag in Neuhof

Landesparteitag AfD Hessen in Neuhof
Ziemlich nah beieinander: AfD Hessen und Protestierende in Neuhof. (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Neuhof war am Samstag Hessens politischer Schmelztiegel. Im Gemeindezentrum startete der Landesparteitag der AfD – davor protestierte ein breites Bündnis. Manch einen irritierte dieser Protest.

Was am Samstag vor dem Gemeindezentrum in Neuhof los gewesen ist, hat nicht allen Delegierten der AfD Hessen geschmeckt. Die hatten sich dort zum Parteitag ihres Landesverbandes versammelt. Die Wahl eines neuen Vorstands stand unter anderem auf dem Programm. Schon zu Beginn drang von draußen jedoch immer wieder Musik zu den Delegierten im Saal des Gemeindezentrums.

Gegen Mittag schließlich versammelten sich Protestierende – darunter Mitglieder des linken Motorradclubs „Kuhle Wampe“ – vor dem Seiteneingang des Gebäudes, pusteten in Trillerpfeifen und skandierten Parolen gegen die AfD.

„Wie nah die ran dürfen“

„Die stehen direkt davor. Manche sehen aus, als wären sie aus einem Gullideckel gekrochen“, sagte auf dem Flur des Gemeindezentrums ein AfDler einem Parteifreund. „Wie nah die herandürfen“, raunte eine andere Delegierte.

In Neuhof hatte sich ein breites Bündnis formiert, um gegen die AfD zu protestieren, um im erlaubten Maße den Parteitag zu stören. Darunter „Fulda stellt sich quer“, die Jusos, die SPD und der Gewerbeverein Neuhof. Das Bündnis stellte unter dem Motto „Oktoberfest der Kulturen“ eine Art Protestfest auf die Beine – mit politischen Reden und Livemusik. Hunderte Besucher versammelten sich im Laufe des Tages auf dem Platz neben dem Gemeindezentrum. Mara Vogel zählt zu den Gesichtern des Protests. Die junge Frau aus Neuhof hatte die Veranstaltung im August angemeldet.

Oktoberfest der Kulturen in Neuhof, Landesparteitag AfD Hessen
Chiara Lauth und Mara Vogel (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

„In den vergangenen Wochen haben wir jeden Tag dafür gearbeitet, dass hier so ein Fest stattfinden kann“, sagt Mara. Mit dieser Art Protest würden sie zeigen wollen, was sie von der Partei halten. „Verhindern können wir einen Parteitag einer demokratisch gewählten Partei ja nicht.“ Mara ist es auch gewesen, die den Protest während des AfD-Parteitages im April 2018 in ihrem Ort organisiert hatte.

Meuthen lobt AfD Hessen

Für die Polizei stellte der Protest in unmittelbarer Nähe zum Parteitag kein Problem dar. Sie rechnete nicht mit Ausschreitungen. „Wir sorgen heute dafür, dass die Versammlungsfreiheit gewährt wird“, sagte Dominik Möller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen. Dafür sei eine Anzahl an Polizisten im mittleren zweistelligen Bereich im Einsatz gewesen.

Deutlich mehr Menschen fanden auf Seiten der AfD am Samstag den Weg nach Fulda. 263 Delegierte hatten sich ab 8.30 Uhr akkreditiert. Daneben ist Jörg Meuthen, Ko-Vorsitzender der Bundespartei, zu Gast gewesen. In seiner Rede lobte der den hessischen Landesverband. „Wird in den Medien von Flügelkämpfen berichtet, fällt der Name Hessen nicht“, sagte er am Samstag vor den AfD-Hessen. Von move36 auf das Thema Rhetorik angesprochen sagte Meuthen, dass alle Seiten abrüsten müssten.

Jörg Meuthen bei AfD Hessen in Neuhof
Jörg Meuthen, Ko-Vorsitzender der Bundes-AfD, hielt in Neuhof eine Rede. (Foto: Felix Weigl)

Hohmann macht Stimmung gegen LGBTQ

Kurz vor der Rede des Ko-Bundesvorsitzenden hatte Martin Hohmann, Sprecher des Kreisverbands Fulda, die Delegierten begrüßt. In seinem Grußwort zitierte er die Bibel: „Gott schuf den Menschen als Mann und Frau nach seinem Bilde. Das ist eine klare Absage an den ganzen Genderquatsch und LGBTQ.“ Dafür bekam der Bundestagsabgeordnete aus Neuhof satten Applaus. Homo- und Transsexuelle dürften zu dem Schluss kommen: Für Hohmann zählen sie nicht zur Kernzielgruppe seiner Partei.

Ob die AfD alle Tagesordnungspunkte an diesem Wochenende wird abhaken können, war am frühen Samstagnachmittag noch nicht klar. Sollte das nicht der Fall sein, wird es eine Fortsetzung des Parteitags geben. Und zwar im Wartenbergoval.

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